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Happy End, happy Faces! Foto: Christoph Worsch.
Die MHP RIESEN Ludwigsburg sind in der easyCredit BBL zurück auf Rang 6! Ursächlich dafür ist der 84:75-Erfolg bei Aufsteiger Science City Jena. Im ersten Thüringen-Gastspiel seit 2018 agieren die Schwaben lange Zeit unkonzentriert und fahrlässig, bleiben in einer Partie mit zehn Führungswechseln aber fortwährend siegfähig – und ziehen die Partie in den letzten viereinhalb Minuten auf ihre Seite.
Retrospektiv lässt sich der Rückrunden-Auftakt in zwei äußerst ungleiche Hälften aufteilen: Die ersten 35 Minuten und 23 Sekunden sowie die letzten 4 Minuten und 37 Sekunden. Womit direkt offensichtlich wird, dass auch das zweite Aufeinandertreffen beider Klubs ein sehr ausgeglichenes war – an dessen Ende die Gelb-Schwarzen erneut Strahlen und Singen.
Anfänglich war von dieser Freude aber nur sehr wenig zu sehen. Denn, obwohl der Start viel Offensive mit sich brachte, konnten sich die Ludwigsburger vor 2.917 Zuschauer:innen keine Spielkontrolle oder gar Souveränität erspielen. Angeführt vom zum zweiten Mal in der Startformation stehenden Gavin Schilling (10 Punkte / 8 Rebounds) zogen die Gäste Foulspiele in Serie und scorten nach Belieben sowie hochprozentig (48 FG%). Das RIESEN-Problem: Jena stand dem Gezeigten in Nichts nach und hatte mit Keith Braxton den besten Mann des Abends in seinen Reihen (24:27, 10. Spielminute).
Auf die zunächst gute Offensivleistung folgte jedoch ein rapider Abfall der Konzentration und vor allem eine ganzheitlich schwindende Physis. Insgesamt leisteten sich die Barockstädter acht Ballverluste binnen des zweiten Abschnitts, gaben eine erspielte 8-Punkte-Führung aus der Hand und ließen sich von der Unnachgiebigkeit der Hausherren sowohl überraschen als auch überrumpeln und übertrumpfen. Weiterhin offenbarte Ludwigsburg sein Potenzial, brachte es bis auf einzelne Ausnahmen – Schilling, Julis Baumer, Elijah Hughes – aber nicht oder zu unbeständig aufs Parkett. Nach der ersten Halbzeit sahen die Thüringer, berechtigt, eine Siegchance (44:40).
Ebenjene Chance wuchs im Anschluss an den Gang in die Kabinen per Sofort. Nachdem beide Trainerteams die Verteidigungen adaptiert hatten, stand fortan das jeweils andere Ende des Parketts im Fokus, an dem beide Kontrahenten vernünftig agierten. Besser war in dieser Phase weiterhin Science City, das sich weniger Fehler leistete, immer wieder per Fastbreak oder Distanzwurf durch Joe Wieskamp, Braxton und Co. für Entlastung sorgte und die herannahenden Schwaben auf Abstand hielt. Ludwigsburg gab das Spielgerät und die damit einhergehende Kontrolle viel zu häufig und viel zu leichtfertig ab, minimierte lediglich seine Fehler. Für die Wende reichte das noch nicht – nach kämpferischer Exzellenz von Jonas Wohlfarth-Bottermann und Buzzerbeater von Stef Smith blieben die MHP RIESEN aber weiterhin auf sprichwörtlicher Tuchfühlung (63:60).
Im vierten Viertel sollten sich die Mühen dann bezahlt machen: Nach einem gleichermaßen wechselhaften wie emotional aufwühlenden Viertelbeginn, den Tray Buchanan, Smith und Yorman Polas Bartolo prägten, setzte sich Jena letztmals kurzzeitig ab (73:68), um dann endgültig gestoppt werden zu können. Ludwigsburg maximierte seine Energie und Konzentration, mobilisierte alle Reserven und war nach der Hereinnahme von Maxwell Dongmo Temoka (04:37 Minuten vor Schluss) unaufhaltsam. Die Gelb-Schwarzen verankerten ihre Defensive, holten sich Rebounds, Stopps und Steals, waren unnachgiebig und extrem treffsicher: Hughes, Smith, Polas Bartolo verwandelten alle Würfe und führten ihre Farben auf die Siegerstraße. Ludwigsburg riss zwar sehr spät, dann aber voller Überzeugung die Kontrolle an sich – und belohnte sich mit dem zehnten Saisonsieg.
Dieser ist gleichbedeutend mit dem Einnehmen des sechsten Tabellenplatzes, wurde natürlich freudig bejubelt und soll bis zur Länderspielpause Ende Februar / Anfang März verteidigt werden. Die Gegner bis dahin: Bamberg (07.02.; 18:30 Uhr), Oldenburg (14.02.; 18:00 Uhr), Weißenfels (19.02.; 19:00 Uhr).
Für Jena spielten: Keith Braxton Jr. 21 Punkte, Uchenna Iroegbu 12, Joe Wieskamp 11 / 7 Rebounds, Will McNair Jr. 9 / 11, Kristofer Krause 8, Chris Carter 6, Naz Bohannon 4, Alex Herrera 4 / 5, Robin Christen 0 / 7 und Lorenz Bank.
Für Ludwigsburg spielten: Stef Smith 18 Punkte / 6 Rebounds / 6 Assists, Yorman Polas Bartolo 13, Elijah Hughes 12, Gavin Schilling 10 / 8, Julis Baumer 8, Brandon Tischler 6, Babacar Sane 6, Tray Buchanan 5, Jonas Wohlfarth-Bottermann 3, Toms Skuja 3 und Maxwell Dongmo Temoka
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Das Spiel war ein einziges Auf und Ab – wie so viele Partien in der easyCredit BBL. Wir haben gelernt, dass wir dafür bereit sein müssen und wissen, dass ein komplettes Spiel, ohne dauerhafte gegnerische Akzentuierungen, höchst unwahrscheinlich ist. Hier in dieser Halle und gegen ein sehr gut agierendes und miteinander spielendes Jenaer Team zu spielen, war uns klar, dass es nicht einfach wird. Wir haben das zweite Mal in Folge das richtige Mindset gehabt: Sind drangeblieben, sind dringeblieben und haben weitergemacht. Wir waren heute schlampig und hatten eine Woche mit mehreren kranken Akteuren – Lenny Anigbata ist es immer noch. Dennoch sind wir mit den emotionalen Schwingungen gut umgegangen. Ich bin stolz, dass alle Elemente dieser Mannschaft heute ihren Anteil hatten: Die Veteranen [Jonas] Wohlfahrt-Bottermann und Yorman [Polas Bartolo] haben ihre Erfahrung gezeigt, die Kreativspieler haben übernommen, als wir sie brauchten und die Youngster sind schlicht begeisternd! Ich liebe sie, sie sind so gut! Unser ganzer Klub sollte stolz auf sie sein – mit jedem Menschen von der Jugend an, der ihnen in einer Trainingseinheit [und natürlich dauerhaft] geholfen hat. Ich möchte noch ergänzen, dass es heute nicht gut war. Wir haben in den letzten Wochen [auch] an der Mentalität gearbeitet und das ist es, worauf wir heute stolz sein können. Wir haben noch viel zu lernen, aber in der Fremde ist es nie einfach und wir sind stolz! Wie wir die Partie beendet haben, wie wir in einer schwierigen Situation resilient geblieben sind und weitergemacht haben, gab uns eine gute Gelegenheit, um die Partie mit einem starken [13:0-]Lauf zu beenden. Das war eine spezielle Situation für uns! In der Fremde in Rückstand zu liegen, die Partie zu drehen. Es ist so, so wichtig, das geschafft zu haben!" |
Björn Harmsen | Headcoach Science City Jena | "Ich fand, dass wir in diesem Spiel streckenweise unsere beste Defense gezeigt, in wichtigen Phasen aber auch sehr schwach verteidigt haben, gerade zum Ende des Spiels. Wir hatten Spieler, die sehr lange auf dem Parkett standen, ohne ein Foul zu kassieren. Das ist aus meiner Sicht bei unserem Spielstil eigentlich nicht möglich. Wir müssen es schaffen, so ein Spiel als Einheit zu absolvieren, sowohl hinten als auch vorn. Das ist uns heute, gerade in der entscheidenden Phase, nicht gelungen. Offensiv haben wir gut exekutiert und den Ball bewegt, aber eben auch nicht bis zum Ende. Im letzten Viertel sind wir im Angriff zu statisch geworden und waren hinten zu soft. Wir haben uns durch die Physis der Ludwigsburger ein bisschen aus dem Konzept bringen lassen. Am Ende haben sie klüger gespielt als wir." |