Foto: Sascha Walther.
Mit einer gemeinsamen Pressekonferenz sind Carles Durán und David McCray am Mittwoch auch kommunikativ-medial in ihre neuen Ämter als Cheftrainer und Leiter Sport der MHP RIESEN Ludwigsburg gestartet. Das schwäbisch-katalanische Duo sprach im Business Club der MHPArena gemeinsam mit Alexander Reil über die Kader- und Personal-Planung, die Spiel-, Arbeits- und Coaching-Philosophie, die Gedankengänge zum internationalen Wettbewerb und die Potenziale der neuformierten Mannschaft.
Offensichtlich wurde dabei für alle anwesenden Medien-Vertreter:innen, dass Tatendrang und Vorfreude bei allen Beteiligten immens sind und aktuell viele Grundsteine für ein doppeltes Fundament gelegt werden. Nämlich sowohl für eine erfolgreiche Spielzeit 2026/2027 als auch für eine sehr vielversprechende gelb-schwarze Zukunft. Rund 50 Minuten sprachen Alexander Reil, David McCray und Carles Durán über die nächsten Wochen und Monate, über die sprichwörtlichen Weichenstellungen, erste Zielsetzungen und Ansprüche und Ansätze.
Antrittspressekonferenz im Re-Live via YouTube
Die ausführliche Version mitsamt aller Aussagen findet sich zum erst- und/oder nochmaligen auf dem gelb-schwarzen YouTube-Account, eine Auswahl von Statements nachfolgend.
… über die Beweggründe für die Etablierung einer Doppelspitze und die Schaffung der Position des ‚Leiter Sport‘: „Die Beweggründe haben mit der Erfahrung und der Analyse der letzten Jahre zu tun. Wir waren selbstverständlich [im letzten Jahrzehnt] stark von John Patrick geprägt, der in Personalunion Trainer und quasi Sportdirektor war. Das hat über den Zeitraum auch immer gut funktioniert. […] Mit einer solchen Doppelfunktion ist die Abhängigkeit deutlich größer, wenn die Person nicht mehr da ist, startest Du immer von und bei Null. Im Zuge der Weiterentwicklung unseres Vereins – und vor allem, wenn man schaut, was heute auch bei anderen Klubs gang und gäbe ist – kam die Überlegung auf, diese Position neu zu schaffen. Auch um jemanden zu haben, der noch näher am Geschehen ist. Der einerseits ein Bindeglied zwischen Mannschaft(en) und Trainer(n) und andererseits zwischen Vorstand und Trainer(n) auf der anderen Seite ist. […]. Der langfristig unseren Klub in Gänze entwickeln wird. Das ist gewissermaßen der Start einer neuen Ära.“
… über den internationalen Wettbewerb: „Die Teilnahme am internationalen Wettbewerb wird durchaus oft als eines der wesentlichen Argumente bei der Personalrekrutierung angeführt. […] Trotzdem gelingt es uns in den letzten Jahren, durchaus sehr gute und interessante Spieler hierherzuholen. […] Wir haben eine klare Philosophie und wir werden diese Philosophie nicht abhängig von den Vorteilen unseres eigenen Klubs machen. Wir und ich haben immer gesagt, dass wir international spielen, wenn wir uns sportlich dafür mit einem guten Ergebnis qualifiziert haben. Ich persönlich finde, dass das, was wir zur Zeit haben, ein Desaster ist. Wir haben Konstellationen mit verschiedenen Wettbewerben, das ist schon mal das erste Problem. Das zweite Problem ist, dass Außen keiner versteht, warum ein Tabellenneunter in diesem oder jenem Wettbewerb ist, warum ein Tabellenfünfzehnter auf einmal international spielen kann. Ich halte es für ein dringendes Gebot – und da bin ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Liga auch daran, darüber zu sprechen. Wir brauchen auf Sicht eine andere Lösung. […] Wie gesagt: Wir haben eine klare Philosophie und ich bin der Letzte, der diese Philosophie auflöst, nur weil es vielleicht in dem Jahr passen könnte.“
… über die Rückkehr nach Ludwigsburg, die ersten Tage und Wochen: „Ich fühle mich sehr wohl in der neuen Rolle. Natürlich ist das etwas anderes. Aber als Trainer bist Du [in der OffSeason] auch immer sehr in Recruiting-Prozesse involviert, redest viel mit Agenten, mit Scouts, …, das hat sich natürlich intensiviert, nachdem ich nun auch derjenige bin, der auch verhandeln muss. […] Ich fühle mich wohl in der neuen Rolle und bin froh, wieder zuhause zu sein. Nicht nur in Ludwigsburg, sondern auch beim Klub. Ludwigsburg ist für mich und meine Familie meine Heimat, der Klub aber auch mein Zuhause. Ich hab‘ jetzt eine große Verantwortung und freue mich auf die Aufgabe. […] Ein Trainer ist die wichtigste Personalie in einem Verein. Es war wichtig, dass wir uns zu 100% sicher sind, den richtigen Kandidaten zu finden […] und ich bin mir sicher, dass Carles für uns der richtige Trainer ist. Wir haben den Prozess sehr ernst genommen, mit vielen Kandidaten gesprochen und uns sehr viel damit beschäftigt […]. Wir haben uns nicht nur auf die erste Mannschaft, sondern auch auf den Nachwuchs und die Porsche Basketball-Akademie konzentriert, da gilt und galt es, Weichen zu stellen. […] Wir haben viel angepackt, haben unter anderem nun zusätzlich eine Rolle für einen hauptamtlichen Athletiktrainer geschaffen. Langweilig war mir bisher auf keinen Fall. Es waren viele Personal-Entscheidungen, die in enger Absprache mit Carles [bezüglich der Mannschaft] und Alex [bezüglich der Klub-Struktur] getroffen werden mussten.“
… über die grundlegenden Gedanken bei der Zusammenarbeit mit Carles Durán und bei der Kaderplanung: „Er hat Erfahrung damit, junge, talentierte Spieler aufs Feld zu schicken. […] Das ist auch unser Ansatz als Verein, dass wir junge Talente Schritt für Schritt bei uns in die BBL-Mannschaft heranführen. Da haben wir einen Trainer gebraucht, der das kann und der auch bereit dazu ist, das zu tun. […] Wir möchten mit jungen, talentierten und vor allem hungrigen Spieler arbeiten, die vielleicht in kleineren Ligen [oder im Nachwuchs] aktiv, dort aber sehr erfolgreich waren […] Carles passt mit seinem Ansatz und wie er arbeiten möchte perfekt dazu, wie wir unseren Verein in den nächsten Jahren aufstellen und entwickeln möchten.“
… über den ersten Eindruck von Stadt und Klub: „Zur Stadt: Ich muss mehr wissen! Auf alle Fälle mag ich es hier. Ludwigsburg ist durchaus groß und gleichzeitig klein, es gibt viel Grünes – das mag ich sehr! Zum Klub: Er ist gut! Ich bin sehr glücklich, dass ich hier bin, muss aber eine längere Zeit hier sein, um noch mehr Dinge und Abläufe im Detail zu verstehen. Aber: Schritt für Schritt, ich benötige dafür natürlich Zeit. Ich versuche, Deutsch zu verstehen! Wenn die Saison vorbei ist, möchte ich ein bisschen Deutsch sprechen. Das ist mein großes Ziel. Aber: Schritt für Schritt!“
… über die Tatsache, dass er der nunmehr siebte spanische BBL-Coach in diesem Jahrzehnt ist: „Jeder Trainer und jeder Weg sind unterschiedlich! Beispielsweise mein Lehrer, Aíto [García Reneses] kam zu ALBA… Aber Aíto, das ist ein Boss für mich! Pedro [Calles] kam vor vielen Jahren hierher, Jesús [Ramírez] war in Bilbao mein Assistenztrainer. […]. Ich denke, dass es gut für die easyCredit BBL ist, dass hier sehr gute spanische Coaches waren und sind. Sie verändern das Level. Aber, wie gesagt, jeder Coach, jeder Mensch ist anders. Ich bin froh, hier zu sein und freue mich nun, beispielsweise, auf die Duelle mit Pedro und Jesús – weil sie sehr gute Trainer sind.“
… über seine Philosophie und den generellen Stil des neuformierten Teams: „In diesem Moment kann ich das noch nicht sagen! Wir müssen ins Training, ich muss viele Dinge verstehen. Das Wichtigste sind die Spieler. Ich habe viele Ideen in meinem Kopf, aber Du benötigst die Spieler. David hat für mein Empfinden einen sehr guten Job bei der Rekrutierung gemacht. Unser Ansatz ist es, Spieler zu entwickeln. Ein Beispiel sind Max oder Julis, aber auch die jüngeren US-Amerikaner, die vielleicht noch nicht diese Erfahrung haben […] Meine Idee ist es, aggressiv zu verteidigen, schnell zu spielen und den Ball gut und viel zu bewegen. Aber erneut: Ich muss das gut den Spielern erklären – und wir müssen trainieren!“