„In München ein Spiel stehlen”

Category News Date 2021-06-01

Defensive Hingabe aus dem Bilderbuch: Lukas Herzog ist, ein Jahr nach dem Final-Turnier, nicht mehr aus der RIESEN-Rotation wegzudenken. Foto: Tatjana Klee.

Mit einem 1:1-Serienstand wird das Playoff-Halbfinale zwischen den MHP RIESEN und dem FC Bayern Basketball ab Mittwoch (02.06; Tip-Off 20:30 Uhr) im Münchner Audi Dome fortgesetzt. Nach der 72:82-Heimniederlage am vorangegangenen Montag möchten die Schwaben mit einem Erfolgserlebnis in der bayerischen Landeshauptstadt die Serie mindestens für ein entscheidendes fünftes Duell zurück in die Barockstadt holen – oder im Idealfall vorzeitig und siegreich beenden.

Marco Matthes heißt der Mann, der bei den MHP RIESEN Ludwigsburg teamintern momentan hoch im Kurs steht. Der Physiotherapeut ist, in Anbetracht der Tatsache, dass in den vergangenen 14 Tagen sieben intensive Playoff-Partien auf der Agenda standen, der gefragte Mensch. Denn während einerseits das Video-Studium, verantwortet von Tetsuro Miyazaki und Josh King, wichtig ist und die richtigen Anpassungen im Serienverlauf erheblichen Einfluss haben können, entscheidet auch die körperliche Konstitution über den Ausgang der kommenden Spiele.

In den Playoffs gilt dauerhaft das Prinzip der spielerisch-taktischen Kenntnis und der Anpassungsgabe: Beide Kontrahenten kennen sich, nach nunmehr vier Duellen im Saisonverlauf, aus dem Effeff. Überraschungen werden in den Playoffs bekanntermaßen zunehmend seltener. Der Seriengewinner kommt zumeist verdient weiter. Zufallssiege gibt es in der Meisterschaftsendrunde keine mehr. Vielmehr ist das Ziehen von Lehren aus dem Gesehenen, ebenso wie die Regeneration, relevant.

Eine Frage der Kraft – und der Regeneration

Aus Sicht des Hauptrunden-Ersten ist vor allem das Kräftesammeln wichtig. Jordan Hulls (Wade) und Oscar da Silva (Fuß) mussten schon am Montagabend kürzertreten, weitere Akteure sind – passend zum Fortschritt der Saison – angeschlagen. Kein Spieler ist gravierend verletzt, Blessuren haben die Beteiligten aber auf beiden Seiten allesamt angesammelt. Headcoach John Patrick sieht dahingehend sein Team aber nicht im Nachteil. „Wir sind müde, die Münchner sind sicherlich um ein Vielfaches müder“, analysierte der 53-Jährige auf der Pressekonferenz nach Spiel zwei. Soll heißen: Sein Team ist nach einer kräftezehrenden Playoff-Serie gegen Bamberg (3:2) und einer intensiven Saison (44 Partien) ausgelaugt, der FC Bayern Basketball trotz eines deutlich größeren Kaders nach nunmehr 84 Saisonspielen aber entsprechend platt. Möglicherweise wird der Final-Einzug nicht durch die Spieler und den anpassungsfreudigsten Trainerstab, sondern über die beste medizinische Abteilung entschieden.

Zu wünschen wäre dies allerdings keinem der Beteiligten. Denn die beiden bisherigen Aufeinandertreffen waren bereits intensiv, spannend und teilweise hoch emotional. Ludwigsburg und München duellierten sich vor allem im ersten Spiel auf einem sehr hohen Niveau und werden das Weiterkommen auf dem Parkett miteinander klären. Vorerst auf dem Parkett des Audi Domes – und damit auf dem Boden, der in der Vergangenheit den wahrhaftigen Grundstein für den größten Erfolg der nationalen Klubgeschichte bildete.

Bekanntermaßen schalteten die Schwaben die Hausherren im Playoff-Viertelfinale in eigener Halle aus und wurden später Vize-Meister. Ein Jahr später möchten sie dieses Kunststück nun wiederholen und ein oder idealerweise zwei Erfolgserlebnisse feiern. Der FC Bayern Basketball möchte hingegen in eigener Halle den Final-Einzug dingfest machen und sich für das Aus im Juni 2020 revanchieren. Sollten sich die Mannschaften je einen Erfolg sichern und sich in der bayerischen Landeshauptstadt 1:1 unentschieden trennen, würde die Serie mit einem 2:2-Zwischenstand am Sonntag zum Entscheidungsspiel in die MHPArena zurückkehren.

Viele Szenarien, ein Fokus: Nur das nächste Spiel zählt

Die RIESEN-Mannschaft, die vollzählig und bester Laune bei strahlendem Sonnenschein am Dienstagnachmittag in Richtung München aufbrach, hat entsprechend drei Szenarien im Kopf: Zwei Siege bedeuten den vorzeitigen Final-Einzug, je ein Sieg und eine Niederlage die Rückkehr ins eigene Wohnzimmer und zwei Niederlagen das vorzeitige Ende einer auf alle Fälle herausragenden Spielzeit.

Wobei „im Kopf haben“ an dieser Stelle rein erklärend gemeint ist: Die Ludwigsburger sind derart siegeshungrig und selbstbewusst aufgebrochen, dass sie sich einzig und allein Gedanken um die dritte Partie im Semi-Finale machen – und sich derart adaptieren möchten, dass das Guard-Trio Žan Mark Šiško, DJ Seeley und Robin Amaize keinen spielentscheidenden Einfluss haben wird. Denn die Übersicht und der Spielaufbau des Slowenen, die Scoring-Power des US-Amerikaners und die Defensive des Deutschen waren am Montagabend zu viel des Guten. Denn die kämpferischen MHP RIESEN bremsten die Drei zu selten ein, um am Ende das Blatt noch einmal wenden zu können. Entsprechend folgerichtig war der Ausgleich an dem auch das Eingrenzen der Wirkungskreise von Wade Baldwin, JaJuan Johnson, James Gist und Co. keinen entscheidenden Einfluss mehr hatte.

Am Mittwochabend möchten sie nun wieder hellwach sein und, wie schon in Spiel fünf gegen Bamberg und Spiel eins gegen München ihr berüchtigtes „A-Game“ aufs Parkett legen. Die gelb-schwarze Delegation hat sich viel für die Reise ins 248 Kilometer entfernte München vorgenommen. Mindestens ein Spiel soll geklaut und die Serienführung gesichert werden. Die Playoffs sind eine Frage der Kraft – und die MHP RIESEN Ludwigsburg auch in München ein wieselflinker und vor Kraft strotzender Underdog. Dafür wird Matthes, der bei Team-Partner PraeMedicon in Lohn und Brot steht, schon sorgen.

Apropos dafür Sorge tragen. Dies wird medial, es ist für die Barockstädter in den Playoffs schon zu einem elitären Standard geworden, auch am Mittwoch wieder ein TV-Zweigestirn: MagentaSport überträgt ab 20:15 Uhr aus dem Audi Dome, SPORT1 steigt im Free-TV ab 20:30 Uhr mit ein. Zu hören und sehen sind dann Kommentator Markus Krawinkel und Experte Alex Vogel sowie Jan Lüdeke, der das Ganze mit seiner Moderation in den entsprechenden Kontext setzen wird.

Zahlenspiele zum Playoff-Halbfinale, Spiel 3

99 – Steals hat Jamel McLean in seiner easyCredit BBL-Karriere bereits eingesammelt. Sollte er ein weiteres Mal seine Qualitäten als Balldieb zur Geltung bringen würde er (auch in dieser Kategorie) einen kleinen Meilenstein bejubeln können.

75 – Punkte erzielte der „Mann der Playoffs“, Jonah Radebaugh, in der kompletten Hauptrunde (16 Spiele). Elf Punkte fehlen dem 23-Jährigen noch, um diesen Wert statistisch zu verdoppeln – in gerade einmal sieben Partien.

9.5 – Fastbreak-Punkte erzielen die MHP RIESEN Ludwigsburg im Playoff-Halbfinale pro Partie. Damit markieren sie 2.3 Zähler mehr als noch in der Serie gegen Bamberg.

Infos

FC Bayern Basketball vs. MHP RIESEN Ludwigsburg

Mittwoch, 02.06.2021, Tip-Off 20:30 Uhr

Audi Dome, Grasweg 74, 81373 München

live auf MagentaSport / SPORT1

Back