Foto: Christian Schlüter.
Eine bittere wie vermeidbare 97:98-Niederlage sorgt bei den MHP RIESEN Ludwigsburg für einen erheblichen Dämpfer. Die Schwaben sind bei aufopferungsvoll aufspielenden Basketball Löwen Braunschweig in zu vielen Belangen ungenügend und verlieren in einem physisch geprägten Duell nach Verlängerung. Die direkte Playoff-Qualifikation rückt für die Schwaben in weite Ferne, die Gelb-Schwarzen bleiben aber in den Top-8.
Ob es eine vergebene Chance, ein ausgelassener Matchball oder einfach nur ein ernüchterndes Gastspiel in Braunschweig gewesen ist, ist schlussendlich Wortklauberei. Klar ist: Nach dem 32. Spieltag sind die Play-Ins für Ludwigsburg weiterhin sehr realistisch, die direkte Playoff-Qualifikation ist es derweil aber nicht mehr. Vorausgegangen war diesem sportlichen Schlag in die RIESEN-Magengrube ein zweieinhalbstündiges Match-Up, in dem Braunschweig sein Herz in beachtlicher Manier in die Hand genommen hatte. Ab dem Sprungball warfen sich die Hausherren in jeden Ball, in jeden Rebound und in jedwede, erdenkliche Defensivsequenz – was nicht nur, aber auch in einem zerfahrenen Auftaktviertel mündete. Ludwigsburg benötigte einige Momente, fand durch Tray Buchanan und Lenny Anigbata aber zumindest offensiv statt (11:14). Die beiden Distanztreffer blieben ein kurzer, exemplarischer Moment. Denn die Gäste kamen an diesem Abend zwar immer wieder zu Punkten, wirklich überzeugend agierten sie aber nicht. Neun Foulspiele und sechs Ballverluste leisteten sie sich allein in den ersten zehn Minuten (19:18, 10. Spielminute).
Der Spielstand war nach dem ersten Viertel das Gute, der Gesundheitszustand von Lenny Anigbata das Schlechte: Der 21-Jährige verletzte sich in einer Verteidigungssituation bei der Verhinderung von Fastbreak-Punkten und konnte nicht mehr (05:51 Minuten) eingesetzt werden. Trotz oder gerade wegen des emotionalen Verlusts der #12 rückten die Schwaben zusammen und hatten weiterhin mit Buchanan und zudem mit Terrell Harris die besten Akteure der ersten Halbzeit in ihren Reihen. Der Spielstand blieb optimierungswürdig, aufgrund der Ruppigkeit und Zerfahrenheit aber annehmbar (42:42, 20.).
Foto: Christian Schlüter.
Ebenjener Score sollte sich in der Folge rapide verbessern: Ludwigsburg legte, allen voran durch Elijah Hughes und Jonas Wohlfarth-Bottermann einen 10:0-Lauf aufs Parkett, zog entsprechend davon (42:52). Da auch Simi Shittu in dieser Situation die Contenance abhanden kam und er sich bereits in der 23. Minute aus dem Spiel verabschiedete, wirkten die MHP RIESEN überlegen – waren es trotz des Highlights der Partie, einem Dreier von Jonas Wohlfarth-Bottermann, aber nicht. Einzig Babacar Sane und Stef Smith sollten noch zu Korberfolgen kommen, während die Hausherren ihre Gelegenheit beim Schopfe packten und verkürzten (62:67, 30.).
Für Braunschweig war David N’Guessan der mit Abstand wichtigste Mann, ihm assistierten Bryant Crawford, Kaza Kajami-Keane und Benjamin Schröder. Für Ludwigsburg fehlte dieser, im Co-Kapitän, alsbald: Nach der foulbedingten Auswechslung von Wohlfarth-Bottermann (+/- 30) sprang Maxwell Dongmo Temoka einmal mehr herausragend in die Bresche, die Gelb-Schwarzen bekamen die Schwarz-Goldenen aber im weiteren Verlauf nur noch zu selten gestoppt, sodass sich ein offener Schlagabtausch anbahnte. In diesem führte zunächst Joshua Obiesie seine Farben (82:78, 38.) und dann Harris (83:88, 40.) die Ludwigsburger auf die Siegerstraße, ehe Crawford das letzte Wort hatte, zur Verlängerung einnetzte (88:88) und den 3.151 Zuschauer:innen in der Volkswagen Halle endgültig neue Hoffnung schenkte.
In der Overtime sollte das Geschehen weiterhin hin und her wogen, erneut waren es die Hausherren, die die ersten Akzente setzten. Abermals hatten die Barockstädter einen Antwortenden in Smith, der eine Vielzahl an Würfen (16) nahm und 60% aus der Distanz traf – und dennoch zum tragischen Helden wurde. Die sechs Ballverluste wurden zu kostspielig, der Rückstand uneinholbar. Braunschweig war als Team ein kleines aber doch Scihtbares My besser und verdiente sich den umjubelten Erfolg.
Während dieser die Resthoffnung auf den Klassenverbleib in Niedersachsen erhält, verpasst Ludwigsburg das Ausnutzen der Ulmer Niederlage (84:98) in Unterfranken und geht mit Erfolgsdruck in die abschließende Hauptrunden-Woche. Im Heimspiel gegen München (07.05.) und beim Gastauftritt in Würzburg (10.05.) benötigen die Schwaben ein bis zwei Siege, um die generelle Postseason-Qualifikation, ein Play-In-Heimspiel und/oder die Minimal-Chance auf die Playoffs zu wahren.
Für Braunschweig spielten: David N’Guessan 21 Punkte / 10 Rebounds, Bryant Crawford 17, Joshua Obiesie 16, Kaza Kajami-Keane 12 / 5 Assists, Benjamin Schröder 11 / 7, Chip Flanigan 6, Josh Hawley 6, Philipp Hartwich 4, Simi Shittu 3 / 5 und Adrian Worthy 2.
Für Ludwigsburg spielten: Stef Smith 26 Punkte, Tray Buchanan 19, Terrell Harris 14, Elijah Hughes 9, Brandon Tischler 7 / 8 Rebounds, Jonas Wohlfarth-Bottermann 7, Babacar Sane 7, Maxwell Dongmo Temoka 3 / 7, Lenny Anigbata 3, Julis Baumer 2, Keeshawn Kellman und Gavin Schilling.
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Herzlichen Glückwunsch an Braunschweig! Sie haben einen tollen Job gemacht – vor allem, was den Einsatz angeht. Da haben wir verloren. Ich bin enttäuscht von unserer Mannschaft und davon, wie wir uns in diesem Spiel präsentiert haben. Die Qualität schwankt von Spiel zu Spiel, Basketball ist komplex. Aber den Einsatz kann man kontrollieren, und dieser war nicht gut genug. Braunschweig hat 53 Freiwürfe geworfen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Es war dadurch ein anderes Spiel. Aber wir müssen uns anpassen und uns auf die Dinge konzentrieren, die wir kontrollieren können. In jeder Situation geht es um mentale und körperliche Stärke, und in diesem Bereich müssen wir uns verbessern." |
Ramón Díaz | Headcoach Basketball Löwen Braunschweig | "Vor dem Spiel habe ich verlangt, dass wir kämpfen. So wie heute zusammen zu kämpfen ist das Mindeste, was wir in jedem Spiel zeigen müssen. Ich bin zufrieden, weil wir diesen Schritt geschafft haben und weiterhin Chancen haben, da Jena verloren hat. Das haben wir in der Halbzeit erfahren und ich glaube, das hat uns zusätzliche Motivation gegeben, in diesem emotionalen Achterbahnspiel bis zur letzten Sekunde zu kämpfen. Aber wir müssen versuchen, in der Verteidigung besser zu werden. Wir wussten, dass Ludwigsburg eine Mannschaft ist, die viel im Eins-gegen-Eins spielt. Und in einigen Phasen haben wir ihnen die Möglichkeit gegeben, zu leicht zu punkten. Wir haben das nötige Talent für eine besser Defense, wir müssen es nur abrufen." |