Foto: Sascha Walther.
Die MHP RIESEN Ludwigsburg sind im Achtelfinale des Netto BBL Pokals gescheitert. Gegen RASTA Vechta sind die Schwaben in der ersten Halbzeit Herr der Lage, agieren souverän und führen hochverdient mit 20 Punkten Differenz (49:29). Nach dem Seitenwechsel bringen sie sich und alle Gelb-Schwarzen um den Lohn zweier (sehr) guter Viertel. Die Hausherren geben vor 3.047 Fans die Partie gegen personell geschwächte Niedersachsen kopf- und konzentrationslos vollkommen fahrlässig aus der Hand und verlieren, nachdem D’Mitrik Trice die Aufholjagd mit dem Führungswechsel in der Schlussminute veredelt, 72:75.
Dass das „Elite 8“ auch in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge ohne Ludwigsburger Beteiligung stattfinden wird, danach sah es am Sonntagnachmittag zunächst überhaupt nicht aus. Cheftrainer Carles Durán verzichtete zwar auf den angeschlagenen Ish Leggett, wodurch Keeshawn Kellman erstmals in den Spieltagskader rückte und veränderte zudem seine Startformation (Perry für Kier, Baumer für Leggett), die Hausherren spielten aber auch in veränderter Formation und ohne ihren Topscorer (17,2 Punkte pro Partie) überzeugend. Einerseits lag dies sicherlich zu kleinen Teilen an fehlenden Gäste-Akteuren (Pandi, Clark, Sabally und Kuhse), andererseits waren die Barockstädter schlichtweg deutlich besser. Ab dem Sprungball ließen sie das Spielgerät durch viele Hände laufen, erspielten sich aussichtsreiche Positionen und verwandelten aus diesen. Nicht wirklich hochprozentig, aber gepaart mit einer vernünftigen Defensive und einer vorhandenen Struktur in der Offensive war die Führung verdient (21:15, 10. Spielminute).
Als dann auch noch Elijah Hughes verdeutlichte, dass seine Formkurve sehr gut ist – der US-Amerikaner traf drei Distanzwürfe in Serie und zwang Christian Held zur Auszeit (33:19) – war Ludwigsburg endgültig obenauf. Die MHP RIESEN fanden zwar kaum Antworten gegen Center Tibor Pleiß, zogen aber Offensivfouls, zogen zum Korb und trafen aus fast allen Lagen. Ludwigsburg war in souveräner Art und Weise tonangebend (49:29, 20.).
Foto: Sascha Walther.
Nachhallend zum Spiel(tag) wird derweil aber die zweite Halbzeit sein. In dieser agierten beiden Mannschaften wie ausgewechselt. Vechta versuchte es nachvollziehbarerweise mit dem Mut der Verzweiflung, benötigte diesen aber gar nicht allzu lange. Ein 0:10-Start der Hausherren im dritten Viertel, garniert mit fünf Teamfouls, verdeutlichte binnen drei Minuten, dass die Partie noch nicht entschieden war. Im Gegenteil. Während bei Ludwigsburg fast nur noch Tommy Rutherford (11 Punkte / 9 Rebounds) solide war, blieb zur allgemeinen Überraschung von den RIESEN nur noch Stückwerk. Daran änderte auch die unschönste Szene des Spiels nichts: Justin Edler-Davis verletzte sich nach einem Distanzwurf am Fuß nach einer Landung auf dem von David Joplin und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Vechta ließ seine Aufholjagd von dieser Hiobsbotschaft nicht aufhalten, spielte sehr gut, wurde dazu aber auch regelrecht eingeladen. Die Ludwigsburger versuchten ihrerseits einiges, gelingen sollte aber denkbar wenig (60:58, 30.).
Auch im Schlussabschnitt setzte sich dieses Momentum fort: Ludwigsburg reagierte – mit Darius Perry, Justin Kier und David Joplin sowohl vermehrt als auch vermehrt unglücklich, Vechta agierte, musste sich aber dennoch im vierten Abschnitt der RIESEN-Gegenwehr ausgesetzt sehen. Die Schwaben zeigten in den letzten Momenten zwar ihre Resilienz, bekamen den Vorsprung aber nicht über die Ziellinie gerettet. D’Mitrik Trice sorgte 33 und 11 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene für Euphorie und schließlich Begeisterung, Ludwigsburg hatte in Person von Perry nur eine Antwort und verlor verdient.
Für Ludwigsburg spielten: Darius Perry 14 Punkte / 7 Rebounds, Elijah Hughes 14, Justin Kier 13, Tommy Rutherford 11 / 9 Rebounds, Yorman Polas Bartolo 7, David Joplin 5 / 5 Rebounds, Julis Baumer 2, Maxwell Dogmo Temoka 2, Jonas Wohlfarth-Bottermann und Lars Danziger.
Für Vechta spielten: Matt Lewis 14 Punkte / 10 Rebounds, D’Mitrik Trice 14, Tibor Pleiß 13, Armaan Franklin 13, Dominik Dolic 10, Justin Edler-Davis 8, Peter Hemschemeier 3, Philipp Herkenhoff, Lars Thiemann, Timo Lanmüller und Linus Trittin.
Christian Held | Headcoach RASTA Vechta | "Ich glaube, dass wir heute zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen haben. In der ersten haben wir viele kleine Fehler gemacht und uns mit anderen Sachen als Basketball beschäftigt. Wir haben es nicht geschafft, den Fight anzunehmen, den Ludwigsburg für mein Empfinden sehr, sehr gut gebracht hat. In der zweiten Halbzeit haben wir anders agiert und ein anderes Spiel gesehen. Ich bin riesig stolz auf die Mannschaft, wie sie unter diesen Umständen, die bei uns herrschen, immer wieder einen Weg findet, genau diesen Fight zu liefern, nicht aufzugeben und immer wieder zurückzukommen – und das bei -20 zur Halbzeit. Ich hatte das in der Kabine gesagt: Das Spiel ist noch nicht vorbei und wir haben noch eine Chance. Dann daran zu glauben und entsprechend zu spielen, macht mich sehr, sehr stolz. Jetzt haben wir mit Justin Edler-Davis leider wieder einen Spieler, bei dem wir sehen müssen, wie es aussieht. Nächste Woche schauen wir dann, wie viele wir zusammenkratzen." |
Carles Durán | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Als Erstes: Ich hoffe, dass Justin Edler-Davis in Ordnung ist. Das tut mir leid! Als Zweites: Glückwunsch an Vechta, sie haben bis zur letzten Sekunde gekämpft. Ich denke, dass wir in der ersten Hälfte sehr gut und auch sehr guten Basketball gespielt haben. Aber in der zweiten Halbzeit sind wir vom Parkett verschwunden – aus vielen Gründen. Ich denke, dass unsere Guards katastrophal gespielt haben, und bin überrascht, dass wir in der gesamten zweiten Halbzeit nicht einen Freiwurf erhalten haben. Das überrascht mich sehr. Aber: Vechta war tough, hat nach dem Seitenwechsel einen guten Basketball gespielt, während wir verschwunden sind. Glückwunsch an Vechta und Christian. Wir haben eine große Gelegenheit verpasst." |