Foto: Sascha Walther / Eibner.
Der Doppelspieltag endet für die MHP RIESEN Ludwigsburg mit sehr viel Positivem: Vor 3.527 Zuschauer:innen gewinnen die Schwaben 75:67 gegen Hamburg und feiern damit einen kleinen Befreiungsschlag. Im Weltfrauentagssondertrikot trotzen die Barockstädter ihren sechs Ausfällen sowie dem Energieverlust und der hanseatischen Aufholjagd nach dem Seitenwechsel. Wie erhofft, gelingt durch den 12. Saison-Erfolg die Konsolidierung des neunten Tabellenplatzes.
Es war zweifelsohne ein doppelt ungewohnter Blick, den die MHP RIESEN Ludwigsburg am Sonntagabend ihren Fans und der Öffentlichkeit boten: Erstmals seit der Saison 2005/2006 und dem damals roten Auswärtstrikot liefen sie in einem Pflichtspiel nicht in ihren Klubfarben, sondern im fliederfarbenen Sonder-Jersey auf. Die Weltfrauentagsedition sorgte für Hingucker, ebenso die lange Ausfallliste: Keeshawn Kellman, Yorman Polas Bartolo, Johannes Patrick und Jonas Wohlfarth-Bottermann mussten allesamt verletzungsbedingt zusehen, dasselbe galt für Lukas Modic (mit dem ProB-Team in Dresden) und Toms Skuja (krank im Bett). Folgerichtig standen Cheftrainer Mikko Riipinen nur zehn spielfähige Akteure zur Verfügung, die ihre Sache aber allen voran in Person der Doppellizenzler in Gänze gut machen sollten.
Der Start und auch die ersten zwanzig Minuten sollten dann von Elijah Hughes geprägt werden. Der US-Amerikaner legte im ersten Viertel zehn und im zweiten nochmals sechs Zähler auf und führte seine Farben zu deutlichen Führungen (24:12 / 47:33). Ludwigsburg war von Beginn an hellwach und in der Verteidigung sehr präsent. Maxwell Dongmo Temoka und Julis Baumer machten hier einen sehr guten Job und auch Brandon Tischler war im Rebounding stark, während Gavin Schilling vermeintlich einfache Zähler in Korbnähe machte und gemeinsam mit Dongmo Temoka die Gäste-Big-Men im Griff hatte. Das Geschehen war phasenweise immer wieder hektisch, die Hausherren aber spielbestimmend. Sie spielten und verteidigten energischer, sicherten sich zahlreiche zweite Wurfchancen und hatten in Hughes den besten Offensivakteur in ihren Reihen. Stef Smith, Tray Buchanan und Babacar Sane stellten sich in großartiger Weise in den Dienst ihrer Farben, waren bei der Übernahme von Verantwortung und in der offensiven Entscheidungsfindung aber glücklos.
Während die erste Halbzeit aufgrund der Kombination aus konsequenter Spielweise und hochprozentiger Trefferquote mit der zwischenzeitlichen 16-Punkte-Führung belohnt wurde, sollte sich das Geschehen nach dem Seitenwechsel deutlich verändern. Die Gäste waren deutlich präsenter und deutlich zielstrebiger und hatten nun gute Aktionen in Serie. Mal war es Kenneth Ogbe, mal war es Benedikt Turudic und mal war es Devon Daniels IV, die mit eigenen Korberfolgen für einen zunehmenden Hamburger Hoffnungsschimmer sorgten. Auf RIESEN-Seite blieb der Weg zum Korb sowie daraus resultierende Freiwürfe eine Option. Die 75%ige-Quote sorgte jedoch nicht für Entspannung (59:51, 30. Spielminute).
Eine Wahrnehmung, die sich auch danach fortsetzte: Ludwigsburg versuchte viel, traf jedoch wenig – was besonders ärgerlich war, da die Hausherren ihr Heil an der 6,75-Meter-Linie sehr vergeblich (10/39 | 26 3P%) suchten. Da sie gleichzeitig in der Defensive nun zu viele Verbesserungspotenziale hatten und Hamburg schnell und gut agierte, war das Gäste-Comeback (62:61) vollumfänglich vorhanden. Anders als in mehreren Hinrunden-Partien wankten die MHP RIESEN aber nur und fielen nicht. Sowohl beim Stand beim 62:59- als auch beim 62:61-Zwischenstand gelangen mehrere Stopps, die Smith im vierten konsekutiven Anlauf von Downtown veredelte. Das 65:61 durchbrach den eigenen Negativlauf und hievte die Schwaben, in Verbindung mit einem gezogenen Offensivfoul des Kanadiers, unmittelbar auf die Siegerstraße. Mit herablaufender Uhr waren die Hausherren sehr zur Freude ihrer Fans nun immer wieder entscheidungs- und trefferstark, zogen zum Korb und kamen dort zu Punkten, was die Entscheidung mit sich brachte.
Aufgrund der personellen Umstände und der vorangegangen geringen Regenerationszeit wurde der 12. Saison-Sieg entsprechend würdig – und mit standesgemäßer Humba – gefeiert. Dieser hält Ludwigsburg auf Tabellenplatz 9. Oldenburg, Chemnitz, Frankfurt (alle 10 Siege) und Vechta (9) folgen dahinter. Letztgenannte sind am kommenden Wochenende (14.03.; 20:00 Uhr) der nächste RIESEN-Gegner.
Für Ludwigsburg spielten: Elijah Hughes 20 Punkte, Stef Smith 14 / 6 Rebounds, Babacar Sane 10 / 5, Tray Buchanan 8 / 8 Assists, Gavin Schilling 6, Brandon Tischler 5 / 8 Rebounds, Maxwell Dongmo Temoka 4 / 6, Julis Baumer 3, Lenny Anigbata 3 und Simon Feneberg 2.
Für Hamburg spielten: Devon Daniels IV 16 Punkte / 6 Rebounds, Kenneth Ogbe 13, Benedikt Turudic 9, Karl Gamble II 8, Zsombor Maronka 6, Ross Williams 5, LJ Thorpe Jr. 2 / 6, Jared Grey 2, Osaro Rich 2, Niklas Wimberg 2 und Martin Breunig 2.
Benka Barloschky | Headcoach Veolia Towers Hamburg | "Glückwunsch an Coach Mikko Riipinen und das Team zum am Ende verdienten Sieg! Wir haben viel zu lange gebraucht, um in diesem Spiel anzukommen. Die lange Pause… es war klar, dass wir etwas rostig sein werden. Aber es hat zu lange gedauert. Wir sind, obwohl wir wussten, was auf uns zukommt, ins offene Messer gelaufen. Ludwigsburg hat im Hinblick auf das Personal gerade eine schwierige Situation und da ist es klar, dass die Spieler, die spielfähig sind, bereit und extra scharf sind, zu spielen, aggressiv sind, das war im Vorfeld klar. Wir hatten einfach nicht die Mittel, um dagegen zu halten. Wir haben es in der zweiten Halbzeit deutlich besser gemacht und vor allem das Rebounding kontrolliert. Das war sehr, sehr wichtig und hat uns in der ersten Halbzeit extrem wehgetan. Wir haben dann auch vernünftig agiert und uns genügend Möglichkeiten erspielt, um die Partie zu drehen. Am Ende waren die Quoten einfach nicht gut genug. Wir gewinnen das Possession-Game am Ende, aber die Qualität der Würfe war nicht ausreichend und die Trefferquote war nicht da, um auswärts zu gewinnen. Da ist es auch egal, ob beim Zwei- oder Drei-Punkte-Wurf. Da benötigt es einfach etwas mehr. Wir benötigen mehr Durchschlagskraft von einzelnen Spielern, um so ein Spiel dann auch ganz zu drehen. Mit der Art und Weise, wie wir es versucht haben und an welchen Punkt wir gelangt sind, bin ich sehr zufrieden. Aber die erste Halbzeit war einfach zu lange nicht gut genug." |
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Das ist möglicherweise der Sieg, über den ich am stolzesten in dieser Saison bin – natürlich in Anbetracht der Situation: Keine zwei Tage zuvor eine Partie zu haben ist ein toughes Setting und dazu der Ausfall von Jonas Wohlfarth-Bottermann sowie die weiteren fünf Ausfälle. Ich denke, dass wir mit dem richtigen Mindset in dieses Spiel gekommen sind. Hamburg ist eines der heißesten Teams der Liga, sie haben ihre Saison in einer beeindruckenden Art umgedreht und gute Mannschaften besiegt. Ich bin stolz darauf, was wir heute im Sinne von Arbeitseifer und Mentalität aufs Parkett gebracht haben. Wir haben einige schwierige Dinge bewältigt und ich bin dankbar, dass der Klub ein solches Event rund um den Weltfrauentag gemacht hat. Das zeigt die [wertebasierte] Tiefe dieses Klubs." |