Offensiver Kraftakt übertrumpft Tübingen

Category News Date 2023-12-31 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. Tigers Tübingen 104:94

Die Derbysieger-Humba als symbolischer perfekter Abschluss des Jahres: Die Atmosphäre in der MHPArena führt das Team zunächst zum Sieg und sorgt dann beidseitig des Parketts für immense Freude. Foto: Tatjana Klee. 

Der Abschluss des Jahres 2023 gelingt den MHP RIESEN Ludwigsburg in erhofft siegreicher Art und Weise. Vor zum fünften Mal in Serie ausverkauftem Haus feiern die Hausherren einen 104:94-Derbysieg gegen Tübingen, in dem erst der Schlussabschnitt die Entscheidung bringt.

Los ging’s gut, dann wurde es schnell bitter: Trotz gewonnenem Sprungball (Eddy Edigin) und Statement-Block (Jayvon Graves) starteten die MHP RIESEN Ludwigsburg fahrig ins gelb-schwarze Derby. Vor 4.000 Zuschauern, 150 davon aus Tübingen, suchten sie in den ersten Minuten Zugang zum Spiel. Viele unnötige Fehlwürfe, Fouls und zweite Chancen ermöglichten aber derweil den Gästen den Start nach Maß. Angeführt von Jhivvan Jackson, der einen herausragenden Abend erwischte und 32 Punkte (52 FG%) markieren sollte, zogen die Tigers erstmals zweistellig davon. Sehr zum Missfallen von Headcoach Josh King, der sein Team lautstark und energisch zu justieren versuchte, zunächst allerdings glücklos blieb (24:31, 10. Spielminute).

Nachdem zwei Tübinger Impulsgeber, Georgios Kalaitzakis und Kriss Helmanis, schnell mit zwei persönlichen Fouls auf der Bank saßen, fanden die Barockstädter zunehmend ihren Rhythmus. Jonathan Bähre sammelte Rebounds, Silas Melson Korberfolge ein und ganzheitlich war das RIESEN-Team in einer weitestgehend ausgeglichenen, wohl aber sehr hektisch geführten Partie drin. Die Defensive stand deutlich besser, das Aufholen und Egalisieren des zweistelligen Rückstands war folgerichtig. Ebenso folgerichtig: Obwohl die Hausherren bis zum Gang in die Kabinen 11 Rebounds mehr eingesammelt hatten – und das Duell auch in Gänze deutlich (37:29) gewannen – gelang ihnen der endgültige Turnaround nicht, Tübingen blieb dran (50:48).

Jackson-Gala versus Team-Erfolg

Das Bild des konsequenten Hin und Her sollte sich auch nach dem Gang in die Kabinen durchsetzen. Plötzlich waren die Ludwigsburger aber binnen Bruchteile zweistellig in Front. Fünffach kamen sie via Fastbreak zu erstaunlich freien und erstaunlich einfachen Korberfolgen. Allen voran Melson war es, der Akzente setze, aber auch Desure Buie und Yorman Polas Bartolo waren zur Stelle. Erst nach doppelter Tigers-Auszeit von Danny Jansson und vorangegangener RIESEN-Führung (67:55) fanden die Gäste zurück ins Spiel. Dies dann aber nachdrücklich: Jackson netzte eins ums andere Mal und in äußerst sehenswerter Art ein, traf traumwandlerisch trotz gelb-schwarzer Bonus-Bewachung. Dem US-Amerikaner war es zu verdanken, dass der Ausgang des Derbys auch nach 30 Minuten vollkommen offen war (74:74).

Das Mehr an Zusammenspiel und an Tiefe im Kader sollte sich jedoch auszahlen. Nach zwei Distanztreffern von Erol Ersek, die Jaren Lewis in Korbnähe mit Zählbarem erwiderte (78:82), gelang den Ludwigsburger das Erhoffte: Sie übertrumpften die Tübinger am offensiven Ende des Parketts und waren nun nicht mehr zu stoppen. Angriff für Angriff orchestrierte Buie seine Teamkollegen und setzte entweder diese mustergültig in Szene oder sich selbst aufs Scoreboard. Die Tigers kämpften mit dem Mute der Verzweiflung, trafen ihre wilden Würfen aber nicht (mehr) und mussten mit ansehen, wie die Hausherren davon zogen. Im Moment letztmöglichen der Entscheidung spielten die Ludwigsburger ihren besten Basketball – hierdurch belohnten sie die RIESEN-Familie mit einem versöhnlichen Jahresabschluss, dem 104:94-Heimerfolg und der Verteidigung des sechsten Tabellenplatzes in der easyCredit BBL.

Während der Jahreswechsel demnach deutlich versöhnlicher als das Weihnachtsfest und mit zwei konsekutiven Liga-Erfolgen im Rücken vonstattengehen wird, bleibt der Spielplan unverändert eng: Am Dienstagabend steigt bereits das dritte Heimspiel in Serie. Dann gastiert Darüssafaka Istanbul in der MHPArena. Tip-Off zum ersten Duell der Play-Ins ist um 20:00 Uhr, Karten sind ab 10,00 Euro und via riesen-tickets.de erhältlich.

Stats

Für Ludwigsburg spielten: Desure Buie 22 Punkte / 10 Assists / 5 Rebounds, Silas Melson 18, Jonathan Bähre 14 / 6 Rebounds, Yorman Polas Bartolo 12, Eddy Edigin 9 / 7, Jaren Lewis 9, Jayvon Graves 8, Jacob Patrick 6, Elijah Childs 4 und Deion Hammond 2.

Für Tübingen spielten: Jhivvan Jackson 32 Punkte / 5 Assists, Mateo Seric 19, Georgios Kalaitzakis 13, Jimmy Boeheim 12 / 4 / 5 Rebounds, Erol Ersek 6, Kriss Helmanis 5, Javon Masters 3, Zach Darko-Kelly 2, Daniel Keppeler 2, Gianni Otto und Timo Lanmüller.

Statements

Danny Jansson | Headcoach Tigers Tübingen
"Jeder weiß, wie Ludwigsburg spielt. Wir spielen gegen sie in jeder PreSeason, wir kennen den Coach, wir kennen das Team, wir wissen, was wir erwarten können. Es wird intensiv, es wird ein Kampf. Wir haben uns darauf vorbereitet. Ich denke, dass wir heute gute und schlechte Phasen hatten. Aktuell bin ich etwas besorgt, ob unseres kompetitiven Instinkts. Wir hatten im dritten Viertel einige schlechten Momente. Wir sind nicht zurückgelaufen, Ludwigsburg hatte mehrere freie Würfe in Serie und wir mussten zwei Auszeiten darauf verwenden, unseren Jungs zu sagen, dass sie zurücklaufen sollen. Dann haben wir uns zurückgekämpft, nur leider keine Stopps mehr bekommen. Es war ein gutes Spiel, aber es ist frustrierend. Wir sind Woche für Woche so nah dran, um ein Spiel zu gewinnen – aber wir schaffen es nicht, diese Spiele dann auch zu gewinnen. Aber: Ein Spiel nach dem anderen, als nächstes kommt Würzburg zu uns. Hoffentlich können wir [auch dafür] die Abläufe kreieren, um ein bisschen konsistenter zu sein. Glückwunsch an Ludwigsburg."
Josh King | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Zunächst bin ich glücklich darüber, dass wir einen Weg gefunden haben, um dieses Spiel zu gewinnen, mehr Punkte als Tübingen zu haben. Ich denke nicht, dass wir den Sieg heute wirklich verdient hatten oder heute Abend das bessere Team waren. So ist Basketball manchmal. Manchmal wirst Du belohnt, wenn Du es eigentlich nicht solltest. Ich bin glücklich darüber, dass wir am Ende gewonnen haben. Wir haben viele Dinge nicht richtig gut gemacht, über die wir im Vorfeld gesprochen hatten. Tübingen hat uns phasenweise verprügelt, vor allem im ersten Viertel. Sie waren das aggressivere, das kompetitivere, das physischere, das bessere Team. Wir haben einen Weg gefunden, um ins Spiel zurückzufinden. Unser Einsatz war im zweiten und am Anfang des dritten Viertels besser, aber wir haben Tübingen zurück ins Spiel kommen lassen. Offensichtlich war [Jhivvan] Jackson herausragend, wir haben heute keinen Weg gefunden, um ihn zu stoppen. Aber wir müssen besser sein, das heute ist nicht das, was wir sein möchten. Wir müssen konsistenter sein. Nochmal: Ich bin glücklich darüber, dass wir gewonnen haben. Aber ich kann nicht sagen, dass wir den Sieg definitiv verdient hatten."