Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!

Category News Date 2023-10-28 ratiopharm ulm vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 70:99

In der zweiten Halbzeit sieht Ulm lediglich die Ludwigsburger Rücklichter: Desure Buie und Co. dominieren und feiern einen hochverdienten Derbysieg. Foto: Eibner / Sascha Walther.   

Das Schwaben-Derby 2023 wird zur gelb-schwarzen Gala: Die MHP RIESEN Ludwigsburg legen beim amtierenden Meister und bis dato ungeschlagenen Tabellenführer ratiopharm ulm ihre bis dato beste Saisonleistung aufs Parkett – und entscheiden die Partie des 5. Spieltags in beeindruckender Art und Weise für sich.

Vor dem ersten Schwaben-Derby der laufenden Spielzeit nahm  Headcoach Josh King gleich mehrere personelle Änderungen vor: Yorman Polas Bartolo kehrte an Stelle von Ben Vander Plas in den 12er-Kader sowie in die Startformation zurück. In dieser – und auch im Aufgebot – fehlte derweil Jonathan Bähre. Der 27-Jährige wurde leicht angeschlagen geschont. Aeneas Jung (Kaderplatz) und Jaren Lewis (Starting-Five-Sport) füllten die Lücken des Forwards und konnten aber nicht verhindern, dass der gelb-schwarze Motor zu Beginn stotterte. Ulm kam besser ins Spiel (8:7, 5. Spielminute). Im Anschluss an mehrere Wechsel und einen Dreier von Johannes Patrick (16:12) war der Bann endgültig gebrochen. Fortwährend senkten die Gäste die Feldwurfquote (38,5 FG%) der Hausherren in beachtlicher Manier und präsentierten sich beim Rebound (12:11) auf Augenhöhe – der Rückstand nach zehn gespielten Minuten lag in der eigenen Trefferquote begründet. Ludwigsburg verwandelte nur sechs seiner 20 Wurfgelegenheiten (20:14, 10.).

Ebenjene Trefferquote sollte sich ab dem zweiten Spielabschnitt verbessern, was sich direkt auch auf der Anzeigetafel bemerkbar machte: Melson und Jacob Patrick trafen und stellten auf 24:22. Die Freiwurf-Differenz zu gelb-schwarzen Ungunsten (Ulm: 14 / 20 Freiwürfe; Ludwigsburg 4 / 5) veranschaulichte einerseits das physische Gangart des Derbys und andererseits die Cleverness der Ulmer. Sie nutzten die in dieser Phase tolerierte Physis perfekt aus, Ludwigsburg gelang dies noch zu selten. Dennoch blieb das Geschehen offen, die MHP RIESEN machten defensiv die kleinen Dinge richtig, arbeiteten und bissen sich ins Spiel. Immer wieder zogen sie in die Zone und kamen so zum Korb und zu Treffern. Verdientermaßen eroberten sie die Führung, die auch beim Gang in die Kabinen Bestand hatte (35:39, 20.),

Ludwigsburg kommt ins Rollen

Direkt im Anschluss an die 15-minütigen Justierungen versuchte sich Karim Jallow am Turnaround für seine Farben, Desure Buie und Lewis hatten aber anderes im Sinn und konterten die Aktion des 26-Jährigen ihrerseits mit Korberfolgen. Spätestens mit dem Putback-Dunk von Elijah Childs (38:48) waren die Gäste emotional endgültig obenauf. Anton Gavel bat die Seinen zur Auszeit. Seinen Schützlingen gelang direkt im Anschluss zwar ein kleiner Lauf, doch während das Spiel hin und her wogte, waren es zu keiner Zeit die Hausherren, sondern immer wieder die Ludwigsburger und immer wieder Melson, die besser waren. Angeführt von ihrer Nummer #11 gingen die Gelb-Schwarzen mit breiter Brust in die Crunchtime (56:65, 30.), die letztendlich nicht existent war.

Denn während sich die MHP RIESEN spätestens jetzt in einen Rausch gespielt hatten, fünf zweistellige Scorer in ihren Reihen und zudem mit Polas Bartolo, Johannes Patrick und Eddy Edigin weitere Unterschiedsspieler in der Mannschaft wussten, brach Ulm vollkommen ein. Der amtierende Meister erlaubte einen (aus seiner Sicht) 0:15-Lauf (58:82), der das Spiel vorzeitig entschied und die Moral endgültig brach. Fortan zeigten die King-Schützlinge wenig Erbarmen, sezierten den noch vorhandenen Defensivverband nach Belieben und kamen zu sehr vielen, sehr leichten Punkten (63:95). Auch das Durchbrechen der 100-Punkte-Marke wäre für die Derbysieger möglich gewesen, wurde aber hintenan gestellt. Viel eher wurden Jung und Dominykas Pleta mit Spielzeit belohnt und der 99:70-Erfolg ausgiebig bereits auf dem Parkett genossen. Baden-Württemberg ist, mindestens für ein halbes Jahr, gelb-schwarz.

Im Anschluss an die beste Halbzeit der (bisherigen) Spielzeit und zwei englische Wochen in Folge haben die Barockstädter in den kommenden Tagen etwas Spielplan-Luft zum Verarbeiten, Verschnaufen und Verbessern. Zum Ende der Herbstferien gibt’s dann erneut einen Double-Header in der MHPArena. Erst kommt Rostock (05.11.; 18:30 Uhr | Tickets hier), dann Sassari (07.11.; 20:00 Uhr | Tickets hier) nach Ludwigsburg.

Stats

Für Ulm spielten: L.J. Figueroa 16 Punkte, Georginho de Paula 14, Juan Nunez 11, Karim Jallow 8, Dakota Mathias 7, Trevion Williams 6 / 9 Rebounds, Philipp Herkenhoff 4, Pacome Dadiet 4, Thommy Klepeisz, Nicolas Bretzel, Tobias Jensen und Max Langenfeld.

Für Ludwigsburg spielten: Silas Melson 20 Punkte, Desure Buie 17, Jayvon Graves 13, Jaren Lewis 10 / 5 Rebounds, Elijah Childs 10 / 8 / 5 Assists, Johannes Patrick 9, Yorman Polas Bartolo 8 / 9 Rebounds, Eddy Edigin 5 / 5, Jacob Patrick 5, Deion Hammond 2, Dominykas Pleta und Aeneas Jung.

Statements

Josh King | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"In erster Linie bin ich glücklich und stolz auf mein Team. Wir haben unseren Gameplan heute herausragend umgesetzt. Ulm ist ein tolles Team, spielt tollen Basketball. Wir wussten, dass es eine sehr hohen Einsatz benötigt, um auswärts in einer solchen Umgebung zu gewinnen. Ich habe den Jungs gerade in der Kabine gesagt, dass wir heute gesehen haben, zu was wir in der Lage sind, wenn wir hart arbeiten, wenn niemand hinschaut. Dieses Potential steckt immer in uns. Zudem hatten wir sicherlich etwas Glück, dass Ulm in dieser Woche eine lange Reisewoche hatte. Nichtsdestotrotz: Wir haben heute in einer toughen Halle sehr gut gespielt und verdient gewonnen."
Anton Gavel | Headcoach ratiopharm ulm
"Glückwunsch an Josh [King] und seine Mannschaft zum sehr dominanten Sieg. Ich muss meine Mannschaft wohl besser einstellen, um die richtige Einstellung auch schon von Anfang an zu haben. Wir waren heute in allen Belangen schlechter und deutlich schwächer. Wir haben die Ludwigsburger Intensität und Härte heute nicht angenommen, waren defensiv nicht existent. Das geht so gar nicht, erst recht vor den eigenen Fans. Es war eine Frage der Zeit, bis so eine Leistung kommt, wenn wir defensiv nicht da sind und nur hoffen unseren Gegner offensiv zu überpowern. Heute haben wir unsern Hinter versohlt bekommen. Zurecht! Jetzt liegt es an, wie wir reagieren werden. Aber das, was im letzten Viertel passiert ist [freie Lay-Ups, kaum verteidigte Würfe] ist inakzeptabel."