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Ludwigsburg verabschiedet „deutschen Michael Jordan“

Category News Date 2022-05-01 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. EWE Baskets Oldenburg 86:102

Ein letzter Trikottausch: Mit dem ehemaligen Rivalen David McCray tauscht Rickey Paulding ein letztes Trikot. Foto: EWE Baskets Oldenburg. 

In einem über weite Strecken ausgeglichenen Duell am Sonntag unterliegen die MHP RIESEN Ludwigsburg den EWE Baskets Oldenburg mit 86:102: Die Gäste aus dem Norden verabschieden ihren Kapitän und easyCredit BBL-Legende Rickey Paulding mit einer offensiven Aufholjagd und einem letzten Auswärtssieg nach 15 Jahren Vereinszugehörigkeit in den Ruhestand. RIESEN-Topscorer wurde an diesem Nachmittag Jordan Hulls mit 18 Punkten.

Nach einer prallgefüllten unterfränkischen Auswärtswoche mit einer Niederlage in Würzburg gefolgt von einem Sieg in Bayreuth, bestritten die MHP RIESEN Ludwigsburg gegen die EWE Baskets Oldenburg zuhause ihr viertes nationales Duell innerhalb von acht Tagen. Gleichzeitig bedeutete dies auch das letzte Spiel, bevor die RIESEN am Mittwoch ins spanische Bilbao aufbrechen, um dort im Final 4 der Basketball Champions League anzutreten. Dort wollen die Barockstädter den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte ins Schwabenland bringen. Vor dem Trip  ins Baskenland galt es jedoch national die Weichen für das Playoff-Heimrecht zu stellen.

Beim vorletzten Heimspiel der MHP RIESEN galt dabei „Sportliche vs. Emotionale Bedeutung“. Die Barockstädter befinden sich nach wie vor im Kampf um das Heimrecht in den Playoffs. Demgegenüber maßen die Gäste aus dem Norden dem Spiel vor allem emotionalen Wert bei. Nach einer durchwachsenen Saison konnte man mit soliden Ergebnissen im letzten Saisondrittel den Klassenerhalt sichern. Doch während Deutschland an diesem ersten Mai den Tag der Arbeit feierte, wurde in Ludwigsburg ein etwas anderer Feiertag zelebriert: Paulding-Day. Nach 18 Jahren im europäischen Profibasketball (davon 15 Jahre in Oldenburg), lief Rickey Paulding das letzte Mal im Baskets-Trikot auf. Dementsprechend viele Oldenburger Fans hatten sich deshalb auf die Reise in die 600 km entfernte Barockstadt gemacht und feierten schon beim Warm-Up jeden Paulding-Treffer frenetisch. Es war also alles für ein Basketballfest in der MHPArena angerichtet.

Starker Start

Tekele Cotton stand an diesem Nachmittag nach Verletzungspause erstmals wieder in der gelb-schwarzen Starting Five. Nach einigen hektischen ersten Ballbesitzen nahm die Partie in der MHPArena schnell Fahrt auf: Zwei Dreier von Phil Pressey und ein And-One von Michal Michalak auf Oldenburger Seite konterte Ludwigsburg mit energiereicher Teamoffensive (7 Assists im ersten Viertel). Ein erstes Highlight lieferte Jacob Patrick mit Alley Oop-Anspiel über das halbe Feld auf Jonah Radebaugh, der sich postwendend im nächsten Angriff mit dem passenden Assist für dessen Dreier bedankte (23:17, 7´). Nachdem Oldenburg zunächst augenscheinlich besser in die Partie fand, waren die Ludwigsburger nun präsent und schafften es mit einem 13:0-Lauf die Partie zu übernehmen. Den Unterschied im ersten Viertel machten Ludwigsburgs Würfe von jenseits des Perimeters: 5 erfolgreiche Distanzwürfe und 5 provozierte Turnovers auf Seiten der Gäste (4 Steals) sicherten den Schwaben die Führung nach den ersten zehn Minuten (29:23, 10‘).

Rickey Paulding eröffnete daraufhin das zweite Viertel mit zwei erfolgreichen Freiwürfen, bevor Jordan Hulls mit 7 Punkten in Folge für Ludwigsburg vorweg ging (36:25, 13´). Die Zuschauer in der MHPArena bekamen weiter ein temporeiches Basketballspiel zu sehen, in welchem der dritte erfolgreiche Dreier des Tages von Pressey und zwei erneute Paulding-Freiwürfe den Rückstand wieder verkürzten (36:33, 15´). Rückkehrer Cotton fügte sich währenddessen gut ein und brachte Ludwigsburg mit einem gelungenen „Fadeaway“ sowie erfolgreichem Korbleger in Führung (42:38, 16´). Oldenburg kam jedoch über Freiwürfe immer wieder zu einfachen Punkten (11/13 erfolgreiche Freiwürfe). Erneut war es Jordan Hulls, der per Dreier (3/4 3P) Ludwigsburg mit 6 Punkten in Führung brachte (49:43, 19´). Die Schwaben sicherten sich mehr Abpraller (22:16 Rebounds), doch Oldenburg und vor allem Phil Pressey (13 Punkte und 2 Steals) ließen sich nicht abschütteln (51:47, 20‘).

Unkonzentriertheiten in der zweiten Hälfte machen den Unterschied 

Jordan Hulls machte in der zweiten Halbzeit dort weiter, wo er in der ersten aufgehört hatte, und eröffnete mit seinem vierten erfolgreichen Dreier den zweiten Spielabschnitt. Doch auch Pressey war in der Kabine nicht abgekühlt und traf seinerseits seinen vierten Distanztreffer (54:52, 22´) und startete damit einen 10:0-Lauf für das Gästeteam (54:57, 13´). Zwar konnten die Gelb-Schwarzen eine Vielzahl an Offensiv Rebounds sichern (14 nach drei Vierteln), die zweiten Chancen jedoch nicht lohnend umsetzen. Jonathan Bähre war es dann, der einen erlösenden Offensivrebound zum Tip-In Korbleger verwertete (58:58, 25´) und somit wieder auf Gleichstand stellte. TJ Holyfield drehte daraufhin auf und bewirkte mit drei erfolgreichen Dreipunkte Würfen in drei aufeinander folgenden Ballbesitzen, eine 9 Punkte Führung für Oldenburg (58:67, 27´). Die Donnervögel trafen weiter hochprozentig von jenseits der 6,75m Linie: Erst Herrera, dann Ndhine netzten zur ersten zweistelligen Führung des Nachmittags ein (62:73, 28´). Jonah Radebough stemmte sich mit 5 aufeinanderfolgenden Punkten gegen die Oldenburger (69:75, 29´), doch Holyfields) vierter erfolgreicher Distanzwurf im dritten Viertel ( insgesamt 20 Punkte nach Q3) sorgte für den 69:78-Spielstand vor dem Schlussabschnitt.

Trotz einer kleinen 7-Mann Rotation schien Oldenburg nicht zu ermüden und erwischte den besseren Start in den letzten Spielabschnitt. Die Norddeutschen trafen weiter ihre Dreier, bevor Jordan Hulls den Bann brach und erst mit einem Floater die ersten Ludwigsburger Punkte im vierten Viertel besorgte um anschließend per Assist Rawle Alkins in Szene zu setzen (74:88, 33´). Auch in der Schlussphase setzte sich das intensive und hektische Spiel fort. Holyfield ließ dies unberührt, bei noch knapp unter drei Minuten zu spielen über einen Dreier auf 82:95 stellte. Als überragender Akteur der Oldenburger lieferte er mit 25 Punkten bei 5/6 Distanzwürfen sowie 14 Rebounds an diesem Nachmittag am Ende ein Double-Double. Rawle Alkins setzte noch einmal ein krachendes Statement (84:95´, 38´) in der Hoffnung, so das Momentum noch einmal zugunsten der Ludwigsburger herumzureißen. Bennet Hundt trat in Folge jedoch gleich drei Mal an die Linie – von wo er das Spiel zugunsten der Gäste endgültig entschied (86:102, 40′).

Würdiger Abschied für Liga-Legende

Die Szene des Spiels ereignete sich dann 20 Sekunden vor Schluss: Unter Applaus der ganzen Halle wurde Rickey Paulding ein letztes Mal ausgewechselt und verließ damit nach 15 Jahren im Oldenburger Trikot die easyCredit Basketball Bundesliga-Bühne. Am Ende stand für die MHP RIESEN Ludwigsburg eine 86:102-Heimniederlage gegen die EWE Baskets Oldenburg, die damit ihren Kapitän mehr als würdig verabschieden, eine Achterbahnsaison versöhnlich beenden und den Gelb-Schwarzen einen Rückschlag im Kampf um den Playoff-Heimvorteil versetzen. „Es ist ein unglaubliches Gefühl. Meine Familie ist hier, unsere großartigen Fans sind da. Alle in der Halle haben mich großartig begleitet. Es ist ein toller Zeitpunkt für den Abschied. Ich freue mich wirklich sehr. Ich wollte das Spiel wirklich gewinnen und wir haben hart gekämpft. Das ist ein gutes Team und jeder hat ein starkes Spiel geliefert. Ich wollte selbst noch einmal alles geben, um dieses Spiel zu gewinnen.“

Headcoach John Patrick nach dem Spiel: „Es war mir eine Ehre, dass ich Rickey Paulding so lange auf dem Feld sehen konnte. Er ist dort, seit ich in die Liga gekommen bin und quasi der Michael Jordan des deutschen Basketballs. Jahrelang war er der beste Spieler der Liga und ist noch immer ein Vorbild für so viele. Meine eigenen Kinder haben ihn immer bewundert, als er vor 13, 14 Jahren gespielt hat – und heute ist er auf dem Feld noch immer fast genauso athletisch. Das war heute sicherlich ein toller Abschied für ihn.“

Fokus auf’s Final Four

Zeit zum Grübeln bleibt den MHP RIESEN nicht: Bereits am kommenden Wochenende steht mit dem Final 4 der Basketball Champions League in Bilbao das nächste Saisonhighlight an. Im Halbfinale treffen die RIESEN dort am Freitag, 06. Mai um 21.00 Uhr auf das spanische Team BAXI Manresa. In einem potenziellen Finale könnten die Ludwigsburger am Sonntag den 08. Mai um 20.00 Uhr dann auf den Sieger der Partie zwischen Lenovo Tenerife und Hapoel U-Net Holon treffen.

Alexander Reil, 1. Vorsitzender der MHP RIESEN Ludwigsburg hat eine klare Zielvorgave: „Bilbao ist eine wunderschöne Stadt, aber wir fahren dort nicht für eine Stadtbesichtigung hin. Wenn wir unter den letzten Vier sind, dann wollen wir auch den Titel gewinnen. Wohlwissend, dass es – vor allem gegen die spanischen Top-Mannschaften, aber auch potenziell Holon – extrem schwierig sein wird. Wir wissen, was da auf uns zukommt. Für uns ist es ein toller Erfolg, soweit gekommen zu sein – trotzdem wollen wir das bestmögliche Ergebnis erzielen, zwei Spiele und den Titel gewinnen.“

MagentaSport erweitert zu diesem Anlass noch einmal sein attraktives Basketball-Portfolio um ein weiteres starkes Live-Angebot: Das gesamte Final Four der Champions League in Bilbao mit den MHP RIESEN Ludwigsburg wird live und kostenlos beim Streamingdienst gezeigt.

Nächstes Heimspiel

Mittlerweile steht der Termin des letzten Hauptrundenheimspiels der Saison 2021/2022 fest: Am Mittwoch den 11. Mai 2022 um 19.00 Uhr empfangen die MHP RIESEN Ludwigsburg die Gäste zum Neckar-Derby in der MHPArena (Ursprünglicher Nachholtermin 10. Mai).

Alle – nach dem bereits stattgefundenen Verkauf im Februar noch übrigen – Tickets für das letzte Hauptrunden-Heimspiel der Saison sind im RIESEN Ticketshop verfügbar. (Zu den Tickets auf der Sparda-Tribüne geht es hier entlang.). Da der exklusive Vorverkauf für Mitglieder und ehemalige Dauerkartenbesitzer bereits erfolgt ist, entfällt dieser entsprechend für den neuen Termin. Alle für den ursprünglichen Termin erworbenen Tickets behalten ihre Gültigkeit.

 

Für Ludwigsburg spielten:

Jordan Hulls 18 Punkte / Jonah Radebaugh 16 (9 Rebounds) / Rawle Alkins 15 (6 Rebounds) / James Woodard 12 / Justin Simon 8 (7 Rebounds) / Tekele Cotton 6 / Jonas Wohlfarth-Bottermann 4 / Jacob Patrick 3 / Jonathan Bähre 2 / Yorman Polas Bartolo 2 (6 Rebounds) / Johannes Patrick und Lukas Herzog.

Für Oldenburg spielten:

T.J. Holyfield 25 Punkte (14 Rebounds) / Phil Pressey 21 (5 Rebounds, 7 Assists) / Sebastian Herrera 15 / Michel Michalak 14 (5 Rebounds) / Bennet Hundt 13 (8 Assists) / Rickey Paulding 8 und Jerry Ndhine 6.

Statements

Ingo Freyer | Headcoach EWE Baskets Oldenburg:
"Es war von Beginn an ein sehr intensives Spiel, das hat man denke ich gesehen. Auf beiden Seiten ging es sehr schnell zu, es gab sehr schnelle Abschlüsse, weil sehr viel Druck gemacht wurde. Das liegt uns und Ludwigsburg sehr gut. Es ist dennoch schön, dass wir am Ende dieser Saison so ein schweres Auswärtsspiel für uns entscheiden konnten."
John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg:
"Ich möchte Ingo, Rickey Paulding und der Oldenburger Mannschaft gratulieren - sie waren heute einfach besser. Es war ein toller Abschied für Rickey Paulding. Jeder konnte heute sehen, dass auf unserer Seite die Konzentration gefehlt hat, obwohl wir stellenweise hart gespielt haben. Wir freuen uns klar auf das Spiel am kommenden Freitag in Bilbao, aber für mich ist das Ergebnis heute dennoch enttäuschend, weil es über den Heimvorteil für die Playoffs entscheiden könnte. Es kann nicht sein, dass uns als Mannschaft in so einem Spiel so viele Aussetzer passieren. Das ist aber so und wir müssen die weiteren Ergebnisse in der Liga abwarten und bereiten uns ab sofort auf das Finalturnier in Bilbao vor."
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