Foto: Gerhard Wingender / Eibner.
40 rasante Minuten, 16 Führungswechsel und eine äußerst spannende Partie: Vor den Augen von 5.600 Zuschauer:innen duellieren sich Ludwigsburg und Bonn im 55. Aufeinandertreffen einmal mehr auf höchstem Niveau. Glücklich, da siegreich, sind schlussendlich die MHP RIESEN, die sowohl den Sieg (81:79) als auch den Direktvergleich (+1) aus dem Rheinland entführen und zumindest emotional einen großen Schritt in Richtung Postseason machen.
Wenn große Teams in großen Momenten entstehen, haben die MHP RIESEN Ludwigsburg am Freitag einen solchen möglicherweise erlebt – und diesen durch Disziplin, Arbeit und Zusammenhalt selbst kreiert! Die Schwaben benötigten im Telekom Dome eine ihrer besten Saisonleistungen, um die viertplatzierten Bonner zu stoppen, brachten diese wie erhofft aufs Parkett und triumphierten. Falls ein einzelner Moment aus diesem Krimi als Symbol herausgenommen werden kann, ist es vermutlich der Dreier von Stef Smith 40 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene. Der Kanada-Jamaikaner traf mit seinem vierten Distanztreffer mitten ins Bonner Herz (79:80) und sorgte für Ludwigsburger Freudentaumel, der sowohl befreiend wie verdient daherkam: In den 39:20 Minuten zuvor hatten sich Schwaben und Rheinländer ein äußerst sehenswertes Duell geliefert, bei dem Nuancen den Ausschlag gaben. Für die Gäste sprachen dabei: Die erneut größtmögliche Intensität, die eigene Defensivleistung, die Dreierquote (43,8%) und die eigene Resilienz gepaart mit großartigem Teamplay. Smith, Keeshawn Kellman, Brandon Tischler und Co. ließen sich von keinem Bonner Korberfolg, nicht von der Kulisse und auch nicht von Personal-Ausfällen stoppen, trafen wichtige Würfe aus schwerstmöglichen Positionen und behielten selbst die Nerven, während sie Bonn – unter anderem bei zwei Distanzwürfen von Joel Amniu und Grayson Murphy in den Schlusssekunden sowie Freiwürfen von Alijah Comithier zur möglichen Verlängerung – versagten.
Begonnen hatte die Revanche mit zwei Unpässlichkeiten und viel Athletik. Während Gavin Schilling (krank) und Johannes Patrick (verletzt) untätig zuschauen mussten, brillierten Keeshawn Kellman und Brandon Tischler zu Beginn der Partie. Das Duo war in den ersten Sequenzen eine nicht zu stoppende Wucht, sorgte für Ludwigsburger Zähler, samt sehenswerten Dunk nach Backdoor-Cut. Auf Bonner Seite war Murphy schnell im Rhythmus, sorgte für die ersten sieben Baskets-Punkte (9:10; 4. Spielminute). Ab dem Start sollte sich beidseitig nicht nur ein rassig geführtes, sondern auch ein sehr dynamisches und sehr physisches Spiel entwickeln. Die Vorteile wogten hin und her, zunächst lagen sie dank besserer Feldwurfquoten von 50% bei den Hausherren (19:17, 10.).
Ab dem zweiten Abschnitt wurde dann auch der bis dato kaum vorhandene Distanzwurf ein Element im RIESEN-Spiel: Tischler, Stef Smith und Lenny Anigbata trafen aus der 6,75-Meter-Distanz und führten ihre Farben auf acht Zähler Differenz davon (24:32). Ludwigsburg überzeugte mit viel Energie und großem Rebound-Einsatz, den Anigbata, Toms Skuja, Babacar Sane und Julis Baumer mustergültig verkörperten. Die Bonner fanden darauf, wie so oft an diesem Abend, eine gute Antwort. Durch ihre beiden Besten, Murphy und Topscorer Jalen Finch, die bereits nach 20 Minuten mit zweistelligen Werten von der Anzeigetafel grüßten, kamen sie heran und gestalteten das Geschehen eng (38:40; 20).
Foto: Gerhard Wingender / Eibner.
Nachdem ein Buzzerbeater-Foul von Skuja an Jeff Garrett bereits vor dem Seitenwechsel beide Mannschaften in Habachtstellung versetzt hatte, tat dies der Beginn der zweiten Halbzeit allemal: Ludwigsburg setzte mit Babacar Sane und Anigbata die Highlights, Bonn stand dem durch Aminu und Garrett in nichts nach. Das Duell wurde nickeliger und kleinteiliger, die Trefferquoten sanken auf beiden Seiten – was eher nützlich für die Hausherren war, die den Rebound (39:36) und „das Spiel der Würfe (69 / 56) deutlich für sich entschieden und minimal die Oberhand übernahmen (56:53, 30.).
Den Siedepunkt sollte die Partie dann im vierten Viertel erreichen. Elijah Hughes und Baumer sorgten jeweils aus der Distanz für Zählbares und sollten drei zu insgesamt sieben, gelb-schwarzen Distanztreffern im Schlussabschnitt beitragen. Ludwigsburg spielte nun seinen besten Basketball und war stets zur Stelle. Skujas fünftes persönliches Foul und ein kleinerer Rückstand (67:62) zerstörten zwar das Momentum, irritieren ließen sich die Gäste davon aber nur kurz. Aus der 6,75-Meter-Distanz waren sie omnipräsent und quasi fehlerfrei – und vor allem, wie eingangs erwähnt, nervlich über jeden Zweifel erhaben. Bis auf Buchanan, der ein unglückliches Foul gegen sich gepfiffen bekam, erlaubten sich die Gäste keinerlei gravierende Fehler, rissen das Glück an sich und hatten die Qualitäten in ihren Reihen, um die Partie umjubelt für sich zu entscheiden. Eine Tatsache, die entsprechend begeisternt gefeiert wurde.
Der Sieg, der Gewinn des direkten Vergleichs und das Kurz-Comeback von Kapitän Yorman Polas Bartolo (01:54 Minuten) sorgen für ein exzellentes Wochenende, die Schlagzahl soll aber in der kommenden Woche nochmals erhöht werden: Nach dem Coup beim Vierten, der die Play-In-Platzierung festigt und den Anschluss gen Playoff-Plätze herstellt, erwarten die Schwaben zwei weitere Verfolgerduelle. Zunächst kommt Chemnitz am Mittwoch (01.04.; 20:00 Uhr) in die MHPArena, ehe es am Ostermontag (06.04.; 15:00 Uhr) gen Trier geht.
Für Bonn spielten: Jalen Finch 19 Punkte, Grayson Murphy 15 / 7 Assists / 6 Steals, Joel Aminu 11, Jeff Garrett 10 / 5 Rebounds, Alijah Comithier 8, Michael Kessens 7 / 10, Kur Jongkuch 6, Patrick Heckmann 2 / 5 Assists und Melvin Jostmann.
Für Ludwigsburg spielten: Stef Smith 16 Punkte, Babacar Sane 12, Lenny Anigbata 11 / 7 Rebounds, Keeshawn Kellman 9 / 7, Brandon Tischler 9, Tray Buchanan 8, Julis Baumer 6, Elijah Hughes 5, Jonas Wohlfarth-Bottermann 3, Toms Skuja 1 / 6 Assists, Yorman Polas Bartolo 1 und Maxwell Dongmo Temoka.
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Ich gratuliere unseren Fans und dem Klub zum Sieg. In solch einem Spiel kommt es auf die kleinen Details an. Es hätte in beiden Richtungen ausgehen können, daher sind wir natürlich sehr froh, dass wir am Ende gewinnen konnten. Wir sind sehr stolz darauf, wie wir heute gespielt haben. Wir haben zusammengehalten und unsere Spieler waren zur Stelle, als es darauf ankam. Das macht mich besonders stolz, weil wir uns gegen eine starke Mannschaft und einen guten Trainer durchgesetzt haben – und das in einer der am schwierigsten zu spielenden Hallen Deutschlands. Das bedeutet dem Team viel, daher ich freue mich sehr für die Jungs." |
Marko Stankovic | Headcoach Telekom Baskets Bonn | "Ich gratuliere Mikko Riipinen und seinem Team zum Sieg. Es war ein sehr interessantes und körperbetontes Spiel, die Führung wechselte 16-mal. Die Partie verlief sehr ähnlich wie unser Hinspiel in Ludwigsburg. Als wir in Ludwigburg gewinnen konnten, hatte ich das Gefühl, dass wir es etwas mehr verdient hatten. Heute denke ich, dass Ludwigsburg den Sieg mehr verdient hat, auch wenn es in beide Richtungen hätte ausgehen können. Im letzten Viertel hat Ludwigsburg 28 Punkte erzielt, obwohl wir über das Spiel hinweg gesehen eine solide Verteidigung gespielt haben. Im Schlussviertel haben sie jedoch auch schwierige Würfe getroffen. Am Ende haben wir einen Lay-Up und die Freiwürfe nicht getroffen. In der ersten Halbzeit hat uns die Energie gefehlt, dies haben wir jedoch in der zweiten Halbzeit besser gemacht. Wir haben das Spiel um die Ballbesitze gewonnen, doch am Ende konnte sich Ludwigsburg durchsetzen. Ich bedanke mich bei unseren Fans für die wie immer unglaubliche Unterstützung." |