Moral, Einsatz & ein bisschen Glück: Ludwigsburg holt ersten Sieg

Category News Date 2026-09-25 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. ROSTOCK SEAWOLVES 81:78

Foto: Sascha Walther.

Lediglich 36 Sekunden liegen die MHP RIESEN Ludwigsburg gegen Rostock in Front, dies sind vor 2.972 Zuschauer:innen aber die entscheidenden Momente: Die Schwaben verwandeln einen 14-Punkte-Rückstand mit größtmöglicher Hingabe in einen 81:78-Erfolg und feiern einen umjubelten Heim-Auftakt.

Dass es um 20:45 Uhr Konfetti regnen und Jubel geben würde, danach sah es für die MHP RIESEN Ludwigsburg am Donnerstagabend in der MHPArena lange Zeit überhaupt nicht aus. Die Gelb-Schwarzen konnten sich zwar über die Kader-Rückkehr von Jonas Wohlfarth-Bottermann freuen, mussten dafür aber weitestgehend ohne Darius Perry (Rückenprobleme) auskommen. Während der Co-Kapitän noch nicht zum Einsatz kam, wollte der US-Amerikaner für seine Farben jeden Schmerz aushalten, musste aber erkennen, dass sein Mitwirken auch mit familiärem Support aus den Vereinigten Staaten gegen die SEAWOLVES gesundheitlich (04:11 Minuten) keinen Sinn ergab.

Da neben dem indisponierten Duo auch Justin Kier (5 Ballverluste), Patrick Cartier (3 Fouls) und David Joplin (12:21 Minuten) wechselhaft in die Partie starteten, kam von Beginn an bei allen von Cheftrainer Carles Durán eingesetzten Akteuren kein Rhythmus auf. Ludwigsburg agierte statisch, fehlerhaft und generell äußerst schwach, während Rostock mit Jonathan Stove und Robin Amaize – per Viertel-Buzzerbeater – einen sehr soliden und deshalb guten Beginn erwischte (10:20; 10. Spielminute).

Ab dem zweiten Abschnitt wurde es schrittweise und dank zweier weiterer Distanztreffer von Elijah Hughes besser, Ludwigsburg wurde nun vom bloßen auf das Parkett gebrachten Einsatzwillen zu Punkten getragen (18:28 / 25:33 / 33:37). Im nun ausgeglichen geführten Schlagabtausch blieben die Mecklenburg-Vorpommern tonangebend und waren in sehr vielen Match-Ups überlegen. Was vor allem daran lag, dass sie unter dem Korb im Rebound mit ihrer Länge überlegen sowie in- und außerhalb der Zone deutlich treffsicher(er) waren. Daran änderten auch die individuell guten Partien von Tommy Rutherford (25:21 Minuten | 11 Punkte / 8 Rebounds) und Maxwell Dongmo Temoka (14:27 Minuten | 2 Punkte / +1) wenig. Die Schwaben mühten sich mit großer Hingabe, zunächst blieb es aber bei einem stetigen Bemühen (44:47, 20.).

Freiwürfe & Feierlichkeiten

Aus der Kabine kommend blieb Ludwigsburg auf Tuchfühlung, fand nun weitere Entlastung, sollte die Probleme der ersten Halbzeit aber bis auf eine Ausnahme nicht nachhaltig gestoppt bekommen. Während bei den Gästen Todd Withers dreifach aus der Distanz verwandelte und den defensiven RIESEN-Einsatz zunichtemachte, war immerhin die gelb-schwarze Resilienz samt Nehmerqualitäten großartig. Kier, Ish Leggett und Rutherford hielten ihre Farben auf Kurs, zogen insgesamt 31 Freiwürfe und – was wesentlich war – behandelten das Spielgerät ein Stück weit umsichtiger. Weiterhin gab’s viel Stückwerk und Rostocker Vorteile, mit Verlauf der Spielzeit aber auch eine wachsende Siegchance.

Diese belebte Kier mit mehreren, wahrlich schwierigen, Korberfolgen, die gepaart mit viel Physis nun für eine ausgeglichene Partie sorgten. Am Spielstand änderte sich dabei aber nichts: Die Gäste waren weitestgehend souverän und spielerisch besser. Das Prädikat „besser“ galt gleichzeitig nicht für den RIESEN-Einsatz, die nun sehr stabil stehende Verteidigung, die Rostock die Nerven raubte – und dennoch eine Kombination aus Glück, Können und Erfahrung benötigte. Kapitän Yorman Polas Bartolo vernaschte Withers in der 40. Spielminute und sorgte für den nun verdienten Führungswechsel, den Zach Copeland aus acht Metern per Dreier herausforderte. Da Kier sowie Leggett Herren der Lage und der Freiwurflinie blieben, änderte sich an der knappen Führung aber nichts mehr. Sie blieb gelb-schwarz und wurde ausgiebig gefeiert.

Auf den Debüt-Erfolg gegen den letztjähren Tabellenneunten folgt keine Pause, sondern durch den Doppelspieltag bereits am Samstag (26.09.; 20:00 Uhr) das Gastspiel beim Pokalsieger und letztjährigen Dritten aus Bamberg.

Stats

Für Ludwigsburg spielten: Ish Leggett 21 Punkte / 7 Rebounds, Justin Kier 20 / 5 Assists, Elijah Hughes 16, Tommy Rutherford 11 / 8 Rebounds, Patrick Cartier 5, Yorman Polas Bartolo 4 / 8 Rebounds, David Joplin 2 / 5 Rebounds, Maxwell Dongmo Temoka 2, Julis Baumer, Darius Perry und Lars Danziger.

Für Rostock spielten: Johnathan Stove 13 Punkte, Zach Copeland 12, Robin Amaize 12, Todd Withers 10, Artur Konontsuk 8, TJ Crockett Jr. 8, Bent Leuchten 5 / 9 Rebounds, DeAndre Lansdowne 5, Dominic Lockhart 3, Owen Klassen 2 und Philipp Hartwich.

Statements

Przemysław Frasunkiewicz | Headcoach ROSTOCK SEAWOLVES
"Wir haben sehr gut angefangen, waren fokussiert, klar und haben dann angefangen, lächerliche Fehler zu begehen. Einen nach dem anderen. Ludwigsburg hat sich von unseren Fehlern ernährt, sie haben manche schwierigeren Würfe in der zweiten Halbzeit verwandelt – es waren aber nur ein paar wenige Würfe. Wir haben sie sich gut fühlen gelassen, weil wir verrückt viele Foulspiele begangenen haben. Wir haben ihnen 31 Freiwürfe gestattet. Wenn Du dann diese Gelegenheiten nutzt, wird es in der nächsten Possession schwieriger zu scoren. Wir haben uns und das Spiel komplett verloren, haben uns wie Kinder verhalten und haben merkwürdige Entscheidungen getroffen. Glückwunsch an LuBu, sie haben sicherlich nicht gut angefangen, sind im Verlauf des Spiels aber ins Rollen gekommen und waren am Ende in der Lage, zu gewinnen."
Carles Durán | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Der erste Glückwunsch geht an unser Team und an unseren Fans: Ich denke, dass sie, wie auch wir, den Glauben an den Sieg nie aufgegeben haben. Ich möchte nicht so viel über das Spiel sprechen, jetzt ist mein Fokus schon in Bamberg. Das Wichtigste: Wir sind schlecht gestartet und damit meine ich nicht unseren Einsatz, sondern unseren Basketball. Wir haben mit Angst gespielt und in der Offensive viele Fehler gemacht. Unser drittes Viertel war besser, aber wir hatten große Probleme mit dem Rebound. Rostock hat viele Punkte aus zweiten Gelegenheiten gemacht. Auch im dritten Viertel sind wir schlecht gestartet, haben nur über die Offensive nachgedacht. Der Unterschied zwischen dem heutigen Spiel und der Partie in Ulm war: Wir haben im vierten Viertel herausragend in der Verteidigung gespielt. Am Ende haben einige Jungs wichtige Würfe getroffen – zum Beispiel Polas [Yorman Polas Bartolo]. Entscheidend ist in den meisten Spielen der Schlussabschnitt und da haben wir sehr gut verteidigt. Wir müssen einiges verbessern und hatten einige Probleme. Beispielsweise konnte Darius [Perry] in den letzten zwei Tagen nicht mit uns trainieren. Er hat es wirklich versucht, aber es war heute unmöglich für ihn. Aber: Das Team hat mit großem Einsatz und einer herausragenden Mentalität gespielt, aber wir müssen besser sein, wenn wir in Bamberg gewinnen möchten."