Foto: Christian Schlüter.
Happy End in Niedersachsen: Die MHP RIESEN Ludwigsburg feiern in Braunschweig einen 107:98-Erfolg nach Verlängerung. In einem physischen Duell mit insgesamt 51 Foulspielen gelingen den Schwaben ein guter Start, viele Distanztreffer (14 | 46,7 3P%) und Assists (22). Gleichzeitig sorgen die Anzahl an Ballverlusten (15), Foulprobleme auf der Fünf und starke Hausherren für einen 45-minütigen Thriller, in dem Justin Kier und Darius Perry in der Verlängerung aus der 6,75-Meter-Distanz für die Entscheidung sorgen.
Dass die zurückliegende Trainingswoche eine sehr gute aus Sicht der Gelb-Schwarzen war, darüber waren sich von Cheftrainer Carles Durán bis Ish Leggett in Braunschweig alle Beteiligten einig. Wesentlich für ein gutes Fazit tragen aber auch die Geschehnisse in der Volkswagen Halle bei, den unter der Woche erbrachten Einsatz auch einen entsprechenden Ertrag werden ließen.
Dahingehend hatte Durán von seinen Schützlingen vor allem einen guten Start gefordert, die initiale Formation auf drei Positionen (Perry, Hughes und Cartier für Kier, Polas Bartolo und Joplin) verändert und hiermit einen entscheidenden Anteil gehabt. Unter den Augen von Oshane Drews, der erstmals ins RIESEN-Aufgebot rückte, aber noch nicht zum Einsatz kommen sollte, legten die Gäste exzellent los. Tommy Rutherford (2), Ish Leggett (3) und Elijah Hughes (6) sorgten für die ersten Zähler der Partie, die eine RIESEN-Führung zur Folge hatte (5:11 / 7:15, 4. Spielminute). Die Basketball Löwen begannen mit Chancenwucher aus der Ferndistanz, dafür aber mit maximaler Effizienz in Korbnähe: Immer wieder kollabierte die schwäbische Eins-gegen-eins-Defensive, immer wieder kamen die Braunschweiger zu einfachen Korberfolgen – auch via Freiwurf. Gleich 12-mal schickten die Ludwigsburger die Hausherren allein im ersten Viertel (insgesamt 32) an die Linie, was diese zu nutzen wussten. Dennoch konnten die Barockstädter zufrieden sein: Sie selbst waren solide bis gut gestartet und hatten bei den Schützlingen von Ramón Díaz, ihres Zeichens elitäre Starter, erste Wirkungstreffer gelandet. (23:27, 10.).
Im Verlauf der ersten 20 Minuten stotterte der schwäbische Offensivmotor dann allerdings zusehens, unnötige Ballverluste und zu viele Foulspiele hielten die befreit aufspielenden Hausherren im Spiel, was Gian Aydinoglu, Tajh Green und Ferdinand Zylka mit Zählbarem garnierten. Ludwigsburg blieb mit gefälligem Teamplay fortwährend in Front, agierte aber insgesamt im Rahmen seiner Möglichkeiten und gleichermaßen zu fehleranfällig und zu nachlässig.
Foto: Christian Schlüter.
Dieses Bild sollte sich den 3.590 Zuschauer:innen auch nach dem Seitenwechsel bieten: Die Gäste waren gut und/oder besser, aber nicht fortwährend Herren der Lage. Justin Kier und Elijah Hughes, der auf beiden Seiten des Parketts sein bestes Saisonspiel machte und im dritten Viertel via Vierpunkt-Play auftrumpfte, führten ihre Farben an und hielten sie in Front. Doch obwohl sich die MHP RIESEN zweifach abzusetzen versuchten, gelang es nicht. Die heimischen Löwen waren um keine Antwort verlegen, hatten zwar nicht das bessere Team, aber fortwährend in Zylka, Aydinoglu und phasenweise Sheldon Edwards drei sehr gute Guards in ihren Reihen (66:69, 30.).Die beiden Erstgenannten führten auch im vermeintlichen Schlussabschnitt Regie, der mit drei Führungswechseln und vier Gleichständen äußerst spannend daherkam. Ludwigsburg fand mit David Joplin, Patrick Cartier und Perry, der viel zu initiieren versuchte, statt, sah sich aber dennoch 68 Sekunden vor dem Ende am Rande der Niederlage. Zylka hatte zuvor doppelt für Drei-Punkt-Treffer sowie gemeinsam mit Green für die Führung (89:84) gesorgt. Doch wie schon zuletzt wurden die Durán-Jungs ihrem Ruf als ‚Resilienz-Könige‘ gerecht. Hughes und Kier sorgten für den Ausgleich, den Perry mit Ablauf der letzten 24-Sekunden-Uhr der Partie gar mit dem Siegtreffer hätte garnieren können. Der Mann mit der #11 entschied sich für das Sichern des Spielgeräts und des Unentschiedens, was zwar einen Ballverluste verhinderte, gleichzeitig aber aufgrund des missratenen Buzzerbeater-Versuchs die Verlängerung notwendig machte (89:89, 40.).
Auch dort schien die Partie kurzzeitig noch ein Thriller zu bleiben, Kier und Perry beendeten die Spekulationen über den Ausgang der Partie aber dann im Handumdrehen. Die beiden US-Amerikaner verwandelten zusammengenommen drei Dreier in Serie, stellten von Unentschieden (91:91) auf +5 (94:99) und hatten gemeinsam mit ihren Kollegen die bestmögliche Kombination aus defensiven Fähigkeiten, vorhandenen Kraftreserven, Selbstvertrauen und Resilienz, um das bis dato wettbewerbsübergreifend noch einzig ungeschlagene Team der Beletage des deutschen Basketballs zu bezwingen – und sich selbst mit dem Sieg zu beschenken.
Foto: Gunnar Rübenach
Der erste Auswärtserfolg in Braunschweig seit knapp vier Jahren (09.10.2022 | 66:80) ist im Hier und Jetzt für die MHP RIESEN gleichbedeutend mit dem dritten Sieg im fünften Hauptrunden-Match-Up. Die Schwaben stellen in der easyCredit BBL folgerichtig auf 3:2, rücken zunächst aber erst einmal den Netto BBL Pokal in den Fokus. Am nächsten Sonntag (18.10.; 16:30 Uhr) gastiert Vechta zum Achtelfinal-Duell in der MHPArena.
Für Braunschweig spielten: Gian Aydinoglu 17 Punkte / 7 Assists, Sheldon Edwards 14, Ferdinand Zylka 13 / 5 Assists, Benny Schröder 12, De’Jour Reaves 11, Felipe Haase Thiers 8, Zaba Bangala 8 / 5 Rebounds, Chip Flanigan 8 und Tajh Green 7 / 6 Rebounds.
Für Ludwigsburg spielten: Elijah Hughes 22 Punkte, Ish Leggett 18 / 6 Rebounds, Justin Kier 16 / 5 Assists, Darius Perry 14 / 6 Assists, David Joplin 12 / 6 Rebounds, Tommy Rutherford 11, Patrick Cartier 9 / 6 Rebounds, Maxwell Dongmo Temoka 2, Jonas Wohlfarth-Bottermann 2, Yorman Polas Bartolo 1 und Julis Baumer.
Carles Durán | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Das erste Fazit: Ich bin sehr glücklich, weil Braunschweig heute [ebenfalls] sehr gut gespielt hat. Es ist ein wichtiger Sieg für uns! Ich denke, dass wir heute als Team weitaus besser als zuletzt gestartet sind, dann aber auch sehr viele Fehler gemacht haben. Nach und durch unsere Fehler hat Braunschweig die Partie ausgeglichen. Im letzten Viertel waren sie besser als wir, dennoch waren wird geduldig und hatten das Spiel bis zum Ende in unserer Hand. In der Verlängerung war mein Team, für mein Empfinden, dann die bessere Mannschaft. Nichtsdestotrotz müssen wir uns verbessern, wenn wir auch in der Liga eine Chance zur Verbesserung haben möchten." |
Ramón Díaz | Headcoach Basketball Löwen Braunschweig | "Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Ludwigsburg. Ich hatte das Gefühl, dass wir defensiv in den ersten fünf Minuten nicht solide genug waren. Wir haben ihnen zu viele einfache Würfe ermöglicht, wodurch sie Selbstvertrauen gewonnen haben. Und wenn eine Mannschaft erst einmal ihren Rhythmus gefunden hat, wird es schwierig, sie zu stoppen – zumal sie sehr gut getroffen haben. Im zweiten und im letzten Viertel haben wir defensiv gut gearbeitet. Aber in einem so engen Spiel entscheiden letztlich die Details. Als wir mit fünf Punkten in Führung lagen, haben wir einen unnötigen Switch in der Verteidigung gemacht, der zu einem einfachen Korbleger für den Gegner geführt hat. Ich denke, das war eine der entscheidenden Aktionen in diesem Spiel. Trotzdem können wir mit einer 3:1-BIlanz nach den ersten vier Spielen sehr zufrieden sein. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, und es war alles andere als einfach, ohne unseren etatmäßigen Point Guard [Devin Askew] zu spielen. Dennoch haben wir bis zum Schluss gekämpft. Besonders zufrieden bin ich mit Gian [Aydinoglu], der ein sehr gutes Spiel gemacht und die Mannschaft in mehreren Phasen angeführt hat." |