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Nur eine Halbzeit auf Augenhöhe

Category News Date 2020-11-22 FC Bayern München Basketball vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 93:70

Die vereinten Kräfte von Jaleen Smith und Tremmell Darden reichen gegen JaJuan Johnson und den FC Bayern Basketball nur für zweieinhalb Viertel: Der Münchner US-Amerikaner und sein Team dominieren das dritte Viertel und bescheren Ludwigsburg damit die erste Liga-Pleite der Saison. Foto: Hans Rauchensteiner.

Im Top-Spiel des 3. Spieltages der easyCredit Basketball Bundesliga unterliegen die MHP RIESEN Ludwigsburg beim FC Bayern Basketball 70:93. Im Anschluss an eine ausgeglichene erste Halbzeit verlieren die Schwaben den Zugriff – und müssen sich schlussendlich deutlich geschlagen geben.

An den Ort ihres größten, nationalen Erfolges kehrten die MHP RIESEN am Sonntagabend mit breiter Brust zurück: 146 Tage nach dem Ende des Final-Turniers lief Ludwigsburg erstmals wieder im Audi Dome auf – und war hierbei, im Vergleich zum Duell gegen Berlin, zwar personal runderneuert, gleichwohl aber mit dem identischen Fokus ausgestattet: Die Barockstädter gingen mit der Zielsetzung alles auf dem Feld zu lassen und dem Selbstvertrauen von drei Siegen in Folge ins Spiel.

Mit einer unveränderten Startformation sollte es gegen den sportlich sehr gut aufgelegten Zweiten der EuroLeague in den ersten Minuten dann auch exzellent funktionieren: Die Gäste kamen effizient und schnell ins Laufen, standen in der Defensive sicher, brachten mit einer flüssigen Ballbewegung und mehreren Distanztreffern die Münchner in Bedrängnis (3:11, 3. Spielminute) und Andrea Trinchieri zum Wutanfall am Seitenrand. Der Italiener sollte in der folgenden Auszeit sodann seine Schützlinge auf Betriebstemperatur bringen: Der FC Bayern Basketball kam neu justiert, mit viel spielerischer Klasse zurück aufs Parkett – und konnte allen voran durch Wade Baldwin das Defizit mehrfach sehenswert verkürzen. Ludwigsburg blieb dennoch das intensiver spielende, defensiv galligere und leidenschaftlichere Team, was die verdiente Viertelführung (19:23,10.) zur Folge hatte.

Intensität und Aggressivität sollten auch im zweiten Spielabschnitt Trumpf bleiben. Doch während John Patrick zu Anfang noch eine Ausführung nahe der Perfektion erlebt hatte, war diese nun deutlich geringer. Die MHP RIESEN rührten zwar defensiv Beton an, setzten aber auch offensiv Wurf um Wurf auf den Ring (23:25, 15.). Desi Rodriguez sollte diesen Bann, nach einer Patrick-Auszeit, zwar aus der Ferndistanz brechen, doch auch bei den Hausherren lief es in der Folge wieder besser, sodass es nach zwei Treffern von Leon Radosevic zum Führungswechsel kam. Hiervon ließen sich die Schwaben aber nicht irritieren: Sie waren um keine Antwort, dafür aber um Freiwurftreffer (5/11) verlegen, weshalb sie das Heft des Handelns nicht an sich reißen konnten – zur Halbzeit aber dennoch auf Augenhöhe agierten (38:38, 20.).

München dominiert den Rebound und das Spiel

Nach dem Seitenwechsel sollten sich die Gäste dann jedoch zur Unzeit eine intensitätstechnische Auszeit genehmigen, weshalb Patrick schnell zur faktischen Seitenrandansprache rief (42:38, 21.). Doch auch diese sollte nur bedingt helfen: Erst als Elias Harris mit Foul abschloss, beendeten die Schwaben den 8:0-Lauf der Hausherren. Doch wirklich funktionieren sollte es auch in der Folge nicht: Die Münchnern drehten das Geschehen im Vergleich zur ersten Halbzeit auf den Kopf, waren nun wacher und agiler – und zogen bereits zur Mitte des Viertels zuerst auf zehn und schließlich auf 17 Zähler davon (59:42), weshalb Patrick binnen fünf Minuten alle drei verfügbaren Auszeiten nutze, um seine Mannschaft mit allen Mittel zurück in die Spur zu bringen. Doch das entstandene Defizit, welches aus einer spielerischen Dominanz und Rebound-Überlegenheit der Münchner resultierte, sollte sich als zu groß erweisen. Harris fand in dieser Phase zwar immer wieder Antworten, doch diese waren bei Weitem nicht ausreichend, um die Partie ein weiteres Mal auf den Kopf zu stellen (73:54, 30.).

In einem deshalb dramatisch an Intensität verlierenden Spiel war die sprichwörtliche Messe vor dem ersten, gespielten Angriff im Schlussabschnitt gelesen: München brillierte weiterhin, doch nicht mehr auf dem Niveau des letztendlich siegbringenden, dritten Viertels. Beide Trainer rotierten viel, den Stempel sollte der Partie im vierten Viertel aber keiner der Akteure and mehr aufdrücken. Die Ludwigsburger hatten nun zwar wieder Zugriff, konnten den Malus des dritten Viertels aber nicht mehr abstreifen.

Im Anschluss an die 70:93-Niederlage haben die MHP RIESEN Ludwigsburg nun zwei Wochen zur Aufarbeitung des Geschehenen Zeit: Im Anschluss an die Länderspielpause empfangen die Schwaben am zweiten Advent (06.12.2020, Tip-Off 15:00 Uhr) die HAKRO Merlins Crailsheim zum Derby – und zum Auftakt eines maximal intensiven Dezembers.

Stats

Für München spielten: Wade Baldwin IV 21 Punkte / 5 Assists, Leon Radosevic 15, Nick Weiler-Babb 10 / 5 / 9 Rebounds, JaJuan Johnson 10 / 4 / 12, Vladimir Lucic 9, Jalen Reynolds 8, Zan Mark Sisko 6 / 6, Sasha Grant 6, Paul Zipser 5, Robin Amaize 3, Matej Rudan und Alex King.

Für Ludwigsburg spielten: Jordan Hulls 21 Punkte / 5 Rebounds, Elias Harris 16, Desi Rodriguez 8, Jaleen Smith 7 / 5, Yorman Polas Bartolo 5, Andrew Warren 5, Jonas Wohlfarth-Bottermann 4, Barry Brown 2, Tremmell Darden 2, Lukas Herzog und Johannes Patrick.

Statements

John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Es war ein verdienter Sieg von München. Ich gratuliere Coach [Andrea] Trinchieri und seinem Bayern-Team dazu. München hat uns in der zweiten Halbzeit dominiert. In der ersten Halbzeit, besonders in den ersten Minuten, haben wir unseren Gameplan umgesetzt. Ich bin allerdings nicht zufrieden damit, wie wir dann aus der Kabine gekommen sind. Wir dachten, dass [Wade] Baldwin IV, [Zan Mark] Sisko und [Sasha] Grant nicht so gut von der Dreierlinie treffen, aber sie haben mich eines Besseren belehrt. Das war beeindruckend. Zudem hat Bayern den Rebound dominiert, dies war ebenfalls entscheidend."
Andrea Trinchieri | Headcoach FC Bayern Basketball
"Dies war heute unser fünftes Spiel in zehn Tagen und dies haben wir in der ersten Halbzeit auch gespürt. Wir haben unkonzentriert, müde und ohne Energie gespielt. Aber ich kann mich nicht über meine Spieler beschweren, denn sie haben all ihre Kräfte im dritten Viertel gebündelt und das gemacht, was ein gutes Team tut. Wir haben unsere Arbeit getan und konnten die Minuten gut verteilen. Es war ein süßer Sieg, denn gegen Ludwigsburg ist es nie einfach, sie spielen immer hart. Wir gehen als verdienter Sieger nach Hause."