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Crunchtime-Helden mit (nächstem) Derby-Sieg

Category News Date 2021-03-20 ratiopharm ulm vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 77:83

Körperlich kleiner, spielerisch mindestens auf Augenhöhe: Desi Rodriguez ist gegen die Ulmer um Dylan Osetkowski ein wandelndes Mismatch – und mitentscheidend für den Erfolg. Foto: Harry Langer.    

Die MHP RIESEN Ludwigsburg sind zurück auf der Siegerstraße: Am 24. Spieltag feiern die Schwaben einen 83:77-Erfolg bei ratiopharm ulm. In einer 40-minütigen Partie auf Augenhöhe sorgen ein unkonventionelles Aufgebot und der Schlussabschnitt für die Entscheidung.

Nach der Niederlage im Hohenlohe-Schwaben-Derby am vergangenen Sonntag erlebten die MHP RIESEN Ludwigsburg eine exzellente Trainingswoche mit großem Fleiß und Eifer. Gemeinschaftlich wurde die Basis für das Schwaben-Derby gelegt bei welchem auch ein Rückkehrer und ein Debütant eine Rolle spielen sollten. Barry Brown feierte in Ulm sein Comeback, Eigengewächs Nico Santana Mojica stand erstmals im Aufgebot. Brown rückte für Jonah Radebaugh (Ausländerregel) auf, Santana Mojca für Johannes Patrick (Freistellung für Abitur-Prüfung).

Energisch sollten sie auch ins Spiel starten: Jonas Wohlfarth-Bottermann gewann den Sprungball, Tremmell Darden zog das erste Foul und Yorman Polas Bartolo holte den ersten Steal. Offensiv lief es derweil gar nicht. Mehr als vier Zeigerumdrehungen benötigten die Ludwigsburger Gäste, um einen Zähler zu erzählen. Die Ulmer waren dahingehend schneller in ihrem Rhythmus – bis zu den ersten Punkten von Desi Rodriguez aber auch noch nicht davongezogen (8:3, 5. Spielminute). Insgesamt erwischten die Rivalen eine ereignisarme Anfangsphase. Der Defensivverbund funktionierte beidseitig exzellent, Zählbares gab es derweil wenig. Erst ab der 7. Spielminute nahm die Partie nach und nach in kämpferischer Art und Weise an Fahrt auf. Vorteile waren im ersten Spielabschnitt aber nicht auszumachen. Klar auffälligster Mann war Small-Ball-Center Rodriguez, der acht RIESEN-Zähler markierte (14:15, 10.).

Zum Beginn des zweiten Spielabschnitts waren es erneu die Ulmer Hausherren, die schneller in Fahrt kamen: Andreas Obst markierte schnelle fünf Zähler und sorgte mit diesen für den Führungswechsel. Aus Ludwigsburger Sicht war es nun zweifach Darden, der aus der Nah- und Ferndistanz per Dunking und Dreier zum Erfolg kam. Generell kam von den Gästen im Angriff aber zu wenig, um das Spiel an sich zu reißen. Defensiv war die Leistung exzellent, offensiv gab es Luft nach oben. Als das Potential dann auf die Strecke gebracht wurde, sorgten Jordan Hulls und Polas Bartolo für fünf konsekutive Punkte, den Ausgleich und die erste Ulmer Auszeit der Partie (27:27, 16.). Nach den Worten von Jaka Lakovic agierten die Hausherren ein gutes Stück uneigennütziger, spielten häufiger den Extrapass und hatten alsbald auch Erfolg. Dylan Osetkowski markierte seine Zähler drei, vier und fünf aus der Distanz und musste sich erneut auf die Bank setzen. Nun war es John Patrick, der zur Ansprache bat – sich bis zum Gang in die Kabinen aber nicht mehr freuen konnte. Noch ärgerlicher: Troy Caupain versenkte den Buzzerbeater (39:33, 20.).

Rebound-Überlegenheit ab dem Seitenwechsel

Exakt 15 Minuten später war es dann derselbe Korb, durch den ein Dreier rauschte. Polas Bartolo kam aus der Ferndistanz zum Korberfolg. Der Deutsch-Kubaner verkörperte den unbedingten Ludwigsburger Wilen nach dem Seitenwechsel mit jeder Faser seines Körpers. Die MHP RIESEN gaben alles, griffen nun beherzter und besser beim Rebound zu, verkürzten immer wieder und kamen schließlich durch Smith zum Ausgleich (43:43, 24.). Dieser währte allerdings nur kurz. Denn die Hausherren fanden einmal mehr in die Spur und setzten sich erneut bis auf acht Zähler ab. Doch Rodriguez und Barry Brown sollten für frische Energie sorgen: Das freundschaftlich verbundene Duo stoppte den Lauf der Orange-Weißen, Herzog und Wohlfarth-Bottermann sorgten in den nächsten Minuten für eine Konsolidierung dieser Energie (58:54, 30.).

Während die Gäste vor dem Schlussabschnitt entsprechend in Schlagdistanz waren und sich ob ihrer Crunchtime-Fähigkeiten selbstbewusst in die Duelle warfen, waren sie auch spielerisch nun tonangebend: Smith und Hulls entledigten sich ihrer defensiven Schatten, punkteten vermehrt und schulterten ihre Farben (58:59, 32.). Dieses Duett wurde durch Polas Bartolo zum Trio. Er machte an beiden Enden des Parketts ein herausragendes Spiel. Verhindern konnte der 35-Jährige den Führungswechsel nicht: Osetkowski, Per Günther und Cameron Clark stellten kurzzeitig auf +3. Kurzzeitig deshalb, da Polas Bartolo und Rodriguez weiter aufdrehten. Lukas Herzog und Hulls trafen zusammengenommen drei immens wichtigen Distanzwürfe. Doch die Trainer freuten sich nicht über die gelungene Offensive, sondern über fehlende, defensive Stopps. Dieser fortwährende Schlagabtausch und das stete Hin und Her sorgten für eine nervenaufreibende Crunchtime in welcher ein Ballverlust den Ausschlag geben sollte. Caupain unterlief ein Ballverlust, Smith nutzte den gewonnen Ballverlust für den Dagger-Dreier.

Durch den 83:77-Erfolg feiern die MHP RIESEN Ludwigsburg nicht nur den 21. Erfolg im 23. Bundesliga-Spiel, sondern auch die Verteidigung der easyCredit BBL-Tabellenspitze. Diese ist auch vor den morgigen Duellen von Berlin (in Frankfurt) und München (in Crailsheim) bereits in trockenen Tüchern. Die nächste Prüfung steht dann am Dienstagabend an: Ludwigsburg wird in Würzburg zum Nachholspiel gastieren.

Stats

Für Ulm spielten: Dylan Osetkowski 19 Punkte / 7 Rebounds, Troy Caupain 13 / 5 Assists, Cameron Clark 10, Andreas Obst 8, Thomas Klepeisz 7, Patrick Heckmann 7, John Petrucelli 5, Per Günther 4, Aric Holman 4 / 5 Rebounds, Demitrius Conger und Isaiah Wilkins.

Für Ludwigsburg spielten: Yorman Polas Bartolo 19 Punkte / 11 Rebounds, Desi Rodriguez 16 / 7, Jordan Hulls 15, Jaleen Smith 15, Jonas Wohlfarth-Bottermann 6 / 9, Tremmell Darden 5, Barry Brown 4, Lukas Herzog 3, Jacob Patrick und Jamel McLean.

Statements

John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Es war ein sehr intensives Spiel in dem Ulm den besseren Start hatte. Ich glaube der Schlüssel zum Sieg waren heute definitiv die Rebounds und damit unsere zweiten Wurfchancen. Auch wenn [Dylan]Osetkowski späte Dreier getroffen hat und wir Ulm insgesamt zu viele Freiwürfe ermöglicht haben, war es der harte Kampf am Brett, den wir für uns entschieden haben. Die Partie hatte heute in dieser Intensität auch ohne Fans Playoff-Atmosphäre und ich bin sehr stolz, dass wir gewonnen haben."
Jaka Lakovic | Headcoach ratiopharm ulm
"Das letzte Viertel hat heute den Unterschied ausgemacht. Dort haben wir insgesamt 29 Punkte kassiert. Viele davon sind aus zweiten Wurfchancen für die Ludwigsburger entstanden. Ihre 19 Offensiv-Rebounds waren einfach zu viele, wenn man so ein Spiel gewinnen will, das durch wenige Punkte entschieden wird. Wir haben heute ein tolles Derby gesehen. Insgesamt müssen wir physischer spielen und besser rebounden und ich hoffe, dass wir daraus lernen."