30 Minuten Dominanz, 10 Minuten Inkonstanz

Category News Date 2020-12-27 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. s.Oliver Würzburg 87:72

Einmal mehr von nichts und niemandem zu stoppen: Jaleen Smith legt die nächste, exzellente Performance auf das Parkett, kratzt abermals am Triple-Double und drückt dem Spiel seinen Stempel auf. Foto Pressefoto Baumann.

Die MHP RIESEN Ludwigsburg gewinnen auch ihr Heimspiel gegen s.Oliver Würzburg 87:72. Damit feiern die Schwaben nicht nur ihren sechsten Sieg in Folge, sondern zudem die Verteidigung der Tabellenspitze.

Ins vorletzte Spiel des Jahres gingen die MHP RIESEN auch nach den Weihnachtsfeiertagen nicht mit schweren Beinen: Sie zwangen die Würzburger in den ersten Sekunden zu drei Ballverlusten und kamen durch Yorman Polas Bartolo und Jordan Hulls zu den ersten fünf Punkten der Partie (5:0, 2. Spielminute). Da es auch in der Folge rund lief und Hulls sowie Desi Rodriguez für weiteren Ertrag sorgten, während Justin Sears an alter Wirkungsstätte lediglich einen Freiwurfzähler markierte, zogen die Ludwigsburger davon (10:1, 4.). Denn die Franken haderten mit dem Druck und der Physis der Hausherren. Diese wiederum fanden frühzeitig ihren Rhythmus und bauten ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Erst zum Ende des ersten Spielabschnittes fanden die Würzburger, nun mit sichtbarer Unterstützung von der Bank, zu ihrem Spiel (24:17, 10.).

Anders als im ersten Spielabschnitt mühten sich die Ludwigsburger in den zweiten zehn Minuten lange Zeit vergeblich: Barry Brown kam sich zwar zu Punkten, aber erst die Distanztreffer von ihm und Jacob Patrick sorgten für das Aufleben der Ludwigsburger (34:19). Nach einem Wutanfall Tayler Persons in der anschließenden Auszeit kamen seine Teamkameraden mit einem kleinen Lauf zurück aufs Parkett, den erst Rodriguez mit einem Distanztreffer zu beantworten wusste (37:24, 16.). Dennoch waren die Schwaben um keine Antwort verlegen, rissen das Heft des Handelns immer wieder an sich und setzten sich bis zur 18. Spielminute bis auf 18 Punkte ab (45:27). Wie bereits in den vergangenen beiden Partien gegen Vechta und Chemnitz legten die MHP RIESEN eine sehr reife Spielanlage und eine konzentrierte (Defensiv-)Leistung an den Tag. Die deutliche Halbzeit-Führung war dahingehend folgerichtig (51:34, 20.) und sorgte nur bei den fränkischen Gästen für ausbaufähige Mienen.

Würzburg wie verwandelt

Diese sollte sich unmittelbar nach dem Gang in die Kabinen merklich aufhellen. Die rotgekleideten Würzburger, die etwas zu beweisen hatten, setzten den Willen in die Tat um. Sie verkürzten das Defizit bis auf zehn Zähler und zwangen Headcoach John Patrick zur ersten Auszeit (53:43, 24.). Eine Wirkung erzielen sollte diese nicht. Würzburg agierte weiterhin außer Rand und Band, zündete den Turbo und zwang, nachdem Felix Hoffmann nach einer Ballrettungsaktion zuerst über die Bande stürzte und danach aus der 6,75-Meter-Distanz einnetzte, den US-Amerikaner zur erneuten Seitenlinienansprache (53:51). Die dort justierten Stellschrauben wirkten: Darden gab den fränkischen Partyschreck, beendete den 0:15-Lauf aus der Ferndistanz und sorgte für die über fünf Minuten vergeblich gesuchte Entlastung. Besonders hochklassig oder gar souverän war das gelb-schwarze Spiel in dieser Phase zwar nicht, dafür lagen die Patrick-Schützlinge dennoch weiter in Front (64:57, 30.)

Mit dem Selbstbewusstsein des Tabellenführers und der Sicherheit dem ersten Würzburger Lauf standgehalten zu haben, blieben die Hausherren auch im Schlussabschnitt Herr der Lage. Trotz dessen, dass Elias Harris mit fünf Fouls und Jonas Wohlfarth-Bottermann mit derer vier gehemmt agieren mussten, setzten sich die Hausherren Punkt um Punkt ab. Sie entschieden die Partie nicht mit einer Aktion, wohl aber durch ihre Ausdauer und Konsequenz. Sie griffen sich mehr Rebounds (42 / 32), leisteten sich weniger Ballverluste (13 / 15) und hatte in Darden und Smith die beiden besten Spieler in ihren Reihen. Da zudem Würzburg viele Foulprobleme bekam und in der Schlussphase nicht nur Spieler, sondern auch Nerven fehlten, war das „A81-Duell“ früher als erwartet entschieden – und die Tabellenspitze erfolgreich verteidigt.

Im Anschluss an den 87:72-Sieg haben die MHP RIESEN Ludwigsburg etwas mehr als 48 Stunden Zeit, um sich auf das nächste Pflichtspiel vorzubereiten. Am Dienstagabend (29.12.2020, Tip-Off 20:30 Uhr) gastieren zum Jahresabschluss die Hamburg Towers, aktueller auf Rang sechs rangierend, in der MHPArena.

Stats

Für Ludwigsburg spielten: Jaleen Smith 22 Punkte / 11 Rebounds / 8 Assists, Tremmell Darden 13, Desi Rodriguez 10, Jordan Hulls 9 / 5 Assists, Barry Brown 9, Yorman Polas Bartolo 8 / 5 Rebounds, Elias Harris 8, Jonas Wohlfarth-Bottermann 5, Jacob Patrick 3, Lukas Herzog, Andrew Warren und Johannes Patrick.

Für Würzburg spielten: Cameron Hunt 15 Punkte, Justin Sears 10, Brekkott Chapman 9, Tyson Ward 8, Florian Koch 7 / 5 Rebounds, Alex King 5, Felix Hoffmann 5, Tayler Persons 5, Nils Haßfurther 4, Joshua Obiesie 2 und Jonas Weitzel.

Statements

Denis Wucherer | Headcoach s.Oliver Würzburg
"Gratulation an John Patrick und sein Team zum verdienten Sieg. In der ersten Halbzeit waren wir nicht bereit auf dem physischen Niveau zu agieren, auf dem dies Ludwigsburg bekanntermaßen seit Jahren tut. Gegen diese Physis und gegen die Maßstäbe, welche die Schiedsrichter bei Ludwigsburg ansetzen, hatten wir keine Chance. In der zweiten Halbzeit haben wir uns deutlich mehr gewehrt. Wenn man Physis mitbringt, wenn man sich wehrt und den Ball bewegt, dann kann man auch gegen Ludwigsburg gut aussehen. Dies sollte uns eine Hilfe sein, wenn wir das nächste Mal gegen eine Mannschaft wie Ludwigsburg oder gegen Ludwigsburg spielen."
John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Es war ein wichtiger Sieg für uns – gegen einen, nun ja, Derby-Gegner. Wir kennen die Würzburger sehr gut. Sie sind viel besser als noch bei unserem Aufeinandertreffen im MagentaSport BBL Pokal. Ich glaube auch, dass wir deutlich besser als vor zwei Monaten sind. Wir haben im dritten Viertel unsere Konzentration etwas verloren, aber in der ersten Halbzeit auch einen sehr guten Teambasketball gespielt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt 12 Assists und nur drei oder vier Ballverluste. Im dritten Viertel haben wir den Ball dann etwas arg lange gehalten und nicht bewegt. Am Ende hatten wir in der zweiten Halbzeit neun Turnover und wenige Assists. Kompliment an Tremmel [Darden], er hat uns, als Elias Harris und Jonas Wohlfarth-Bottermann Foulprobleme hatten, wichtige Minuten gegeben. Jaleen [Smith] hat schon wieder fast ein Triple-Double erzielt. Es war kein perfektes Spiel von uns. Aber wir haben gesehen, wenn wir fokussiert sind und in der Verteidigung mit Energie über das ganze Feld pressen, dass wir dann sehr gut sein können. Jetzt haben wir etwas mehr als 48 Stunden bis zum nächsten Spiel gegen Hamburg, die auch eine sehr gute Mannschaft sind. Die Regeneration wird deshalb für heute und morgen das Hauptthema sein."