Foto: Josh Hoffmann.
Till Pape scheint was in der Birne zu haben. Der gebürtige Paderborner ist Kapitän der SKYLINERS und deutscher Nationalspieler. Doch das allein reicht ihm nicht. Weil er sich im Profibasketball intellektuell unterfordert fühlte, entschied er sich kurzerhand für ein Medizinstudium. Mittlerweile hat er sein Studium fast abgeschlossen, nur ein paar Pflichtveranstaltungen, das praktische Jahr und sein Examen sind noch zu absolvieren. Bis er die Zeit dafür findet, schreibt er seine Doktorarbeit. Er forscht zu minimalinvasiver, robotergestützter Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie. Das wär mal was für Galgenmännchen. Seine ärztlichen Fähigkeiten wurden auch bereits unter Versuch gestellt. In Papes Göttinger Zeit zog sich einer seiner Mitspieler einen Cut am Auge zu. Da der Teamarzt nicht zur Stelle war, zückte Pape Nadel und Faden und nähte kurzerhand die Wunde mit zwei Stichen zu. Macher!
Eins ist sicher: Der 28-Jährige kämpft um den Titel des schlausten Spielers der Bundesliga.
Der Grundstein für seine Basketballkarriere wurde in Paderborn gelegt. Dort war er Teil des Goldenen Jahrgangs. Mit Till Pape, Luis Figge, Niklas Kiel und Moritz Hüber stellten die Paderborner gleich vier Nationalspieler in Papes Jahrgang. Coach Stefan Schettke hat offensichtlich gute Arbeit geleistet. Nach seinem Abitur (Notenschnitt 1,6) zog es den „Doc“ nach Ulm. Dort wurde er zuerst in der Ulmer Jugend und der Nachwuchsfördermannschaft Weißenhorn Youngstars eingesetzt. Mit den Youngstars gelang Pape 2017 der Titel in der ProB. Im selben Jahr gab er sein Debüt für ratiopharm Ulm. 2019 folgte der Wechsel in die ProA. Bis 2022 blieb er bei Kirchheim und fand immer mehr Gefallen an der Rolle des Leistungsträgers. In seinem letzten Jahr legte er knapp 14 Punkte pro Spiel auf. Im Mai des Jahres unterzeichnete er einen Zweijahresvertrag bei der BG Göttingen. Pape hatte keine Anpassungsschwierigkeiten und legte in seinem ersten ganzen Jahr in der Bundesliga satte 11,6 Punkte auf. Prompt wurde die Ausstiegsoption gezogen. Gemeinsam mit Trainer Roel Moors wechselte er zu den Telekom Baskets Bonn. Dort verweilte er zwei Jahre, bevor er sich im vergangenen Sommer der SKYLINERS anschloss. In Jahr eins wurde er direkt zum Kapitän ernannt.
In dieser Saison stand Pape in 23 von 23 Spielen in der Starting Five. In 25 Minuten kommt er auf 12,6 PPG und 4,9 Rebounds. Und das effizient. Mit einem True-Shooting-Wert von 65,4 % führt er nicht nur sein Team an, sondern gehört auch zu den effizientesten Spielern der Liga. Vor allem in der Zone ist der Mann brutal effektiv. Von dort trifft er über 69 % seiner Abschlüsse. Da können sich viele Spieler eine Scheibe abschneiden. Noch krasser ist seine Dreierquote. Von seinen 2,1 Versuchen pro Spiel trifft der Paderborner fast 43 %! Einzig und allein aus der rechten Corner konnte er noch keinen Wurf verwandeln. Mit einem Effizienzwert (EF) von 13,4 liegt er intern nur hinter dem abwesenden Jaedon LeDee. Ligaweit ist das Platz 38. „3StepsBasket“ listet den deutschen Power Forward als besten Frankfurter Spieler in dieser Saison. Das auch, weil Pape in der Defensive so stabil steht. Er könnte zwar an seiner lateralen Beweglichkeit und Tempo arbeiten, dennoch ist er der mit Abstand der Frankfurter Starter mit der besten Verteidigung. Ein Defensivrating von 105,8 ist Teambestwert abgesehen von Spielern, die kaum spielen.
Till Pape ist ein Allrounder. Gefährlich in der Zone, Scharfschütze von draußen und eine defensive Präsenz. Ob das den Frankfurtern zum Sieg gegen die RIESEN verhelfen kann, bleibt abzuwarten.