Foto: Viktor Meshko.
Ernüchternd gespielt und doch irgendwie noch etwas Glück gehabt: Die MHP RIESEN Ludwigsburg verlieren in Würzburg 58:75 und damit zum dritten Mal in Folge. Trotz dessen sind Schwaben in der Postseason der easyCredit BBL mit dabei. Sie profitieren von den Ausrutschern von Chemnitz (90:104 in Braunschweig) und Oldenburg (67:77 in München) und beenden die Hauptrunde mit einer 17:17-Bilanz auf Rang 10.
Das Vergeben des dritten Matchballs in Serie überschattet, zumindest am Sonntag, die Lage im Ludwigsburger Basketball. Nach den Niederlagen in Braunschweig (98:97) und gegen München (78:96) hatten sich die Schwaben für die abschließende Partie in Würzburg viel vorgenommen – und blieben deutlich hinter ihren Erwartungen zurück. In der gut gefüllten tectake ARENA mobilisierten die MHP RIESEN zwar alle Ressourcen: Alle drei angeschlagenen Akteure (Jonas Wohlfarth-Bottermann, Tray Buchanan, Lenny Anigbata) rückten zurück in den Spieltagskader und auf den Tribünen gaben alle Gelb-Schwarzen alles. Während die „Roadwarriors“ in Block H 40 Minuten aber über jeden (akustischen) Zweifel erhaben waren, war’s sportlich im gleichen Zeitraum zu viel Stückwerk, zu viel Ausbaufähiges, zu viel Optimierungsbedarf. Allen voran der Start war dahingehend ein Musterbeispiel des Grauens: Brandon Tischler (0/3), Elijah Hughes (0/2), Terrell Harris (0/2) und Stef Smith (0/2) ließen zu Beginn alle sich bietenden Gelegenheiten aus und konnten keinen Rhythmus generieren. So war es Würzburg, das einseitig ab Spielbeginn die Akzente setzte. Während bei Ludwigsburg nur Keeshawn Kellman und an der Freiwurflinie Smith scorten und der Abschnitt maximal ausbaufähig (3/19 | 15,8 FG%) daherkam, waren die Hausherren auch ohne Brae Ivey energischer sowie spiel- und defensivstärker (23:10, 10. Spielminute).
Der Barockstädter-Einsatz blieb weiterhin hoch und wurde vor allem durch Wohlfarth-Bottermann, Anigbata, Kellman und Julis Baumer verkörpert. Nichtsdestotrotz blieben die Hausherren sehr zur Freude ihres Anhangs – und aufgrund starker Leistungen von Ex-RIESE Lukas Herzog (21:02 Minuten | 8 Punkte / 5 Rebounds / 3 Assists) und David Muenkat (22:27 | 15 / 10 / 2) – auch im zweiten Abschnitt dominant und spielbestimmend. Ein Vierpunkt-Play von Buchanan und Akzente von Yorman Polas Bartolo beschönigten statistisch die erste Halbzeit, die dennoch eine zum Vergessen und mit 10 Ballverlusten war (41:25, 20.).
Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Gäste minimal verbessert und in Halbzeit zwei auf Augenhöhe, die Aufholjagd im dritten Viertel (47:40) konnten sie aber nicht veredeln: Zu unglücklich agierten sie, zu oft fehlten Treffer zum Aufbau eines Momentums, zu oft war es Würzburg, das seinerseits Antworten auf die physische RIESEN-Verteidigung parat hatte. Erneut waren Kellman, Smith und auch Elijah Hughes – begünstigt durch 16 Offensivrebounds – zur Stelle. Letzterer verletzte sich, nach einem empfindlichen Kontakt mit einem Rot-Weißen, aber und musste fortan vermehrt zuschauen (52:40, 30.).
Kellman, der wie schon gegen München offensiv stark aufspielte, Smith, der 10 Freiwürfe zog und Polas Bartolo, der wie sein Gegenüber Carr im Privatduell zuerst sehr emotional und nickelig agierte und dann etwas die Contenance verlor, schafften es nicht, ihre Farben nachhaltig zum Erfolg zu führen. Die Defensive blieb weitestgehend gut, wurde zu oft aber dennoch bestraft, während die RIESEN-Offensive über alle vier Abschnitte hinweg zu deutlich abfiel. Die Schwaben zeigten solides Stückwerk, aber eine in Gänze weitaus zu ausbaufähige Leistung, die deutlich nicht zum Sieg reichte.
Die (17.) Niederlage führt nun zu einer 17:17-Hauptrunden-Bilanz, die aufgrund des Vierervergleichs nur, aufgrund der parallelen Ausrutscher von EWE Baskets Oldenburg und NINERS Chemnitz aber immerhin, zu einer Top-10-Platzierung reicht. Folgerichtig geht’s für die Ludwigsburger in den Play-Ins und im Do-or-die-Modus weiter. Zunächst reisen Mikko Riipinen und sein Team nach Mecklenburg-Vorpommern und zu den ROSTOCK SEAWOLVES. Tip-Off im ersten Play-In-Spiel ist am Dienstag um 18:30 Uhr.
Für Würzburg spielten: David Muenkat 15 Punkte / 10 Rebounds, Davion Mintz 11 / 5, Johnathan Stove 9, Lukas Herzog 8 /5, Eddy Edigin 7, Marko Petric 6, Alen Pjanic 6, Marcus 5, Charles Thompson 3 / 5, Christian Skladanowski 3 / 6, Leo Saffer 2 und Christoph Philipps.
Für Ludwigsburg spielten: Stef Smith 12 Punkte / 6 Rebounds, Keeshwan Kellman 11 / 5, Toms Skuja 8, Elijah Hughes 8, Yorman Polas Bartolo 5, Terrell Harris 4, Tray Buchanan 4, Lenny Anigbata 3, Brandon Tischler 3 / 9, Julis Baumer, Jonas Wohlfarth-Bottermann und Maxwell Dongmo Temoka.
Saša Filipvoski | Headcoach Fitness First Würzburg Baskets | "Ich bin sehr glücklich und stolz auf das, was wir in dieser Saison erreicht haben. Wir haben die Hauptrunde mit der richtigen Einstellung und drei Siegen beendet. Glückwunsch an meine Spieler, meinen Trainerstab und an unsere Fans. Glückwunsch auch an Ludwigsburg, die sich trotz der Niederlage für die Play-Ins qualifiziert haben. Es war für alle Teams heute eine schwierige Situation. Jetzt haben wir ein paar Tage Zeit, um uns auf die ersten beiden Viertelfinalspiele in Bonn vorzubereiten. Platz fünf in der [easyCredit] BBL und unser gutes Abschneiden in der [Basketball] Champions League sind eine großartige Leistung und ein großer Erfolg für unseren Klub." |
Mikko Riipinen | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg | "Glückwunsch an Würzburg und Coach [Saša] Filipovski, sie haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir konnten heute nicht über 40 Minuten so physisch spielen, wie wir es eigentlich wollten. Wenn wir sehr physisch waren, haben wir unsere Würfe nicht getroffen. Wenn wir weniger physisch waren, haben wir getroffen. Diese beiden Dinge müssen über eine längere Zeit kombinieren. Wir können aus diesem Spiel einiges lernen. Aber um ehrlich zu sein, ist dieses Spiel jetzt schon völlig egal und wir müssen nach vorne schauen. Wir sind noch am Leben, das ist ein Schritt nach vorne im Vergleich zur letzten Saison und sehr wichtig für uns. Wir haben jetzt aber die schwierigste Situation aller vier Mannschaften in den Play-Ins, darauf werden wir uns ab sofort konzentrieren." |