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Der letzte Wurf entscheidet

Category News Date 2021-12-20 FC Bayern München Basketball vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 79:78

Hält die Partie bis in die Schlusssekunden offen: Jonah Radebaugh im Fastbreak gegen Vladimir Lucic. Foto: Steffen Eirich. 

Die MHP RIESEN Ludwigsburg müssen sich am Sonntagabend in einer denkbar knappen und umkämpften Partie im Audi Dome dem letztjährigen Vizemeister FC Bayern München geschlagen geben: In der letzten Sekunde findet der spielentscheidende Wurf nicht sein Ziel und die Gäste verpassen nur haarscharf mit 79:78 den Sieg gegen den Tabellenführer. Topscorer der Partie wird Tremmell Darden mit 18 Punkten.

Nach dem Heimsieg zur Wochenmitte gegen Frankfurt, machten sich die MHP RIESEN Ludwigsburg am Wochenende auf in die bayrische Landeshauptstadt, um sich am Sonntagabend im Münchner Audi Dome mit dem Tabellenführer und Euroleague-Contender FC Bayern München zu messen.

Dabei brachte der erste Spielabschnitt brachte an diesem Abend noch vor Tip-Off die erste Änderung mit sich: Wie bereits angekündigt versuchten die MHP RIESEN Ludwigsburg an die – buchstäblich – großen Bayern mit einem kleinen Line-Up zu kontern und Yorman Polas Bartolo ersetzte zunächst Jonas Wohfarth-Bottermann als Starter. Der erste Ballbesitz gehörte den Münchnern, doch die Schwaben starteten um 18.00 Uhr erst einmal deutlich aufgeweckter in die Partie. Druck und Schnelligkeit über das gesamte Feld und eine starke Verteidigung mündeten in 5 Turnovers des FC Bayern in den ersten 3 Spielminuten und einem 0:7-Lauf für die Gäste vom Neckar (0:7, 3‘). Doch die Münchner waren wütend, ob der beiden vorangegangenen Niederlage in der Euroleague in dieser Woche und dem verpassten Start in die Partie, und drehten die Intensität noch einmal ordentlich auf, um den Rückstand aufzuholen und sogar auszugleichen (7:7, 5‘). Es folgte ein kurzes Gerangel um die Führung, welches die Gastgeber zunächst dank eines Dreiers von Deshaun Thomas für sich entscheiden konnten (10:9, 6‘). Die Würfe der Gastgeber fielen von Beginn an wie am Schnürchen durch die Reuse und obwohl Tremmell Darden den Rückstand nach einem weiteren Lauf der Bayern von der Freiwurflinie noch einmal verkürzt, trifft Thomas mit dem Buzzer für sein Team zur bis dahin höchsten Führung der Münchner (23:15, 10‘).

Nach der ersten Verschnaufpause knüpften diese dann auch genau da an, wo sie zuvor aufgehört hatten: Neben Corey Walden blieb auch Andi Obst im zweiten Viertel perfekt (12 Punkte / 1 Rebound / 3 Assists / 100 FG%), netzte direkt den nächsten Distanzwurf ein und Gavin Schilling setzte ein Statement zur 15-Punkte-Führung (30:15, 12‘). Doch an diesem Punkt entschieden sich die MHP RIESEN für den Gegenangriff: Ein Foul schickte zunächst Tremmell Darden an die Freiwurflinie, der die Würfe sicher einnetzte, bevor Bayern-Chef Andrea Trinchieri nach einem Dreier von Jonah Radebaugh noch versuchte, den Ludwigsburger Lauf mit einer Auszeit noch zu stoppen (30:20, 13‘). Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann, schaltete sich nun ins Geschehen ein: Mit 7 Punkten in Folge machte er den 0:15-Run der Schwaben perfekt und erzielte dabei nicht nur seinen 1.500ten Punkt der easyCredit Basketball Bundesliga Karriere, sondern auch den Ausgleich in der Partie (30:30, 16‘). Die Barockstädter machten nun die nachlässige Arbeit am Brett aus dem ersten Viertel wieder wett, leisteten vor allem am offensiven Ende beste Arbeit, ließen dabei weniger zweite Chancen des Gegners zu und forcierten auch in diesem Spielabschnitt erneut 6 Turnovers. Wohlfarth-Bottermann (12 Punkte in Q2) und Darden (100 FG%) waren es, die in diesem Spielabschnitt den kühlen Kopf bewahrten und mit einer hochkonzentrierten Arbeit die RIESEN im Spiel hielten. Ein Hulls-Treffer von jenseits der 6.75m-Linie brachte die Barockstädter dann zum ersten Mal seit der 6. Spielminute in Führung (39:40, 19‘), bevor ein Foul in letzter Sekunde Münchner Corey Walden an die Freiwurflinie schickt, der den 42:40-Spielstand vor dem Gang in die Kabinen markiert.

Ein Ludwigsburger Ziel nach der Halbzeitpause: Die Treffsicherheit der Münchner weitestgehend einzudämmen (72 FG% | 63 3P%). Ein Distanztreffer von Justin Simon markierte zunächst die ersten 3 Punkte auf dem Ludwigsburger Konto, bevor ein wahrer Schlagabtausch folgte, der mit einem erneuten Treffer von Kapitän Wohlfarth-Bottermann die Barockstädter auf 4 Punkte in Front brachte (47:51, 25‘). Auf eine bayrische Auszeit hin meldete sich dann auch Vladimir Lucic anwesend, doch die MHP RIESEN wollten sich die Kontrolle über das Spiel nicht nehmen lassen (52:55, 28‘). Während Thomas zunächst die Punkte von der Freiwurflinie vergibt, nutzt Nick Weiler-Babb die Chance zum Fastbreak mit Foul. Den vergebenen Strafwurf verwandelt dann Ognjen Jaramaz dank Offensivrebound sogar noch in 2 Punkte und einen erneuten Führungswechsel (56:55, 29‘) zugunsten der Gastgeber. Ein Dreier (Lucic) und Strafwürfe (George) zum Viertelende brachten den Münchnern dann doch noch eine 5-Punkte-Führung vor dem Schlussabschnitt ein (60:55, 30‘).

Während Justin Simon zunächst noch die Freiwürfe für den weiteren Anschluss traf, war es dann Münchner Augustine Rubit der vollends aufdrehte und 6 Punkte hintereinander für den FC Bayern sichert (66:59, 33‘). Ein erneuter Dreier von Obst ließ die Führung zunächst wieder zweistellig werden, bevor 4 Punkte in Folge von Lucic und ein Offensivfoul von James Woodard das Momentum auf die Seite der Gastgeber bringen (73:62, 36‘). Trotz leerer Halle stieg die Spannung im Audi Dome bei allen Beteiligten merklich an und die Schwaben wollten sich weiterhin nicht kampflos geschlagen geben, reduzierten dank eines Korblegers durch Yorman Polas Bartolo den Rückstand mit 3 Minuten auf der Uhr noch einmal auf lediglich 6 Zähler (73:67, 37‘). Diesen machte es sich dann Jonah Radebaugh zur Aufgabe einzuholen und die Führung mit zwei Dreiern trotz der weiterhin starken Bayern-Offensive zurückzugewinnen (75:76, 39‘). Die Partie blieb bis zur allerletzten Sekunde offen, wobei das Glück noch einmal auf Seiten der Bayern war, bei denen Rubit (8 Punkte in Q4) den schweren Münchner Wurf trifft, und Tremmell Darden im letzten Angriff nur haarscharf am Ring scheitert (79:78 Endstand).

Während der FC Bayern an diesem Abend mit überragenden Trefferquoten aufwarten kann, sind die RIESEN unter dem Korb vor allem zu Beginn zu nachlässig und verlieren entsprechend am Ende das entscheidene Reboundduell (30:26). „Andreas Obst ist ein Sniper: Wo für die meisten Spieler ein Korbleger automatisch ist, ist für ihn ein Dreier aus acht Metern automatisch. Leider haben wir unsere Strategie zu ihm ein bisschen vergessen“, erklärt Headcoach John Patrick das Heißlaufen des Nationalspielers und Olympioniken. Die Schwaben können zusätzlich die forcierten Turnover (15) und generierten Steals (7) nicht gut genug verwerten, um am Ende gegen den Tabellenführer die Nase vorne zu haben. Die Schwaben bieten dem Euroleague-Contender im Audi Dome allerdings über 40 Minuten die Stirn, zeigen Kampfgeist und Willensstärke buchstäblich bis zur letzten Sekunde und können das Feld an diesem Abend erhobenen Hauptes verlassen.

 

Für Ludwigsburg spielten:

Tremmell Darden 18 Punkte / Jonah Radebaugh 15 (3 Steals) / Jonas Wohlfarth-Bottermann 13 / Justin Simon 11 / Jacob Patrick 8 / Jordan Hulls 7 (6 Assists) / Yorman Polas Bartolo 4 / James Woodard 2 / Lukas Herzog, Rawle Alkins, Jonathan Bähre und Johannes Patrick.

Für München spielten:

Andreas Obst 18 / Augustine Rubit 16 (6 Rebounds) / Vladimir Lucic 10 / Corey Walden 10 / Deshaun Thomas 9 / Nick Weiler-Babb 6 (6 Rebounds) / Jason George 4 / Gavin Schilling 4 / Ognjen Jaramaz 2 / Nihad Djedovic, Joshua Obiesie und Marvin Ogunsipe.

Statements

John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
„Ich glaube, beide Mannschaften hätten heute den Sieg verdient gehabt – am Ende war Bayern einen Tick besser. Dafür meine Gratulation an Andrea und seine Mannschaft. Wir haben im zweiten und letzten Viertel wichtige Offensivrebounds geholt und gut verteidigt, aber Rebounden ist auch ein Teil der Verteidigung und das haben wir ein bisschen verpatzt. Trotzdem bin ich stolz, dass wir gegen eine sehr gute Münchner Mannschaft eine Chance gehabt haben. Leider sind es die Details, die ein Spiel entscheiden. Natürlich ist das schade, aber ein Kompliment an Bayern und Andi Obst, der heute wirklich heiß gelaufen ist.“
Andrea Trinchieri | Headcoach FC Bayern München
"Gegen Ludwigsburg ist es immer schwer und noch schwerer, wenn du von acht Tagen auswärts zurückkommst. Zudem war das unser achtes Spiel in 18 Tagen. Deswegen bin ich sehr happy mit dem Ergebnis. Ich kann alle Fehler analysieren, aber ich glaube nicht, dass das nützlich und effizient in diesem Moment wäre. Ich will nur meinen Spielern gratulieren, dass sie gewinnen konnten, auch ohne eine gute Leistung; aber das war auch nicht möglich. Wir haben nur einen Fehler gemacht: Wir haben unsere beste Leistung in der zweiten Halbzeit gebracht, im vierten Viertel waren wir für acht Minuten perfekt – und dann haben wir den Stecker mental gezogen und hatten Ballverlust über Ballverlust. Das ist eine Sünde und schlecht, aber die Umstände, die wir erleben, müssen wir verstehen. Großartig war, dass Jason George heute sehr hilfreich war mit 17 exzellenten Minuten und einem Plus-Minus von plus zehn. (…) Wir haben zig Spieler draußen, es werden immer dieselben Jungs belastet, deswegen bin ich heute über Jason sehr glücklich. Auch Andy Obst hatte ein starkes Spiel mit 18 Punkten und ich bin sehr stolz auf ihn, denn in Belgrad war es tragisch mit ihm, weil er es nicht schaffen konnte, nützlich für das Team zu sein. Aber weil er sehr smart ist und demütig, kam er sehr fokussiert heute in das Spiel und hat eine tolle Leistung gezeigt. (…) Ich habe meinen Spielern gesagt: Mir ist egal wie, aber das Ziel ist nur zu gewinnen, selbst mit nur einem Punkt – na prima, so hören sie sonst nie auf mich, wenn ich ihnen taktische Dinge mitgebe, die vergessen sie schnell. Doch das mit dem einen Punkt haben sie nicht vergessen und per Buzzer Beater von DT gewonnen. (…) Deshaun Thomas ist ein Scorer. Er kann auf viele verschiedene Arten treffen. Das Gute ist, dass er in der Offensive gut spielen und den Spielzug davor berücksichtigen kann. Er kann zehn Fehler machen und den letzten Wurf treffen.“