Zuerst nervös, dann souverän: Ludwigsburg legt vor

Category News Date 2021-05-19 MHP RIESEN Ludwigsburg vs. Brose Bamberg 83:69

Mit immenser Motivation ging Jaleen Smith ins Spiel: Der 26-Jährige verwandelte das Mehr an Energie in Zählbares – und führte sein Team als Topscorer an. Foto: Tatjana Klee.

Die MHP RIESEN Ludwigsburg sind mit einem 83:69-Sieg ins Playoff-Viertelfinale gestartet. Der Hauptrunden-Erste mühte sich gegen Bamberg in den ersten knapp zehn Minuten, fand dann aber seinen (defensiven) Rhythmus – und sicherte sich die 1:0-Serienführung.

Passend zum Highlight der Saison hatten die MHP RIESEN Ludwigsburg bereits vor dem Playoff-Auftakt großen Grund zur Freude: Yorman Polas Bartolo, Jaleen Smith und John Patrick wurden von den Kapitänen, Trainern und Sportdirektoren der easyCredit BBL als bester Verteidiger (DPOY), wertvollster Spieler (MVP) und Trainer des Jahres (COY) gekürt – und konnten sich stellvertretend, schon vor Spielbeginn, über weitere Auszeichnungen einer exzellenten Hauptrunde freuen.

Ins Spiel starteten die Gelb-Schwarzen dann allerdings denkbar schlecht: Jonas Wohlfarth-Bottermann verlor den Sprungball, Jaleen Smith foulte Dominic Lockhart direkt im ersten Angriff beim Distanzwurf, was dieser für ein Vier-Punkt-Spiel nutze. Zudem legten Christian Sengfelder und Shevon Thompson je zwei Punkte nach. Der frühe Rückstand war entsprechend deutlich (0:8, 3. Spielminute). Folgerichtig rief Patrick sein Team zur ersten Zusatz-Ansprache – und Smith sorgte für die ersten Zähler aus der 6,75-Meter-Distanz. Wirklich flüssig wurde das Gezeigte aber noch nicht. Die Schwaben liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher, Bamberg setzte die Akzente. Die Hausherren fanden erst ab der 7. Spielminute Zugriff. Maßgeblich daran beteiligt: Lukas Herzog, der viel Energie von der Bank brachte. Spätestens durch den Distanztreffer von Yorman Polas Bartolo war das Geschehen dann wieder auf Augenhöhe, Ludwigsburg aber noch in Rückstand (15:17, 8.). Da in den folgenden Angriffen aber wenig zusammenlief, Bamberg das Glück des Tüchtigen und Michele Vitali auf seiner Seite hatte, gab es einen weiteren Rückstand (18:22, 10.).

Im zweiten Spielabschnitt mussten die Schwaben nicht lange auf Zählbares warten: Smith legte zwei Dreier nach und sorgte, unterbrochen von einem Kravish-Dunk, für den Ausgleich (24:24, 12.). Generell wogte das Geschehen nun sehr regelmäßig und minutenlang hin und her. Die Ludwigsburger waren vorerst aber nur in der Position des Antwortenden. Dann kam die 15. Minute und Jonah Radebaugh. Der US-Amerikaner sorgte mit fünf Punkten in Serie für den endgültigen Führungswechsel (33:28). Dieser Vorsprung sollte bis zur 40. Minute Bestand haben. Denn die MHP RIESEN legten immer wieder und sehr erfolgreich nach: Herzog netzte aus der Ferndistanz, Polas Bartolo kam per Dunking eingeflogen, Oscar da Silva sorgte mit einem Block für eine sehr sehenswerte Defensivaktion – wodurch die Hausherren mit einer 41:33-Führung in die Kabine gingen (20.).

Bamberg versucht den Turnaround, Ludwigsburg bleibt stabil

Nach dem Seitenwechsel kamen die fränkischen Gäste, wie schon zu Beginn des Spiels, energisch auf das Parkett. Anders als im ersten Viertel überraschten sie die Ludwigsburger dadurch aber nicht mehr. Die MHP RIESEN sicherten die Führung, setzten erfolgreich Akzente und blieben dadurch kontinuierlich sechs bis zehn Punkte in Vorsprung. Spätestens nach einer Coast-to-Coast-Einzelaktion McLeans (50:40, 26.), platzte Roijakkers deshalb der Kragen: Er rief sein Team zur Auszeit. Der Niederländer sollte Stück für Stück die richtigen Anpassungen vornehmen, denn Bamberg kam langsam wieder heran, verkürzte das Defizit durch den gallig agierenden Tyler Larson, Kenneth Ogbe und Chase Fieler (53:50, 28 / 58:50, 30.).

Bamberg hatte im dritten Viertel deutlich gemacht, dass es das Spiel noch nicht verloren gegeben hatte – und machte im Schlussabschnitt genau dort weiter. Doch die Ludwigsburger blieben das bessere Team. Sie fanden die richtigen Lösungen, standen defensiv sehr gut und konnten sich offensiv auf ihren an diesem Abend Besten, Smith, verlassen. Der frisch gekürte MVP schulterte die gesamte Verantwortung und konnte sich über wechselnde Unterstützung seiner Kollegen freuen: McLean war unter den Körben der bestimmende Mann, Radebaugh, Warren, Polas Bartolo und Herzog brachten viel Energie – und Ludwigsburg bog in Spielminute 36 endgültig auf die Siegerstraße ein (72:59). Bamberg hatte der schwäbischen Spiellust, die sich im Verlauf der Partie zunehmend Bahn brach, nichts mehr entgegenzusetzen. Die Franken mussten endgültig abreißen und den Hausherren den Auftaktsieg überlassen.

Durch den 83:69-Erfolg erleben die MHP RIESEN einen gelungenen Playoff-Auftakt und gehen in der Best-of-Five-Viertelfinal-Serie 1:0 in Führung. Zeit zum Verschnaufen oder Nachdenken hat, aufgrund der engen Taktung, keiner der Kontrahenten. Bereits am Freitagabend (Tip-Off 20:30 Uhr) steigt die nächste Partie. Gespielt wird das zweite Spiel erneut in der MHPArena.

Stats

Für Ludwigsburg spielten: Jaleen Smith 21 Punkte / 6 Rebounds, Jamel McLean 14 / 13, Andrew Warren 11, Yorman Polas Bartolo 9, Jonah Radebaugh 8, Jacob Patrick 5, Lukas Herzog 5, Tremmell Darden 4, Jordan Hulls 3, Jonas Wohlfarth-Bottermann 2, Oscar da Silva und Johannes Patrick.

Für Bamberg spielten: Kenneth Ogbe 16 Punkte, Christian Sengfelder 10, Chase Fieler 7 / 6 Rebounds, Michele Vitali 7, David Kravish 7 / 6, Moritz Plescher 5, Bennet Hundt 5, Tyler Larson 4, Dominic Lockhart 4, Shevon Thompson 4 und Mateo Seric.

Statements

Johan Roijakkers | Headcoach Brose Bamberg
"Gratulation an Ludwigsburg zum verdienten Sieg und auch an JP und [Jaleen] Smith zu den Saison-Awards. Ich glaube, dass wir lange dran waren. Es war zwischenzeitlich für viele Minuten ein Zwei-Posession-Spiel. Aber man sieht auch: Ludwigsburg hat 75 Würfe genommen, wir 58. Mit diesen Zahlen kann man kein Spiel gewinnen. Ludwigsburg hat zudem das Posession-Game gewonnen: 8 Ballverluste für Ludwigsburg, 15 für uns. Mit diesen Zahlen wird es schwierig. Wir verteidigen, meiner Meinung nach, gut. Aber wir müssen die Verteidigungssequenzen auch im nächsten Spiel mit dem Rebound beenden."
John Patrick | Headcoach MHP RIESEN Ludwigsburg
"Es war ein wichtiger Sieg für uns. Anfänglich waren wir ein Stückchen nervös, haben in der ersten Halbzeit nur sechs von 20 Wurfversuchen aus der Nahdistanz verwandelt. In der zweiten Halbzeit war es dann besser. Wir haben insgesamt die Ballverluste kontrolliert, was uns anfänglich im Spiel gehalten hat. Danach haben wir 25 bis 27 Minuten exzellent verteidigt. Schlussendlich hat Bamberg noch ein bisschen Ergebniskosmetik betrieben. Oscar [da Silva] war in der Verteidigung in der ersten Halbzeit sehr gut. Er hat ein unsportliches Foul kassiert und ich wollte nicht, dass er ein zweites Foul bekommt. Luki [Herzog] und Yorman [Polas Bartolo] waren sehr wichtig. Andrew Warren und Oscar mit +14 und +13 waren ebenfalls super. Auch wenn er [da Silva] keinen Punkt gemacht hat, hat er Christian Sengfelder sehr gut verteidigt. Am Ende steht es jetzt 1:0. Wir müssen in 48 Stunden wieder hier und bereit sein – und können dann hoffentlich den zweiten Sieg feiern."