Foto: Sascha Walther / Eibner.
Das Derby-Gastspiel in Neu-Ulm endet für die MHP RIESEN Ludwigsburg in und mit einer 76:93-Niederlage. Unterstützt von rund 150 Gelb-Schwarzen präsentieren sich die Barockstädter phasenweise gut, sind in Gänze aber aufgrund von fünf Ausfällen personell zu limitiert und spielerisch zu unkonzentriert, um den souverän aufspielenden Vize-Meister in Bedrängnis zu bringen.
Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt! Für die Pflichtspielpause im Februar und März hatten sich die MHP RIESEN Ludwigsburg Vieles vorgenommen. Ohne das wichtigste Element, Genesung und Gesundung, bleibt der Lohn für viele Stunden in der Trainingshalle vorerst aber aus – und das deutlich. Denn während sich die Schwaben mittelfristig (im März) auf die Comebacks von Keeshawn Kellman, Johannes Patrick und Lukas Modic freuen können, fehlten in der ratiopharm arena neben diesem Trio zwei weitere Akteure. Toms Skuja musste kurzfristig krank und Yorman Polas Bartolo mit einer Wadenverletzung passen. Ludwigsburg reiste damit zwar geeint und lautstark unterstützt zum Schwaben-Derby, konnte die personellen Herausforderungen samt notwendiger Umstellungen aber nur zeitweise verkraften. So zum Beispiel im ersten Viertel: Auf Basis einer hervorragenden 62,5-Prozent-Quote aus der 6,75-Meter-Distanz sowie Treffern von Elijah Hughes, Tray Buchanan, Stef Smith und Babacar Sane erspielten sich die Gäste eine Führung (2:8 / 22:24). Trotz einer soliden Leistung in der Verteidigung erlaubten sie sich in Gänze zu viele Fehler, allen voran im Ballvortrag. Ulm nutzte das aus uns verkürzte.
Mehr noch: Die Hausherren zogen vor den 6.000 Zuschauer:innen die richtigen Schlüsse, erhöhten ihrerseits den defensiven Druck und kamen dadurch reihenweise zu Fastbreak-Punkten und leichten Korbabschlüssen. Die Kombination aus Spieltempo und Offensivpower zerrüttete das anfällige RIESEN-Spiel in Gänze und übertrumpfte die Barockstädter mit Physis, Schnelligkeit und Teamplay – sowohl kognitiv als auch körperlich. Ludwigsburg versuchte sein Glück in Isolationsspielzügen, musste aber bis zum Seitenwechsel aufgrund von 14 Ballverlusten und nur zwei Drei-Punkt-Treffern binnen zehn Minuten abreißen lassen (54:39, 20. Spielminute).
Ein Aufbäumen nach der Pause war notwendig und auch die Folge: Brandon Tischler, Buchanan, Smith und Hughes stemmten sich dabei stellvertretend gegen die drohende Niederlage. Wobei ein Herausheben einzelner Akteure der Leistung nicht gerecht würde. Alle Gelb-Schwarzen gaben ihr Bestmögliches für die Wende. Die Korberfolge der RIESEN waren dennoch nur noch Ergebniskosmetik und/oder Makulatur. Die Gäste überzeugten situativ zwar immer mal wieder, nachhaltig waren diese Aktionen aber nicht. Leichtfertige Ballverluste und vergebene Wurfchancen waren prägend. Währenddessen war Ulm weiterhin mit Mark Smith (10 Assists), Nelson Weidemann (6) und einer perfekten Freiwurfquote (24/24) unterwegs und hielt die Gelb-Schwarzen auf Abstand (71:55, 30.).
Diese versuchten auch im vierten Viertel noch einmal alles, doch die bloße Energieleistung und das emotionale Aufbäumen waren an diesem Abend gegen exzellent aufgelegte und aufgestellte Ulmer zu wenig; die 76:93-Niederlage folgerichtig.
Weiter geht’s direkt am Sonntag: Dann gastieren die Veolia Towers Hamburg in der MHPArena.
Für Ulm spielten: Christian Sengfelder 24 Punkte, Chris Ledlum 19, Justin Simon 14 / 6 Rebounds, Mark Smith 10 / 10 Assists, Joel Soriano 8 / 5 Rebounds, Nelson Weidemann 6 / 6 Assists, Tobias Jensen 4, Malik Osborne 4, Alec Anigbata 2, Thomas Klepeisz 2 und Diego Garavaglia.
Für Ludwigsburg spielten: Tray Buchanan 23 Punkte / 5 Rebounds, Stef Smith 16 / 6, Elijah Hughes 11, Babacar Sane 10, Gavin Schilling 4, Maxwell Dongmo Temoka 4, Brandon Tischler 3, Simon Feneberg 3, Julis Baumer 2, Lenny Anigbata und Jonas Wohlfarth-Bottermann.
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Glückwunsch an Ulm zum sehr verdienten Sieg! Sie haben heute über die ganze Partie hinweg mit einer beeindruckenden Intensität agiert und uns in schwierige Situationen gebracht. Unsere Mannschaft hat unter diesen durchaus schwierigen Umständen gekämpft, gearbeitet und alles gegeben, was sie kann. Die Qualität hat nicht ausgereicht, um heute mitzuhalten. Auch der Versuch der Aufholjagd: Das war nicht genug." |
Ty Harrelson | Headcoach ratiopharm ulm | "Das ist in der Tat ein großartiger Tag. Coach [Mikko] Riipinen macht einen großartigen Job in Ludwigsburg. Sie haben unter anderem im Hinspiel gegen uns gewonnen, als sie vollzählig waren. Die Atmosphäre war heute toll, mit vielen unserer Fans aber auch den mit hierher gereisten Auswärtsfans. Ich bin stolz auf den Sieg! Wir hatten zudem erhofft, dass wir den Direktvergleich gewinnen können – was wir ebenfalls erreicht haben. Natürlich gibt es viel Raum zur Verbesserung, aber den heutigen Tag nehmen wir so." |