„Rückkehr eines alten Problems“

Category News Date 2026-01-18 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. Telekom Baskets Bonn 85:86

Foto: Sascha Walther / Eibner.

57 Fouls, 74 Freiwürfe und 12 Führungswechsel: Ludwigsburg und Bonn liefern sich in der zum siebten Mal in Serie mit 4.000 Zuschauer:innen ausverkauften MHPArena einen 140-Bruttominuten andauernden Krimi. Die Gelb-Schwarzen agieren im Verfolger-Duell der easyCredit BBL weit unter ihren Möglichkeiten und verpassen am Ende – knapp und unglücklich mit dem letzten Wurf – beim 85:86 den dritten Sieg in Serie.

Nach dem 16. Spieltag sind es andere Zahlen als noch vor dem Jahreswechsel, prinzipiell aber sehr vergleichbare Inhalte, die die MHP RIESEN Ludwigsburg in eigener Halle um den Sieg und das Glücksgefühl des selbigen bringen: Erneut sind es zu viele zugelassene Offensivrebounds (19), zu viele leichtfertige Ballverluste (22) und zu viele vergebene Freiwürfe (13 | 66 FT%), die den Gelb-Schwarzen Sorgenfalten bereiten. Der Weg dorthin war ein anderer als zuletzt – und basierte nicht auf dem Feature eines guten Start-Viertels. Denn mit der identischen Formation, in der Maxwell Dongmo Temoka erneut stand, gelang den Hausherren kein guter Beginn. Grayson Murphy und Bonn zogen zum Korb, machten ihre Sache gut (4:11 / 9:13 / 13:21, 10. Spielminute) und verdienten sich, trotz keinerlei Distanztreffern (0/8) den Vorsprung.

Ludwigsburg fand kämpferische und physische Antworten und ab dem zweiten Spielabschnitt auch sportliche. Basierend auf einer sehr guten Verteidigung kamen die MHP RIESEN immer näher heran und schließlich zum Ausgleich (23:23). Allen voran Stef Smith trat in dieser Phase des Spiels in Erscheinung, zog bis zur Halbzeitpause neun Foulspiele und half an der Freiwurflinie maßgeblich dabei, dass sich die Barockstädter insgesamt 30 Zähler erspielten und einen 16-Punkte-Swing aufs Parkett legten. Neben dem Kanada-Jamaikaner traten auch Elijah Hughes und Babacar Sane mehrfach in Erscheinung und reihten sich mustergültig in ein herausragendes RIESEN-Team ein (43:35, 20.).

Das zweite Viertel bleibt ein singulärer Moment

Im Nachgang des Seitenwechsels bekamen die Hausherren diese Dominanz aber nicht mehr fortgesetzt. Hughes und Tray Buchanan legten zwar aus der 6,75-Meter-Distanz nach – und Smith blieb unaufhaltsam –, doch Ludwigsburg verlor mehrfach und unnötig den Ball. Die Telekom Baskets waren ihrerseits keinesfalls dominant, wussten die RIESEN-Fehler aber zu nutzen. Der Vorsprung hielt, schmolz aber signifikant und binnen kürzester Zeit (65:62, 30.).

Im Schlussabschnitt sollte ein fortwährendes Hin und Her prägend werden. Auf schwäbischer Seite war Brandon Tischler zur Stelle, auf Bonner Seite war es mehrfach Patrick Heckmann, der seine Qualitäten und Erfahrungen ein My besser einzubringen vermochte. Der 33-Jährige scorte fünf Punkte in Folge, stellte gemeinsam mit dem besten Rheinländer, Alijah Comithier, auf +6 (69:72 / 76:82). Die Gäste sahen in dieser Sequenz, 120 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene, wie der Sieger aus, ehe Buchanan doppelt per Dreier einnetzte. Der Shooting Guard avancierte zwar nicht zum Topscorer der Partie, nicht aber zum Helden. Denn auf den 82:82-Ausgleich folgten nur noch drei Freiwurfpunkte von Yorman Polas Bartolo und ein heroischer Wurf von Hughes, der ein Buzzerbeater-Held hätte werden können, dessen Versuch aber gegen zwei Gegenspieler das erhoffte Ziel verpasste. Die Gäste machten ihre Sache minimal, aber entscheidend, besser und kamen von der Freiwurflinie zur denkbar knappen, gleichzeitig aber keinesfalls zu knapp gefeierten Entscheidung.

Hierdurch erhält der RIESEN-Jahresauftakt eine kleine Delle, kann und soll in der kommenden Woche aber ausgemerzt sein: Erneut geht’s in eigener Halle aufs Parkett, dann gastieren die Basketball Löwen Braunschweig in der MHPArena.

Stats

Für Ludwigsburg spielten: Stef Smith 28 Punkte / 5 Rebounds, Tray Buchanan 20, Elijah Hughes 12 / 5, Babacar Sane 6, Brandon Tischler 5, Julis Baumer 3, Yorman Polas 3, Jonas Wohlfarth-Bottermann 3 / 6, Toms Skuja 2, Gavin Schilling 2, Maxwell Dongmo Temoka 1 und Lenny Anigbata.

Für Bonn spielten: Alijah Comithier 23 Punkte, Grayson Murphy 14 / 7 Rebounds, Patrick Heckmann 14 / 8, Tylan Birts 12, Joel Aminu 9, Michael Kennens 7 / 8, Kur Jongkuch 5 / 7, Jeff Garrett Jr. 2, Zachery Cooks 0 / 5 Assists und Melvin Jostmann.

Statements

Marko Stankovic | Headcoach Telekom Baskets Bonn
"Zunächst möchte ich meinem Team zu einem sehr wichtigen Sieg gratulieren. Das war ein sehr interessantes und physisches Spiel – was wir erwartet hatten. Von unserer Seite hatten wir einen sehr guten Start. Wir haben quasi das komplette erste Viertel so gespielt, wie wir das wollten. Natürlich haben wir aber gegen einen sehr guten Gegner gespielt, sie [Ludwigsburg] sind ab dem zweiten Viertel deutlich besser geworden. Wir waren in beiden Richtungen gewissermaßen nicht auf unserem Level, was zu einem Acht-Punkte-Rückstand geführt hat. Ich denke, dass wir in der Halbzeitpause einen sehr guten Austausch [in der Kabine] hatten. Die Spieler haben die zweite Halbzeit sehr seriös gespielt, den Gameplan respektiert. Es ist sichtbar: Wir haben hier drei Viertel [13:21 / 30:14 / 22:27 / 20:24 gewonnen, was in dieser Arena fantastisch ist. Das Ende war sehr interessant, wir waren ein bisschen glücklich. Ludwigsburg macht zwei Würfe nicht. Auch wir hätten einige Würfe und Freiwürfe [69 FT%] mehr treffen können. Es hätte in beide Richtungen gehen können. Heute war das Glück auf unserer Seite – wir haben es heute meiner Meinung nach verdient und nehmen es natürlich gerne an."
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Glückwunsch an Bonn zu einem hart erkämpften Spiel und zum Sieg. Für uns ist das eine sehr frustrierende Partie gewesen. Natürlich macht Bonn viele Dinge sehr gut, bringt uns in schwierige Situationen. Aber es war die Rückkehr eines alten Problems: Wir haben eine Vielzahl an Turnovern, verpassen zahlreiche Freiwürfe und verlieren mit einem Punkt Abstand. 19 zugelassene Offensivrebounds, 13 vergebene Freiwürfe, 22 Ballverluste… das ist ein toughes Spiel. Wir hatten heute nicht die notwendigen Qualitäten [um das Spiel zu gewinnen]. Meiner Meinung nach geben die Jungs alles, heute haben wir das uns mögliche Level aber leider nicht erreicht."