Der Einsatz ist großartig, das Resultat enttäuschend: Im erneut wilden Hin und Her kassiert Ludwigsburg in Rostock einen Rückschlag. Foto: Max Vincen / Eibner.
Ohne das erhoffte Erfolgserlebnis kehren die MHP RIESEN Ludwigsburg aus Mecklenburg-Vorpommern zurück. In der StadtHalle Rostock laufen die Schwaben vor allem vor dem Seitenwechsel ihrem eigenen, defensiven Anspruch hinterher. Nach dem Gang in die Kabinen sind sie tonangebend, schaffen es in einem spannenden und sehr physischen Duell den Gastgebern aber nicht den X-Faktor Distanzwurf (13/25 | 52,0 3P%) wegzunehmen oder an die Freiwurflinie zu kommen.
Vor 4.130 Zuschauern starteten Interimsheadcoach Lars Masell und seine Schützlinge unverändert: Kader und Startformation blieben gleich, der Wille zum erneuten Auswärtssieg war omnipräsent und sorgte für einen weitestgehend konzentrierten Beginn. Dennoch sorgte die Verteidigungsleistung unterm eigenen Korb immer wieder für Stirnrunzeln bei den Ludwigsburgern. Elias Baggette, Bryce Hamilton, Malik Osborne und Co. kamen viel zu einfach zum Korberfolg und/oder zum Rebound (9:6, 4. Spielminute). Erst nach einigen Wechseln, die Hunter Maldonado, Booker Coplin und Brandon Tischler erstmals in Szene setzten, fanden die MHP RIESEN ihren Rhythmus. Sie kamen zu defensiven Stopps, zu Zählbarem und im Ergebnis wieder heran (19:18, 10.).
Das Gesehene und Geschehene sollte auch im zweiten Abschnitt beispielgebend sein: Die Partie wogte hin und her und wurde zu einem Duell mit sprichwörtlich vollkommen offenem Visier (27:26) – ehe Rostock dominierte. Eine gelb-schwarze, offensive Durststrecke bildete die Basis eines Hausherren-13:0-Laufes, den die Barockstädter weder mit Auszeiten noch Aktionen auf dem Parkett zu beantworten wussten. Dennoch ließen sie sich davon nicht endgültig verunsichern, versuchten viele Dinge und kamen durch Maldonado und Coplin, die beide als RIESEN-Topscorer herausragen sollten, aus der 6,75-Meter-Distanz zur Entlastung. Auf das emotionale Hoch folgte dann jedoch zur Unzeit der SEAWOLVES-Höhepunkt: Im letzten Angriff verloren die Schwaben fahrlässig das Spielgerät, was Oshane Drews zum umjubelten Buzzerbeater-Fastbreak-Dunk ausnutzte (44:37, 20.).
Auf das Tief zum Halbzeit-Ende sollten die Gäste erneut ein sportliches Hoch folgen lassen. Angeführt von Joel Scott und Jonas Wohlfarth-Bottermann, die in den ersten Sequenzen des dritten Viertels zusammengenommen neun Punkte auflegten, kamen die Gelb-Schwarzen gut zurück aufs Parkett (51:45 / 56:54). Da zudem auch der Distanzwurf zunehmend besser fiel und dahingehend Hunter Maldonado und Booker Coplin einen sehr guten Job machten, war Ludwigsburg zurück im Spiel. Dennoch gelang die Wende trotz 27 eigener Punkte in Viertel Nummer drei nicht – oder zumindest nicht endgültig. Zu viele Ballverluste (insgesamt 11) und Foulpfiffe (insgesamt 22) verhinderten, dass auf den 61:61-Ausgleich noch mehr Gutes aus Ludwigsburger Sicht folgen konnte (66:64, 30.).
Eben dieses Gute gab’s dann in den abschließenden zehn Minuten: Beide Mannschaften agierten am, zumindest für diesen Abend, Optimum, trafen Wurfversuche aus beinahe allen Lagen und trotz guter Gegner-Verteidigung. Die schönste Szene der Partie – ein Alley-Oop-Anspiel von Justin Simon auf Ezra Mañjon, das dieser per Dunk abschloss – sollte einen beidseitigen Dreier-Reigen und mehrere Führungswechsel nach sich ziehen. Nach 37 Minuten (79:79) war der Ausgang vollkommen offen, der beste Spieler des Abends, Hamilton, sollte dann den Ausschlag für seine Farben machen. Als einer von sechs zweistellig scorenden Rostockern schulterte der US-Amerikaner seine Farben und traf zwei eminent wichtige Distanzwürfe in der Crunchtime. Die MHP RIESEN waren zwar um keine Antwort verlegen, insgesamt aber zu oft einen Tick zu nachlässig, in vielen Momenten nur zweiter Sieger und am Ende, obwohl das Spiel schon zeitweise gen Gelb-Schwarz zu kippen möglich schien, verdientermaßen unterlegen.
Der Frust ob des gewinnbaren und doch verlorenen Gastspiels am Ostseeufer, der bereits nach Spielende bei allen Beteiligten sichtbar war, wird die Ludwigsburger nicht nur auf der 800 Kilometer langen Rückreise, die am Sonntag bestritten werden wird, sondern auch die komplette Woche über begleiten. Nach zwei langen Roadtrips freuen sich die MHP RIESEN dann wieder auf ein Duell in eigenen Gefilden: ALBA BERLIN gastiert in acht Tagen (28. April; 18:00 Uhr) in der bereits jetzt beinahe ausverkauften MHP Arena – und soll im Rennen um die Play-In-Plätze auf Distanz gehalten werden.
Für Rostock spielten: Bryce Hamilton 19 Punkte, Malik Osborne 15 / 5 Rebounds, Sid-Marlon Theis 13, JeQuan Lewis 12, Pedro Bradshaw 11, Elias Baggette 11, Nijal Pearson 8 / 8, Dominic Lockhart 3, Oshane Drews 2 und Philipp Hartwich.
Für Ludwigsburg spielten: Hunter Maldonado 24 Punkte, Booker Coplin 20 / 5 Assists, Joel Scott 12, Yorman Polas Bartolo 9, Ezra Mañjon 8 / 5, Justin Simon 5 / 9 Rebounds, Jacob Patrick 5, Jonas Wohlfarth-Bottermann 4 und Brandon Tischler 2.
Lars Masell | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Gratulation an Coach Przemysław [Frasunkiewicz] und die ROSTOCK SEAWOLVES – ein verdienter Sieg. Wir haben generell keinen Zugriff in der Verteidigung bekommen und zu wenig davon umgesetzt, was wir uns dahingehend vorgenommen hatten, dadurch kamen viele 1-gegen-1-Dreier zustande, die Rostock dann auch herausragend getroffen hat [13/25 | 52,0 3P%]. Ich bin froh darüber, wie wir gekämpft und was wir alles in die Waagschale geworfen haben – unter anderem Justin Simon, der nach einem Schlag aufs Sprunggelenk in Halbzeit eins durchgezogen hat. In einem gleichermaßen physischen Spiel ist die Verteilung der Freiwürfe, 27 für Rostock, 7 für uns, ziemlich seltsam. Respekt an Rostock, sie haben physisch und gut verteidigt. Aber wie diese Freiwurf-Zahlen zustande gekommen sind, muss ich mir nochmals anschauen." |
Przemysław Frasunkiewicz | Headcoach ROSTOCK SEAWOLVES | "Ludwigsburg ist eines der athletischsten Teams der Liga. Manchmal haben solche Teams auch sehr gute Trefferquoten. Heute haben sie 16 Dreipunktewürfe getroffen. Das ist außergewöhnlich für sie. Gegen Ulm haben wir sehr clever gespielt und uns deren Niveau angepasst. Heute haben wir uns dem Gegner ebenfalls angepasst. Ludwigsburg spielt sehr physisch, das haben wir auch getan. Es war kein schönes Spiel, aber wir haben den Kampf angenommen." |