Foto: Sascha Walther.
Die MHP RIESEN Ludwigsburg müssen sich bei ratiopharm ulm am 1. Spieltag der Liga-Hauptrunde 77:86 geschlagen geben. Im Schwaben-Derby geraten die Barockstädter früh ins Hintertreffen, zeigen jedoch im dritten Viertel ihre Offensiv-Qualitäten und verdeutlichen über die vollen 40 Minuten hinweg ihre Resilienz. Insgesamt 46 zugelassene Punkte in der eigenen Zone verhindern jedoch sowohl die Wende als auch die Siegchance.
Angedeutetes Potenzial? Ja! Zählbares? Nein. Zwei Fragen, zwei Antworten, so einfach ist Basketball. Manchmal. Manchmal aber auch nicht: Denn das Duell zwischen Ulm und Ludwigsburg resultiert einerseits in einem klaren Ergebnis, andererseits aber auch in vielen Graubereichen.
Ein sehr großer Graubereich waren am Sonntag dahingehend die ersten zwanzig Minuten in der 4.916 Zuschauer:innen prächtig gefüllten ratiopharm arena, in denen Ludwigsburg schwach anfing (5:0), stark aufholte und sich mit neun Ballverlusten und schwachen Quoten (2/14 3P) in der ersten Halbzeit selbst das Leben schwer machte. Passend zu einem Derby war es zunächst physisch sowie stimmungsvoll und passend zum Gusto beider Kontrahenten auch schnell – gleichzeitig aber nicht besonders ansehnlich. Die MHP RIESEN leisteten sich sehr früh kostspielige Fouls, was Rückkehrer Justin Kier, der vor Wochenfrist mit Sprunggelenksblessur ausgesetzt hatte, viel Zeit auf der Bank bescherte und gleichzeitig mit Turnovern und Fehlentscheidungen auf dem Parkett einherging. Darius Perry versuchte für seine Farben sehr viel, anders als im Netto BBL Pokal in der Vorwoche (19 Punkte / 6 Assists / 3 Rebounds / +23 Effektivität) gelang dem US-Amerikaner aber gemäß seinen Fähigkeiten eher wenig (9 Punkte (13 FG%) / 4 Rebounds / 3 Assists / 8 Turnover). Da Teamplay, Rebounding und Verteidigung den Malus im Aufbau kaum bis nicht kaschierten, war der Rückstand folgerichtig; aber dennoch knapp. Ulm setzte die entscheidenden Akzente, während Ludwigsburg nach Antworten suchte (35:27, 20. Spielminute).
Foto: Sascha Walther.
Diese fanden die Gäste nach dem Seitenwechsel von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Kier, Leggett, Perry, Elijah Hughes, David Joplin, Patrick Cartier und schließlich Yorman Polas Bartolo sorgten binnen des dritten Abschnitts für acht Dreier, die aus einem -14 ein +1 machten. Wohlgemerkt nur ein +1 machten, denn die Ulmer blieben angeführt von Ibi Watson, Michael Rataj und Simi Shittu, ihren drei Besten, auch in dieser wilderen Phase Herren der Lage, wodurch der Gäste-Lauf nur ein situatives Zeichensetzen blieb.
Denn trotz aller Euphorie ging Ulm mit einer Minimal-Führung (58:57) in den Schlussabschnitt und machte dort weiterhin das, was es zuvor bereits ausgezeichnet hatte: Die Hausherren brachten den Ball zu ihren großgewachsenen Jungs, die Ludwigsburg körperlich überlegen sowie gedankenschneller waren, gleichzeitig quantitativ und qualitativ zu leicht zum Korb zogen und in Ringnähe leichtes Spiel hatten – und dieses mit insgesamt 46 Zählern veredelten. Auf gelb-schwarzer Seite war es nun Leggett, der die Verantwortung schulterte. Obwohl den RIESEN auch in diesem Abschnitt 20 Zähler gelangen, waren es nicht die eigenen Korberfolge, sondern die der Hausherren, die prägend wurden: Das fortwährend gute Trio (Watson, Rataj, Shittu) war weiterhin zur Stelle, hatte den besseren, da defensiv stabileren Supportingcast und den Heimvorteil auf seiner Seite, während bei Ludwigsburg Tommy Rutherford (11 Punkte /14 Rebounds / +21 Effektivität) der einzige umfassend gute Big Man blieb.
Die Auftakt-Niederlage ist die verdiente Konsequenz, gleichzeitig aber auch eine, die weitere, sehr gute Ansätze verdeutlichte: Kier (17:20 Minuten) und Cartier (23:37) sind auf dem Weg zurück in ihren Rhythmus, Rutherford ist bereits in Top-Form und das neue Team dabei, sich zu finden. Die im Sommer zusammengestellte Mannschaft, ackert und arbeitet als Einheit ohne Unterlass – eine zweifelsfrei außerhalb jeden Graubereichs sehr gute Sache. Alles andere wird sich mit der Zeit fügen, möglicherweise schon gegen Rostock (24.09.; 18:30 Uhr).
Für Ulm spielten: Michael Rataj 20 Punkte / 6 Rebounds, Simi Shittu 15 / 17, Ibi Watson 14 / 5, Maissa Faye 11, Armel Traoré 9, Jaylen Sims 8, Adam Atamna 4, Marvin Heckel 3, Devin Schmidt 2, Dwayne Koroma 2, Nil Failenschmid und Lenny Liedtke.
Für Ludwigsburg spielten: Ish Leggett 13 Punkte / 5 Rebounds, Elijah Hughes 12 / 5, Tommy Rutherford 11 / 14, Patrick Cartier 10 / 8, Darius Perry 9, Justin Kier 8, David Joplin 6, Yorman Polas Bartolo 6, Maxwell Dongmo Temoka 2 und Julis Baumer.
Carles Durán | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Glückwunsch an Ulm zum Sieg! Sie haben heute besser als wir gespielt. Wir sind schwach gestartet und haben viele Fehler gemacht, zudem hatten wir viele Ballverluste. Ab dem dritten Viertel haben wir weitaus besser gespielt. Unser Ziel war es, in den letzten zwei, drei Minuten der Partie eine Siegchance zu haben. Ulm macht in den letzten zehn Minuten dann aber 28 Punkte… Es war das erste Spiel und wir müssen noch einiges am Spiel verbessern." |
Ty Harrelson | Headcoach ratiopharm ulm | "Heute war das erste Saisonspiel. Wir waren in der ersten Hälfte sehr fokussiert und hatten weitestgehend die Kontrolle. Dann haben wir im dritten Viertel etwas nachgelassen und die Ludwigsburger wieder herankommen lassen. Sie sind ein uns bekannter Gegner, wir haben sie bereits in der PreSeason gespielt. Daher wussten wir auch, dass das vierte Viertel wichtig werden würde. Wir haben uns darauf fokussiert, die Partie zu beenden. Ich bin froh, dass den richtigen Weg gefunden haben, dieses Spiel für uns zu entscheiden. Dabei waren unsere Fans heute ein großer Faktor. Sie haben uns in den schwierigen Phasen getragen und uns mit der anfänglichen Choreo zusätzlich motiviert. Dafür möchte ich mich bedanken." |