RIESEN nur in Halbzeit eins ein Party-Stopper

Category News Date 2026-11-01 NINERS Chemnitz vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 94:78

Foto: René Hudl.

Die MHP RIESEN Ludwigsburg beenden den Halloween-Gameday mit einer (sauren) Niederlage. Beim 78:94 sind die Schwaben nur in den ersten zwanzig Minuten weitestgehend tonangebend. Chemnitz findet nach der Pause seinen Rhythmus, dominiert den dritten Abschnitt (24:10) und illustriert seine Klasse, während die Ludwigsburger phasenweise überfordert sind – und das Spiel aus der Hand geben. 

Ein ereignisreicher Oktober hatte auch am Reformationstag für die MHP RIESEN Ludwigsburg nochmals einiges zu bieten, insgesamt aber (zu) wenig Gutes. Die schlechte Nachricht vor Beginn des Spiels – der Ausfall von Julis Baumer – kompensierten die Schützlinge von Cheftrainer Carles Durán noch durchaus gut, unter anderem durch die Rückkehr von Ish Leggett in die Startformation und das beste Spiel von Tommy Rutherford (19 Punkte / 15 Rebounds / Effektivität von +30). Der Center unterstrich vor 3.858 Fans in der gewohnt stimmungsvollen Messe Chemnitz seine Qualitäten und riss seine Farben im Alleingang mit. Bei den Ludwigsburgern stimmte ab dem Sprungball zwar der Einsatz, im selben Zusammenhang aber nicht wirklich der Ertrag.

Leggett, Rutherford und Justin Kier sorgten zwar für Scoring – Letzterer gar per Buzzerbeater –, die Punkte brachten jedoch zu keiner Zeit RIESEN-Rhythmus. Denn die Gäste mussten sehr viel für ihre Zähler arbeiten, konnten die zunächst unkonzentriert agierenden Sachsen nicht abschütteln und aus der Distanz kaum Gefahr ausstrahlen (18:23, 10. Spielminute). Ein Bild, das sich fortsetzen sollte! Während bei den Hausherren Urald King auftrumpfte und Stef Smith die Ein-Mann-Offensive gab – der Kanadier zog alleine bis zur Halbzeit acht Foulspiele und überdauerte so die Durststrecke –, waren die Barockstädter deutlich näher an ihrem Optimum, machten aber zu wenig daraus. Neben Rutherford war Darius Perry nun zur Stelle und eine sehr gute Option. Darüber hinaus kontrollierte Ludwigsburg den Rebound (14:28) und hatte weitaus bessere Aktionen, machte aus diesen (26  3P% | 46 FG%) aber zu wenig, sodass der Vorsprung zwar verdient, aber auch marginal war (43:48, 20.)

Rebound-Dominanz geht verloren

Foto: René Hudl.

Die Gäste konnten sich folgerichtig zunächst grämen und mussten sich alsbald ärgern. Denn angeführt von Nighael Ceaser, Ben Burnham, Cobe Williams und einem mit zunehmender Spieldauer für Ludwigsburg nicht zu kontrollierenden Small-Ball-Line-up waren die Schwaben nur noch Spielbeteiligte, nicht mehr Mitwirkende. Binnen weniger Angriffe drehte sich das Momentum der Partie vollkommen. Die NINERS kontrollierten die Bretter, stoppten die RIESEN-Defensive, kamen ins Laufen und fingen regelrecht Feuer. Carles Durán versuchte seinen Schützlingen mit Auszeiten und Wechseln zu helfen, durchschlagenden Erfolg sollte aber keine Anpassung haben. Mit Ausnahme von Rutherford gelang quasi allen Akteuren an diesem Abend auch aus guten Situationen nur Durch- bis Unterdurchschnittliches, sodass Ludwigsburg sich für das letzte und schlechteste Mittel entschied: Einzelaktionen (67:58, 30.).

Physis und ein gewisser Kopf-durch-die-Wand-Aktionismus sollten schlussendlich zwar dafür sorgen, dass die Gelb-Schwarzen offensiv stattfanden, insgesamt aber nichts am Kräfteverhältnis ändern. Die „Orange Army“ verzückte die eigenen, zumeist verkleideten Zuschauer:innen mit einem ergebnisbedingten Befreiungsschlag, während Ludwigsburg die Grenzen einer Kombination aus eigenen Nachlässigkeiten, schwacher Trefferquote (10/34 3P) und Gegnerqualitäten vor Augen geführt bekam.

Durch die 16-Punkte-Pleite beginnt der November für die Schwaben nun mit einer 4:3-Bilanz. Zwei Heimspiele (vs. Oldenburg / vs. Weißenfels) sowie das Gastspiel beim Aufsteiger aus Hagen stehen dort auf der Agenda, ehe zum Monatsende die Länderspielpause (23.11. – 4.12.) die Zeit für eine erste Zäsur mit sich bringen wird.

Stats

Für Chemnitz spielten: Nighael Ceaser 19 Punkte / 6 Rebounds, Ben Burnham 16 / 6 Rebounds, Stef Smith 14 / 5 Assists, Cobe Williams 13 / 7 Rebounds / 6 Assists, Ryan Mikesell 12, Urald King 11 / 7 Rebounds, Mateo Seric 8, Jannis von Seckendorff 1, Elias Rödl und Luca Kellig.

Für Ludwigsburg spielten: Tommy Rutherford 19 Punkte / 15 Rebounds, Darius Perry 16, Ish Leggett 8, Justin Kier 7, Patrick Cartier 6 / 5 Rebounds, Yorman Polas Bartolo 6, Elijah Hughes 6 David Joplin 5, Jonas Wohlfarth-Bottermann 3 und Maxwell Dongmo Temoka 2.

Statements

Carles Durán | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Glückwunsch an Rodrigo und sein Team! Sie haben in Gänze toughness-reicher als wir gespielt. Ich bin deiner Meinung [Matthias Pattloch, Pressesprecher NINERS Chemnitz], dass wir in den ersten 20 Minuten die bessere Mannschaft waren. Wir haben den Ball sehr gut bewegt und miteinander geteilt, die Rebounds kontrolliert. Wir haben alleine in dieser Phase sehr viele Dreipunktversuche vergeben … Im zweiten Viertel hat uns Stef Smith im 1-gegen-1 gekillt und ist immer wieder an die Freiwurflinie gekommen. Entscheidend war dennoch das dritte Viertel. Sie [die Chemnitzer] haben sehr viele Dinge sehr gut umgesetzt, während wir sehr viele Dinge sehr schlecht gemacht haben. Im letzten Viertel haben wir es dann nochmal probiert, aber wenn dein Gegner eine sehr gute Dynamik hat, ist es während des Spiels sehr schwer, das zu ändern. Sie waren heute schlicht besser als wir. Wenn wir in dieser Liga konkurrenzfähig sein möchten, müssen wir uns verbessern. Das ist der nächste Schritt für uns."
Rodrigo Pastore | Headcoach NINERS Chemnitz
"Heute war das Rebounding entscheidend! Als sie [die Ludwigsburger] die Bretter kontrolliert hatten, wie sie es in der ersten Halbzeit getan haben, war es schwierig für uns, Antworten zu finden – speziell gegen [Tommy] Rutherford. Wir haben es in der zweiten Halbzeit sehr viel besser gemacht, vor allem im dritten Viertel. Da haben wir keinen einzigen Offensivrebound abgegeben und konnten uns etwas absetzen. Ludwigsburg ist ein sehr gutes Team, sehr gut gecoacht. Das Problem [mit Rutherford] haben wir in der Halbzeit mit einigen Anpassungen behoben und zudem von jenseits der Dreipunkte-Linie sehr gut geworfen. Beide Mannschaften haben für mein Empfinden wichtige Wurfgelegenheiten ausgelassen. Entscheidend war für uns, an die Freiwurflinie zu kommen, die Zone und die Switch-Verteidigung zu attackieren. Wir haben einige gute Dinge in einem schwierigen Kontext umgesetzt. Für uns war das heute ein Must-Win-Spiel. Wir haben bereits einige Punkte [und Siege] liegen gelassen, die wir nicht hätten verlieren sollen, und auf einem Level gespielt, auf dem wir nicht agieren sollten. Mit Ausnahme des Würzburg-Spiels gibt es in den vergangenen Partien einen Positivtrend bei unseren Leistungen – daheim, auswärts, in der easyCredit BBL, speziell im BKT EuroCup. Wir hoffen, dass wir dieses Level halten können!"