Foto: Sascha Walther / Eibner.
Der dritte Sieg in Folge, der 15. im Saison-Verlauf: Die MHP RIESEN Ludwigsburg bezwingen Chemnitz 87:79 und feiern damit den nächsten Erfolg in einem Schlüsselduell. In einer zerfahrenen Partie mit 45 Ballverlusten, 60 Fouls und 65 Freiwürfen stehen die Schwaben mustergültig füreinander ein und feiern einen verdienten Arbeitssieg. Terrell Harris überzeugt, 48 Stunden nach seiner Ankunft in Deutschland, bei seinem Debüt mit 16 Punkten, 5 Assist und einer Effektivität von +20.
Wieder ein Heimsieg, wieder ein hochverdienter Erfolg, wieder Konfetti und wieder strahlende Ludwigsburger. Das aktuelle Frühlingserwachen steht dem Ludwigsburger Basketball exzellent zu Gesicht – und hat gleichermaßen viele und verschiedene Gesichter. Eine Vielfalt, welche die Schwaben auszeichnet und keinesfalls zufällig, sondern exemplarisch ist und nach wechselhaften Wochen samt Verletzungs- und Krankheitsproblematiken nun auch die angestrebten Ergebnisse mit sich bringt. All das, obwohl die Ausfallliste weiterhin vorhanden ist, Cheftrainer Mikko Riipinen aber nun eine gewisse Flexibilität gibt. Der Schwede konnte Tray Buchanan und Yorman Polas Bartolo, die sich zuletzt mit Knie- respektive Wadenblessuren in den Dienst von Gelb-Schwarz stellten, Regenerationspausen genehmigen. Im Falle von Gavin Schilling (zuletzt krank), Johannes Patrick (noch verletzt) und Lukas Modic (Belastungssteuerung) waren diese notwendig, sodass Nachverpflichtung Terrell Harris direkt zu seinem ersten Einsatz kam und den sprichwörtlichen Einstand nach Maß aufs Parkett legen sollte.
Natürlich kam der US-Amerikaner bei seinem Debüt von der Bank und erlebte von dort eine schwache und unkonzentrierte Anfangsphase seiner neuen Farben. Besser machten es dahingehend zunächst die Gäste, die physisch viel Druck ausübten und Ludwigsburger Rhythmus verhinderten. Kostja Mushidi und Kevin Yebo waren von Beginn an stark (2:9 / 7:12), Babacar Sane aber nochmals stärker. Der Senegalese dominierte aus allen Lagen, traf Distanzwürfe, verwandelte mehrfach spektakulär per Dunking und machte nach vielen guten Partien das beste Spiel im RIESEN-Trikot. Sane war omnipräsent, für die Sachsen nicht zu verteidigen und maßgeblich dafür, dass die Hausherren nach dem ersten Viertel in Front lagen (23:22, 10. Spielminute).
Zwar nicht dauerhaft in Führung, insgesamt aber immer wieder zielstrebiger und treffsicherer war auch im weiteren Verlauf des Spiels Ludwigsburg. Elijah Hughes sprang dabei gemeinsam mit Brandon Tischler Sane offensiv zur Seite. Ein wirklicher Spielfluss kam aufgrund zahlreicher Unterbrechungen und/oder einer großen Anzahl an Foulpfiffen aber nicht zu Stande, wenngleich Chemnitz aus dieser Kleinteiligkeit auch kaum Profit zu schlagen vermochte. Die bessere Defensivleistung kam weiterhin von Ludwigsburg und diese sorgte auch für die Stabilisierung der Führung (47:40, 20.).
Während das Motto auf gelb-schwarzer Seite zum Seitenwechsel gewissermaßen „weniger Ballverluste, weniger Fouls und weiterhin offensive Konsequenz“ lautete, mühten sich die NINERS lange Zeit vergeblich. Sie rieben sich in diversen Nickeligkeiten immer wieder auf, zeigten sich zwar oft, dafür aber harmlos, an der Freiwurflinie (29/47) und mussten immer weiter abreißen lassen. Bis auf einige wenige Einzelaktionen von Yebo und Mushidi stoppten die Barockstädter jeglichen Sachsen-Flow und setzten sich durch überzeugendes Teamplay, eine gute Verteidigung und stabile Trefferquoten (47 FG%) weiter ab (71:55, 30.).
Erst im vierten Viertel und allen voran aufgrund vieler Foulspiele – Ludwigsburg bekam im vierten Viertel 13 Entscheidungen ab- und gegen sich gepfiffen, ehe Chemnitz in einer physisch gleichwertig geführten Partie seinerseits das erste begehen sollte – wurde das Duell nochmals spannend. Derart spannend, dass der Ausgang wieder offen schien, gleichzeitig aber aufgrund mehrerer Faktoren nicht mehr zur Debatte stand. Terrell Harris schulterte in dieser Phase der Partie viel Verantwortung, traf weiterhin gute Entscheidungen und in dieser Phase entscheidend und mehrfach den Korb. Treffer, die wichtig waren und die Chemnitzer Aufholjagd immer wieder stoppten und unterbrachen. Ludwigsburg zermürbte die Gäste regelrecht, was den Schützlingen von Rodrigo Pastore sowohl die Siegchance endgültig entriss als auch das Nervenkostüm zur Entgleisung brachte. 1,4 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene sorgten vier technische und ein unsportliches Foul, beginnend mit einem vermeidbaren Duell von Stef Smith und John Newman III, für ein unrühmliches Ende eines erneut intensivst geführten Match-Ups.
Foto: Sascha Walther / Eibner.
Aus gelb-schwarzer Sicht war dieser Frust jedoch schnell vorüber: Zuerst wurde auf der Teambank, dann im Mittelkreis und anschließend in der ganzen MHPArena gefeiert. Der dritte Sieg in Serie ist bedeutsam und baut den Vorsprung auf Rang 11 (Vechta: 11:15) auf vier Erfolge aus. Ludwigsburg ist weiterhin Siebter (15:11) und nun punktgleich mit Würzburg (15:11), das am Abend im Parallelspiel 90:102 in Trier (15:12) verlor. Die VET-CONCEPT Gladiators sind am Ostermontag (08.04.; 15:00 Uhr) der nächste RIESEN-Gegner.
Für Ludwigsburg spielten: Babacar Sane 24 Punkte / 9 Rebounds, Terrell Harris 16 / 5 Assists, Elijah Hughes 12, Stef Smith 12, Brandon Tischler 6, Keeshawn Kellman 4 / 8, Julis Baumer 4, Maxwell Dongmo Temoka 3 / 6, Toms Skuja 2 / 5, Simon Feneberg 2, Jonas Wohlfarth-Bottermann 2 und Lenny Anigbata.
Für Chemnitz spielten: Kevin Yebo 29 Punkte / 8 Rebounds, Kostja Mushidi 14, John Newman III 10, Nike Sibande 8, Corey Davis 8, Roman Bedime 3, Yordan Minchev 2, Amadou Sow 2, Aher Uguak 2 und Jordan Schakel 1.
Rodrigo Pastore | Headcoach NINERS Chemnitz | "Glückwunsch an Mikko [Riipinen] und sein Team zum Sieg! Es ist einfach zu sagen, dass die Prozente heute ein großer Faktor waren. Ihre zweiten Wurfchancen haben uns ab dem Spielbeginn weh getan, sie waren besser als wir am offensiven Brett [19 / 12 Offensivrebounds]. Wir hatten zu Beginn Probleme mit [Babacar] Sane; in den Match-Ups mit ihm, nach Screens, an den Boards, mit den Würfen von draußen. Als wir ihn dann unter Kontrolle hatten und Aher [Uguak] auf der Vier gespielt hat, wurde Terrell [Harris] wichtig. Er hat für mein Empfinden für Ludwigsburg heute einen großartigen Job gemacht. Seine Verpflichtung ist toll! Er bringt Erfahrung, Leadership, weiß, wie man das Spiel spielt, weiß, wie man gewinnt. 16 Punkte, 5 Assists! Die meisten dieser Punkte waren sehr wichtig im vierten Viertel, als Ludwigsburg Momentum kreiert hat. Wir haben fortwährend versucht, in ein Spiel zurückzukommen, in dem wir uns nie wirklich komfortabel gefühlt haben. Wir haben das gemacht, was es benötigt, um Mannschaften zu bezwingen, die physisch spielen. Wir sind an die Freiwurflinie gekommen – 29 von 47 sprechen für sich. Wir haben 25 Ballverluste forciert, haben offene Würfe [22/55 | 40 FG%] kreiert, die wir nicht verwandeln konnten. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende schnappen wir uns einen Steal, verpassen einen offenen Dunk, der uns auf fünf Punkte herangebracht hätte… Viele Dinge sind heute nicht in unsere Richtung gelaufen. So schlecht es auch war, ich denke, dass wir uns eine Chance gegeben haben. Ludwigsburg war aber besser, hat es verdient zu gewinnen und die Partie dann stärker und besser als wir beendet." |
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Vielen lieben Dank, Coach [Rodrigo Pastore]! Glückwunsch an unsere Fans und die Menschen in unserem Klub, die hart arbeiten und uns in diese Position bringen. Es war mit Sicherheit kein schönes Spiel: Zwei physisch agierende Teams, die sehr intensiv gespielt haben. Wir hatten eine schlechte Entscheidungsfindung, gepaart mit einer guten Chemnitzer Verteidigung, die die [25] Turnover zur Folge hatten. Das ist für uns bereits seit langer Zeit ein Thema, das schmerzt. Dennoch war unsere Mentalität sehr gut, wir sind zusammengeblieben, auch in Momenten, in denen wir den Ball weggeworfen haben. Darauf bin ich sehr stolz. Wir haben heute gegen ein sehr talentiertes Team gespielt und ich bin zufrieden mit dem Sieg! Wir haben sehr viele Jungs, die heute einen guten Job gemacht haben. Natürlich: Terrell [Harris] hatte eine Trainingseinheit in sich. Eine solche Partie zu machen, ist bedeutsam für unsere Mannschaft. Wir haben das wirklich gebraucht, da [Tray] Buchanan heute nicht mitwirken konnte. Darüber bin ich froh. Es gab aber einen Schlüsselmoment im Spiel, bei dem ich bewusst Maxwell Dongmo Temoka und Julis Baumer herausheben möchte. Sie haben uns mit einer großen Menge an Energie und einem defensiven Mindset zurückgebracht. Darüber bin ich sehr froh!" |