Foto: Christina Pahnke.
Das Gast- und Nachholspiel beim FC Bayern Basketball endet für die MHP RIESEN Ludwigsburg mit einer 59:93-Niederlage. Die Schwaben haben, auch aufgrund ihrer fünf Ausfälle, vor allem aber aufgrund der eigenen Trefferquote(n) (32,9 FG% | 42,9 FT%), nach einer guten ersten Halbzeit keinen Zugriff mehr zum Spiel. Die Münchner Qualität sorgt für ein deutliches Ergebnis.
Erneut sind es zwei Halbzeitpausen, die das RIESEN-Spiel in der Retrospektive prägen, erneut ist es keinesfalls beachtliches Gemälde und erneut eines mit fehlenden Farben – im Sinne von Spielern. Die Abwesenheit von Tray Buchanan, Toms Skuja, Keeshawn Kellman, Johannes Patrick und Lukas Modic traf die Schwaben im BMW Park zwar nicht unerwartet, sodass sie sich zumindest einige Stunden darauf vorbereiten konnten, wirklich kompensieren konnten sie das Fehlen aber nicht. Gleichzeitig war nicht das Fehlen der Grund für die Deutlichkeit des Ergebnisses, sondern andere Faktoren; dazu gleich mehr.
Zunächst war in der bayerischen Hauptstadt wenig bis nichts von einer Ungleichheit zu sehen: München und Ludwigsburg begegneten sich mit offenem Visier, was in einem regelrechten Shootout, allen voran aus der 6,75-Meter-Distanz, mündete. Während die Hausherren in Justinian Jessup, Justus Hollatz und später auch Andreas Obst punkteten, waren auf RIESEN-Seite Babacar Sane und Stef Smith die auffälligsten Akteure der ersten zwanzig Minuten. Die Viertelstände (27:28 / 43:41) waren entsprechend ausgeglichen, obwohl der FCBB immer wieder sehr erfolgreich den Weg in die Zone suchte und dort mit Physis zu beeindrucken oder an der Freiwurflinie (10/12) – David McCormack und Oscar da Silva waren dahingehend sehr präsent. Die Gelb-Schwarzen wussten dagegenzuhalten. Was natürlich an den Scorern, aber auch an sehr viel nationaler Energie lag: Jonas Wohlfarth-Bottermann, Julis Baumer, Lenny Anigbata und Maxwell Dongmo Temoka waren zur Stelle. Die Barockstädter schienen zumindest phasenweise siegfähig, was die kleine Fan-Delegation im weiten Rund berechtigterweise begeisterte.
An Begeisterung und Stolz änderte sich auch nach dem Seitenwechsel wenig, wohl aber an der Leistung auf dem Parkett. Denn während die Hausherren defensiv nun ihre Klasse veranschaulichten, verwandelte sich die schwäbische Spielfreude innerhalb weniger Augenblicke in Stückwerk, Einzelaktionen und schließlich Frustration. Die Schützlinge von Mikko Riipinen vermochten es nicht, eine Vielzahl von Angriffen zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen. Falls dies doch gelang, landeten die Würfe zumeist auf oder kurz vor dem Ring, Punkte blieben im dritten (27:10) und vierten (23:8) Viertel einseitig Mangelware. Einzig die Münchner marschierten. Sie machten ihre Sache zweifelsohne gut und distanzierten die Schwaben immer weiter, doch bis auf den erkennbaren Einsatzwillen, der individuell erkenn- und spürbar war, kam im Kollektiv viel zu wenig.
München feierte sich und seine Leistung, Ludwigsburg versuchte sich in Schadensbegrenzung und beide Trainer in der Erweiterung der Rotation. Johannes Voigtmann, Leon Kratzer und Simon Feneberg erhielten damit noch etwas Spielzeit. Die beiden Roten sorgten mit Plus-Minus-Werten von +8 nochmals für eine Verdeutlichung der Niederlage, Feneberg blieb ohne Treffer, machte aber 51 Stunden nach der ProB-Playoff-Gala in Itzehoe auch in Bayern eine gute Figur.
Für München spielten: Andreas Obst 19 Punkte, David McCormack 14 / 5 Rebounds, Justinian Jessup 13, Isaiah Mike 11 / 6, Oscar da Silva 9, Justus Hollatz 8 / 7 / 8 Assists, Wenyen Gabriel 6, Niels Giffey 6, Nenad Dimetrijevic 5 / 8 Assists, Johannes Voigtmann 2 / 5 Rebounds, Leon Kratzer und Xavier Rathan-Mayes.
Für Ludwigsburg spielten: Babacar Sane 12 Punkte / 6 Rebounds, Elijah Hughes 12, Stef Smith 9 / 6 / 7 Assists, Brandon Tischler 8, Terrell Harris 6, Jonas Wohlfarth-Bottermann 6, Julis Baumer 2, Lenny Anigbata 2, Maxwell Dongmo Temoka, Gavin Schilling, Yorman Polas Bartolo und Simon Feneberg.
Svetislav Pesic | Headcoach FC BAYERN Basketball | "Wir haben auch heute gesehen, wie wichtig die richtige Physis in der Verteidigung ist. In den ersten 20 Minuten haben wir praktisch nur reagiert. In der zweiten Halbzeit haben wir auch in der Defense die Initiative übernommen, in der Verteidigung eins gegen eins. Das war gut." |
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Glückwunsch an Bayern zum verdienten Sieg. Ich denke, wir haben eine durchaus gute erste Halbzeit gespielt und ich bin stolz, wie wir am Anfang dagegen gehalten haben, als sich München direkt auf sieben, acht Punkte absetzen konnten. Wir wollten das ganze Spiel über zusammenhalten und die Energie hochhalten - das haben wir vor allem in den ersten 20 Minuten geschafft. In der zweiten Halbzeit war Bayern defensiv sehr stark und wir konnten nicht mehr mithalten. Wir haben unsere Würfe nicht mehr getroffen und sind nicht mehr an die Freiwurflinie gekommen. Das Spiel glitt uns dann aufgrund der Bayern-Transition und den Freiwürfen aus den Händen." |